Coronavirus

WhatsApp-Kettenbrief führt Schlager-Fans zu Spenden-Fake

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten

Epidemie oder Pandemie? COVID-19 oder SARS-CoV-2? Infektionsketten oder Herdenimmunität? Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus kommen wir schonmal mit Begriffen durcheinander.

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Berlin/Bergamo.  In der Coronavirus-Krise geht ein Kettenbrief über einen italienischen Schlagersänger aus Bergamo viral. Nun wehrt sich der Künstler.

Im norditalienischen Bergamo leiden die Bewohner besonders stark unter der Corona-Pandemie. In den ersten drei Märzwochen starben dort mindestens 858 Menschen, die sich zuvor mit Sars-CoV-2 infiziert hatten.

Auch auf WhatsApp sind die prekären Lebensumstände in der Krisenregion Thema – in der Messenger-App beschäftigt ein Kettenbrief seit Tagen viele Menschen. In der vielfach geteilten Nachricht heißt es, dass der italienische Schlagersänger Roby Facchinetti die Urheberrechte an seinem Song „Rinascerò, Rinascerai” an das Krankenhaus in Bergamo überschrieben hätte.

Der an die Nachricht angefügte Youtube-Link verweist auf eben dieses Lied, das auf Youtube bereits mehr als 9,5 Millionen Menschen erreicht hat. Auf Facebook wird eine ähnliche Botschaft mit Link zu diesem Youtube-Video weiterverbreitet.

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Viele der Hörer des Songs hoffen wohl mit ihrem Klick etwas Gutes bewirkt zu haben – denn in dem Kettenbrief heißt es auch: „Jeder Klick auf das Video ist damit quasi eine Spende, da Youtube dem Inhaber Geld pro Klick bezahlt.”

Tatsächlich sammelt Facchinetti mit diesem Lied auch Geld für ein Krankenhaus in Bergamo. Allerdings bislang eben nicht über Youtube: Der Sänger erklärte zunächst auf Facebook, dass seine Hörer das Lied über einen Download-Link kaufen müssten, damit die Einnahmen beim Papst-Johannes-XXIII.-Krankenhaus in Bergamo tatsächlich ankommen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Facchinetti, dass es mittlerweile gelungen sei, auch die Youtube-Einnahmen für den guten Zweck bereitzustellen: „Allein über die Youtube-Einnahmen können wir mehr als 8000 Euro spenden.“ Laut Facchinetti will man mit den Spendengeldern dort medizinische Ausrüstung kaufen.

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Im Gespräch mit unserer Zeitung freute sich Facchinetti über den Erfolg seines Songs: „Ich habe Nachrichten voller Liebe und Solidarität aus der ganzen Welt erhalten. Wenn ich das lese, bin ich wirklich glücklich, weil ich sehe, dass wir alle zusammengehören – ganz egal, welche Nationalität oder Religion wir haben.“

In seiner Heimatstadt Bergamo ist die Lage derweil weiter dramatisch. Facchinetti: „Die Leute sterben weiter, es gibt keine Särge mehr. Ihre Körper werden in schwarze Tüten gepackt – wir zahlen einen hohen Preis in dieser Pandemie.“ In der ganzen Region gäbe es keine Familie, die nicht einen Verlust zu beklagen hätte. „Besonders schlimm ist, dass viele der Erkrankten ihren Familien beim Betreten der Krankenwagen Aufwiedersehen sagen. Und oft wissen sie, dass das letzte Aufwiedersehen sein wird.“

Auch Facchinetti selbst hat Verwandte in der Krise verloren – die Pandemie hat ihn nachträglich geprägt: „Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, bricht mir das Herz.“ Denn meist seien dies Anrufe von Freunden, die ihn über einen weiteren Verstorbenen informieren.

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(dpa/pb)

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