Frauengold-Kolumne

Warum Alice Schwarzer von Rechtspopulisten benutzt wird

Alice Schwarzer wird wegen ihrer Meinung zum Kopftuch vielleicht von einigen beklatscht, die ihr gar nicht so lieb sind.

Alice Schwarzer wird wegen ihrer Meinung zum Kopftuch vielleicht von einigen beklatscht, die ihr gar nicht so lieb sind.

Foto: Imago/Günther Ortmann

Berlin.  Die Feministen Alice Schwarzer kämpft gegen das Kopftuch – das freut Rechtspopulisten. Frauenrechte haben sie dabei weniger im Sinn.

Erbrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht, Zivilrecht: Okay. Vor dem Gesetz, klar – sind Frauen gleichberechtigt. Die Zeiten, in denen Väter und Ehemänner die Berufstätigkeit verbieten können, sind seit Jahrzehnten vorbei.

Das Hausfrauenbild, das die deutsche Gesellschaft lange prägte, ist wenigstens in den Städten verschwunden. Wer Frauen vergewaltigt, kann im Knast landen – selbst wenn der Täter der eigene Ehemann ist.

Wir sind Lichtjahre entfernt von den gesellschaftlichen Verhältnissen in muslimisch geprägten Ländern. Meinen wir.

Ehrenmord? Familiendrama? Das Ergebnis ist gleich

Tatsächlich kann das deutsche Gesetz Frauen nicht immer vor Gewalt und Repression schützen. Wie vielen Mädchen hierzulande eine höhere Schulbildung verwehrt bleibt, wie viele gedemütigt, missbraucht oder unterdrückt werden, ist aufgrund der hohen Dunkelziffer unklar.

Auch deutsche Frauen werden von ihren deutschen Männern geschlagen, gequält, getötet. Das heißt dann zwar nicht Ehrenmord – ist aber wohl auch eine Tat aus verletzter Ehre und Hass.

Es gibt eine Menge Leute, die das Kopftuch als Symbol für Zwangsehe, Kinderhochzeiten und/oder Terrorismus sehen. Kopftuch-tragenden Frauen sind für Viele willenlose Geschöpfe, die unter der Knute von Ehemann, Bruder oder Vater stehen.

Nicht jede Frau, die ein Kopftuch trägt, wird unterdrückt

Dass durchaus weltoffene Musliminnen das Kopftuch freiwillig tragen, schlicht als religiöses Zeichen, wird häufig komplett ausgeblendet.

Für Rechtspopulisten ist das Kopftuch Feindsymbol Nummer 1. Dabei ist Emanzipation wohl das Letzte, was sie antreibt. Tatsächlich schwadronieren AfD-ler über die Wiedereinführung der Schuldfrage im Scheidungsrecht und wollen die Verschärfung des §218.

Radikal lehnen sie jegliche Frauenquoten ab und werben für ein traditionelles Frauen –und Familienbild, das eher die Verhältnisse in den 1950er Jahren widerspiegelt als das Lebensgefühl von heute.

Alice Schwarzer – entdeckt von rechten Stammtischrednern

Und nun sind es ausgerechnet diese Rechtspopulisten, die Alice Schwarzer entdecken. So erreichte mich neulich ein Post, in dem auf einen Artikel in der „Emma“ verwiesen wurde, ein Blatt, das er „eigentlich nicht lese“, so der Urheber des Posts, der ansonsten viel rechtslastiges Zeug über Migranten und linke Politiker in sozialen Netzwerken schreibt.

In dem Emma-Artikel geht es um Flüchtlinge, die in Schwimmbädern Frauen belästigen. Darüber kann und soll man natürlich berichten; gerade aus frauenpolitischer Sicht.

Tatsächlich avanciert Alice Schwarzer aber gerade zum Liebling der Stammtische, da sie derzeit aktiv gegen das Kopftuch vorgeht, das sie ebenso wie die Rechtspopulisten generalisierend mit dem politischen Islam gleichsetzt.

Der größte Antrieb der Feministin: Kampf gegen Frauenhass

Von Alice Schwarzers Engagement kann man in diesen Zeiten halten, was man will. Als jahrzehntelange Emma-Leserin verstehe ich ihre Sicht. Der größte Antrieb der Feministin ist ihr Kampf gegen Frauenhass, das wohl häufigste Motiv, wenn Frauen ermordet werden.

Frauenhass treibt auch Mörder wie von Halle oder Christchurch an (parallel zu ihrem Hass auf Muslime, Juden, Schwule und was sonst noch kein weißer Mann ist).

Und nun nehmen sich ausgerechnet eine Truppe von Männer-Populisten, die Frauen gerne als „stutenbissig“ titulieren, die deutsche Ur-Feministin zu Hilfe. Das ist wirklich paradox. „Alte weiße Männer“, wie junge Feministinnen sie heute nennen, die die sich auf die Schenkel klopfen, wenn sich in Anzeigen leicht bekleidete Models auf Autos räkeln, sind mit Alice Schwarzer einer Meinung.

Frauen mit Kopftuch – so unsexy wie das Karriereweib?

Vielleicht ist es einfach so: An Frauen, die im Job ebenbürtig sind und selbstbewusst auf ihre Rechte und ihr Fortkommen pochen, kommt so ein gestriger Kerl nicht ran. Gleiches gilt für Frauen mit Kopftuch – bei beiden fehlt der Flirtfaktor alter Schule.

Dieser Typ will anschmiegsame Frauen, die ihm zur Seite stehen – und dabei noch klasse aussehen. Nach dem Motto: Alles bleibt, wie es war. Wie gestern eben.

Alice Schwarzer, was sagen Sie dazu?

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