Kolumne Single Mom

Warum Eltern Urlaub ohne Kinder machen sollten

Erwachsene brauchen eine Pause vom Elternsein. Manchmal, findet unsere Kolumnistin.

Erwachsene brauchen eine Pause vom Elternsein. Manchmal, findet unsere Kolumnistin.

Foto: Odilon Dimier / imago/PhotoAlto

Essen.   Auch Eltern brauchen manchmal eine Pause vom Elternsein. Und sie müssen gar kein schlechtes Gewissen haben, meint unsere Kolumnistin.

Ich liebe meine Kinder mehr als alles in der Welt – deshalb bin ich jetzt zwei Wochen weggefahren. Und mir scheint, als sei diese Einstellung im deutschsprachigen Raum nicht so verbreitet, aber meine 64-jährige französische Babysitterin (die ab und zu wie eine Ersatzoma aushilft) bestätigte mich bereits mal vor Jahren. Damals wollte ich NUR drei Tage nach Marrakesch fliegen, meine beste Freundin musste beruflich dorthin und hatte noch eine Begleitung frei. „Komm mit, Rosales, ist alles inklusive“, sagte sie zu mir. Also ein Angebot, das man nicht ablehnen sollte. Mein Sohn war damals ein Jahr alt, trug kleine Hausschuhe mit Dinos drauf. Er sah mir zu beim Taschepacken. Und heulte Rotz und Wasser.

Erwachsene brauchen eine Pause vom Elternsein

Damals sagte besagte betagte Babysitterin zu mir: „Ah, Frau Rosales, Sie machen das gut. Es ist wichtig, mal rauszukommen, vor allem ohne Kinder. Die deutschen Mütter – wissen Sie, Frau Rosales –, ich finde sie nicht im Reinen mit sich selbst. Es ist wichtig, sogar ein paar Wochen im Jahr ohne sein Kind zu verbringen, wissen Sie. Ich halte nichts von Eltern, die das nicht tun. Sie sind gestresst, sie übertragen ihre Neurosen auf ihren Nachwuchs.“ Und auch die Schreiber der US-Serie „Single Parents“ machen es in der Pilot-Folge zum Thema, dass Eltern, ob alleinerziehend oder nicht, niemals der Kontakt zu ihrem erwachsenen Ich verlieren sollten. Gleich in der ersten Folge mokieren sie sich über den Vater, der versucht, eine Symbiose mit seinem Kind zu bilden. Auch hier ist die Botschaft: Erwachsene brauchen eine Pause vom Elternsein. Manchmal.

Mein Kumpel Martin (drei Söhne im Alter von null bis sechs Jahre), Drehbuchautor, ist da allerdings anderer Meinung. Als ich ihm von meiner jetzigen, damals noch geplanten Reise erzähle, sagt er: „Das könnte ich nicht.“ Und ich so: „Ach, das ist toll. Zum Schreiben auch sehr gut.“ Er schüttelte nur den Kopf. „Aber ich will NICHT ohne meine Kinder sein“, protestierte er. „Da wäre jeder Urlaub mies.“

Ich ahne, so wie er denken viele Eltern in meiner Umgebung. Sie beklagen sich, dass sie die schönste Zeit des Jahres in schlecht ausgestatteten Ferienwohnungen verbringen. Zwei Wochen Ostsee, zwei Wochen Regen. „Ja, das war jetzt nicht so günstig“, sagt meine Bekannte Gunda. Alle schlecht gelaunt, keiner erholt am Ende.

Ganz schön dekadent?

Und ich sage ihr, dass ich auch nichts dagegen habe, einmal im Jahr fünf Stunden Auto zu fahren – mit einer Tüte, in der ein Haufen Sandwiches liegt, zwischen den Beinen, aber dass ich mir das Bordprogramm in der Economy schon sehr gerne ohne ein „Mamaaa, ich muss Pipi“ zwischendurch anschaue. Abgesehen davon, dass ich mir viele Flüge (Preis mal drei) mit zwei Kindern gar nicht leisten könnte.

„Ganz schön dekadent“, sagt eine Mutter aus der Kita.

„Nee, sage ich. Andersrum wäre dekadent. Alleine spare ich ja Geld.“

Väter werden seltener mit ihrer Abwesenheit konfrontiert

Am Mutter- oder Elternsein in Deutschland stört mich der Absolutheitsanspruch, denn ich kann mir sicher sein, dass spätestens nach einer Woche besorgt nach mir gefragt wird. „Ja, wo ist denn die Mama, ist die denn noch weg?“, fragt dann gern die besorgte Nachbarschaft, wenn die Kinder immer nur mit Au-pair oder Oma zu sehen sind. Väter werden hingegen seltener mit der Schande ihrer Abwesenheit konfrontiert. „Papa ist auf Reisen.“ Wer das sagt, muss mit weniger Folgefragen rechnen.

Aber auch Mütter müssen mal raus. Also müssen wir anfangen, das zu ändern. Die Norm zu dehnen. Und uns super Urlaube spendieren. Nur für uns. Das verstehen dann auch unsere Kinder. Und bei der Rückkehr mit einer Tüte Schaumgummi aus dem Duty Free zu winken, schadet bestimmt auch nicht.

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