Senioren

Warum es so viele Menschen über 100 gibt wie nie zuvor

Ein älteres Paar sitzt auf einer Bank in Frankfurt an der Oder. Noch nie wurden die Menschen so alt wie jetzt (Symbolbild).

Ein älteres Paar sitzt auf einer Bank in Frankfurt an der Oder. Noch nie wurden die Menschen so alt wie jetzt (Symbolbild).

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin.  Weltweit gibt es rund 533.000 Hundertjährige – eine neue Rekordzahl. So fit wie heute waren Senioren noch nie, sagen Wissenschaftler.

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Sie trägt lustiges rotes Haar. Und er so gern knalligfarbige Strickjacken: Phyllis und John Cook aus Ohio sind bester Laune. Gerade haben sie geheiratet. Junges Glück, altes Paar: „Ich weiß, das klingt vielleicht ein bisschen weit hergeholt für Menschen in unserem Alter, aber wir haben uns verliebt“, sagt Phyllis Cook. Sie wird im August 103 Jahre alt. John sei ein Jungspund – mit gerade mal 100.

Hundertjährige, so sagen Forscher, werden mehr. So viele wie heute gab es noch nie: 533.000 Hundertjährige weltweit, das sind fast viermal so viele wie zur Jahrtausendwende und damit Rekord, heißt es vom Statistischen Bundesamt. Knapp 80 Prozent der Hochbetagten sind Frauen.

Auch der aktuell älteste Mensch der Welt ist eine Frau: die Japanerin Kane Tanaka mit 116 Jahren. Warum sind es Frauen? Für Wissenschaftler ganz klar: Sie rauchen deutlich seltener, trinken weniger und gehen öfter zum Arzt.

Senioren suchen immer häufiger das Abenteuer

Ob Frau, ob Mann – „so fit wie heute waren alte Menschen noch nie“, so Sven Voelpel von der Jacobs University Bremen. „Es hat sich ex­trem viel geändert“, sagt der Altersforscher. „Früher war eine Frau mit 74 schon eine alte Oma, meist schwarz angezogen.“ Das Bild habe sich komplett geändert.

„Heute sieht man Frauen noch mit achtzig in Jeans auf Kreuzfahrtschiffen sitzen.“ Sie sind in Form, strotzen oft vor Gesundheit „und haben sogar oft noch ihre eigenen Zähne“. Nur wenige alte Leute suchen Ruhe unter der Kamelhaardecke. Stattdessen: Tennis, wandern, Ski fahren.

Vor allem in Deutschlands Großstädten sind sie aktiv, die Ü70er bis Ü90er. Etwa 16.000 Jubilare haben hier ihren Hundertsten schon gefeiert. Vor rund 20 Jahren waren es nur gut 2600 Menschen. In den großen Städten stimme eben der kulturelle Anreiz wie auch das Bus- und Bahnangebot, hört man immer wieder, wenn Hundertjährige gefragt werden, was das Leben schön und vor allem leicht mache.

103 und mit Tempo dabei

Wichtiger Faktor für langes Leben ist eine gute medizinische Versorgung

Kultur sowie Bus und Bahn – damit sieht es auf dem Land eher schlecht aus. Doch das ist nicht der Grund, warum die Menschen dort seltener hundert werden, so Experten. Viel eher mangele es an der medizinischen Versorgung. Altersforscher Voelpel: „Wer einen Herzinfarkt hat und schnell behandelt wird, kann noch locker 10 bis 15 Jahre leben.“

Städte sind also gut fürs Altwerden. Und sehr gut ist Berlin: Auf 100.000 Einwohner kommen dort 31 Hundertjährige. In Frankfurt, Essen und Dresden sind es 17. Der Vorteil: Krankenhäuser sind hier oft in weniger als 15 Minuten erreichbar.

Noch einen Grund gebe es, der dafür sorgt, dass Menschen alt und älter werden: Rembrand Scholz vom Max-Planck-Institut in Rostock spricht von einem stabilen sozialen Netz. Das funktioniere besonders gut in Baden-Württemberg und Bayern, weil die Menschen dort bleiben, wo sie sind, und nicht so viel umziehen.

Laut Studien macht ein hohes Alter glücklich

Doch auf dem Konto der Lebenserwartung zählt auch noch etwas ganz entscheidend: die Ernährung. In den Altersoasen Sardinien und der japanischen Insel Okinawa, wo überdurchschnittlich viele Hundertjährige leben, stehen Ziegenmilch, Kichererbsen und Tomaten auf dem Speisezettel – keine Pommes, Burger oder Sahnetorten.

Menschen mit hundert sind sich vielfach ähnlich. „Im hohen Alter lebt der Mensch in dem Moment“, sagt Voelpel. Kein Stress mehr, kein Konkurrenzdenken. Studien hätten ergeben, dass hohes Alter einfach glücklich mache, so der Altersforscher. „Man muss nur abwarten können, dann passiert es ganz von selbst.“

Die Zufriedenheit komme auch daher, dass alte Leute weise sind und manchen Lebenstrick kennen, wie der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen sagt: „Die Jüngeren können schneller rennen, aber die Älteren kennen die Abkürzung.“

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