Justiz

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Moderator der Deutschen Welle

Vergewaltigungsvorwürfe erschüttern die Deutsche Welle.

Vergewaltigungsvorwürfe erschüttern die Deutsche Welle.

Foto: Christoph Hardtvia www.imago-images.de / imago images / Future Image

Hamburg.  Ein früherer Starmoderator der Deutschen Welle soll mehrere Frauen sexuell belästigt und eine vergewaltigt haben. Er bestreitet das.

Die Deutsche Welle wird von einem Skandal erschüttert, bei dem es um Vergewaltigung und sexuelle Belästigung geht. Wie die „Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, soll der Moderator Yosri F. mehrere Frauen sexuell belästigt und eine von ihnen sogar vergewaltigt haben.

Die Wochenzeitung schreibt, der Mann sei „so etwas wie der arabische Günther Jauch“ und nennt ihn einen „Starmoderator“. Der Ägypter arbeitet seit Sommer 2016 für den deutschen Auslandssender.

Vergewaltigung bei Deutscher Welle? Yosri F. bestreitet die Vorwürfe

Konkret schildert das Blatt zwei Fälle: Demnach soll F. bereits 2016 der ägyptischen Netzaktivistin Dalia Hamouda, die in Schweden lebt, eine Zusammenarbeit angeboten und sie nach Berlin eingeladen haben. Sie habe die Einladung angenommen.

Noch auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt soll F. Hamouda eröffnet haben, er habe, anders als ursprünglich geplant, ihr kein Hotelzimmer gebucht, sie könne aber bei ihm übernachten. In seiner Wohnung habe F. mit der Frau, die lesbisch ist, über deren sexuelle Orientierung sprechen wollen und sie anschließend begrapscht. Daraufhin sei Hamouda aus dem Apartment geflohen. F. bestreite die Vorwürfe.

Ermittlungen wegen des Verdachts „einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung“

Im zweiten Fall soll der Moderator eine freie Mitarbeiterin der Deutschen Welle, deren Vorgesetzter er war, gebeten haben, bei ihm zu Hause zusammen mit ihm eine seiner Sendungen anzuschauen. Auch dieser Fall liegt bereits drei Jahre zurück. Bei F. zu Hause angekommen habe dieser mit der Frau über sexuelle Themen sprechen wollen, sie an intimen Stellen berührt und anschließend vergewaltigt.

Unmittelbar danach habe sie zwei Freundinnen von der mutmaßlichen Vergewaltigung erzählt und anderthalb Jahre später sich der Gesundheits- und der Gleichstellungsbeauftragten der Deutschen Welle anvertraut. Der Sender habe daraufhin eine Kommission eingesetzt und sich später von F. getrennt.

Im Oktober soll die Mitarbeiterin den heute 55-Jährigen angezeigt haben. Laut der „Zeit“ ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts „einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. Auch in diesem Falle streite F. alle Vorwürfe ab.

Deutsche Welle geht in Stellungnahme nicht auf Einzelfall ein

Die Deutsche Welle veröffentlichte am Donnerstagnachmittag eine Stellungnahme als Reaktion auf die Vorwürfe, ohne aber auf den Fall des beschuldigten Moderators einzugehen – „aus rechtlichen Gründen“, wie es in der Stellungnahme heißt.

Der Sender teilt jedoch mit, dass die Geschäftsleitung im Mai 2018 eine „Aufklärungskampagne über das Vorgehen in Verdachtsfällen von Machtmissbrauch und Übergriffen“ initiiert habe – als Reaktion auf Vorwürfe in anderen Unternehmen. Das Unternehmen sei darauf ausgerichtet, seine Beschäftigten vor Übergriffen jeder Art zu schützen. Es habe Schulungen und Workshops gegeben, die zu „ersten Hinweisen“ geführt hätten.

„Sofern die Geschäftsleitung in der Folge Kenntnis von arbeitsrechtlich relevanten Verhaltensweisen erhielt, ist sie umgehend tätig geworden“, heißt es in der Stellungnahme.

„Demütigung und Einschüchterungen“ sowie „ein autoritärer Stil“

Die Wochenzeitung berichtet zudem, dass der Fall F. nach Ansicht von Mitarbeitern der arabischen Abteilung des Senders kein Einzelfall sei. In einem Beschwerdebrief an die Intendanz heiße es, einer jüngeren Kollegin sei von einem Mitarbeiter gedroht worden, er werde ihr die Finger brechen. Kritisiert werden in dem Schreiben zudem „Demütigung und Einschüchterungen“ sowie „ein autoritärer Stil“.

Die „Zeit“ konfrontierte die Deutsche Welle mit den Vorwürfen: „Seit Beginn der Aufklärungskampagne zum Thema „#metoo“ in der Deutschen Welle Anfang 2018 sind der Geschäftsleitung drei Fälle bekannt geworden“, erklärte der Sender. „In einem Fall hat sich die anonym vorgebrachte Anschuldigung nicht bestätigt.“ Zum Fall F. wollte sich die Deutsche Welle „aus juristischen Gründen“ nicht äußern.

Auch in anderen Medienhäusern wurden Fälle von Belästigungen bekannt. Zuletzt zog ein ehemaliger WDR-Filmchef seine Klage gegen seine Kündigung wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurück. Zudem kündigte der WDR einem TV-Korrespondenten wegen sexueller Belästigung. WDR-Chef Tom Buhrow gab anschließend Fehler im Umgang mit den Vorwürfen zu.

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