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Delta-Variante und Corona: So ist Lage in Urlaubsländern

| Lesedauer: 13 Minuten
Corona: Mallorca kämpft mit hohen Infektionszahlen

Corona: Mallorca kämpft mit hohen Infektionszahlen

Spanien trifft auf die fünfte Corona-Welle. Damit steht auch der Tourismus für die beliebte Urlaubsinsel Mallorca auf der Kippe. Die Insel kämpft mit rasant steigenden Infektionszahlen.

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Berlin  Die Delta-Mutation durchkreuzt derzeit die Urlaubspläne. Wo kann man noch hinreisen? Wie ist die Lage in Spanien, Kroatien und Co.?

  • Gefährdet die Ausbreitung der Delta-Variante die Urlaubsplanung im Sommer?
  • In zahlreichen Ländern steigen aufgrund der Corona-Mutation die Inzidenzen wieder an
  • Wie ist die Corona-Lage in beliebten Urlaubsländern wie etwa Kroatien, Spanien, Italien oder Griechenland?

Einen Moment lang schien es, als könne der Sommerurlaub in Europa in diesem Jahr ein voller Erfolg werden. Doch nun scheint sich das Blatt schon wieder zu wenden.

Vor allem die sich rasant ausbreitende Delta-Variante bereitet Urlaubern im Sommer 2021 Probleme. Einige Länder – darunter Portugal und Großbritannien – sind besonders stark von der Mutation betroffen und galten deshalb als Virusvariantengebiet. Für Einreisende aus diesen Ländern galten deutlich strengere Regeln. Selbst Geimpfte, die aus einem Variantengebiet nach Hause kommen, müssen in Quarantäne. Von diesem Mittwoch an sollen beide Länder zum Hochinzidenzgebiet heruntergestuft werden, damit entfällt die Quarantänepflicht für vollständig Geimpfte. Alle anderen haben die Möglichkeit, die Quarantäne mit einem negativen Test zu verkürzen.

Die Bundesärztekammer rät von Reisen in Urlaubsgebiete ab, in denen die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus grassiert. "Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden", sagte Präsident Klaus Reinhardt unserer Redaktion.

Delta-Variante in Europa: Dunkelziffer könnte höher liegen

In Europa ist die Delta-Lage in den einzelnen Ländern recht unterschiedlich. Außerdem sind direkte Vergleiche der Daten schwierig. Zum einen, weil die Anzahl der Covid-19-Tests wechselt. Zum anderen, weil die Quote der Gensequenzierungen von Land zu Land stark variiert. Nur mit dieser Methode lassen sich aber Mutationen voneinander unterscheiden und identifizieren. In manchen Regionen Europas könnte die Dunkelziffer einzelner Varianten also deutlich höher sein als angegeben.

Wo lässt sich jetzt noch ein entspannter Urlaub genießen? Welche Länder gelten als Variantengebiete? Und wo lässt sich eine Quarantäne vermeiden? Ein Überblick.

Portugal: Delta-Variante verdirbt den Urlaub

Portugal ist einer der Delta-Hotspots in Europa. Noch im Frühjahr konnten sich die Portugiesinnen und Portugiesen über die niedrigsten Infektionszahlen Europas freuen. Doch inzwischen verzeichnet das Land eine der höchsten Ansteckungsraten in der gesamten EU.

EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante
EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante

Zunächst wurde noch versucht, die Ausbreitung der Mutation durch kurze Lockdowns zu verhindern. So wurde die Hauptstadt Lissabon mehrmals für einige Tage abgeriegelt. Doch das Virus war schneller. Die hochansteckende Delta-Mutation ist im ganzen Land inzwischen der vorherrschende Virustyp.

Die Bundesregierung hatte Portugal deshalb zeitweise zum Virusvariantengebiet erklärt. Viele Reiseveranstalter sagten Reisen entsprechend ab, zahlreiche Urlauber kehrten früher aus Portugal zurück. Ab diesem Mittwoch (7. Juli) soll Portugal zum Hochinzidenzgebiet heruntergestuft werden.

Urlaub: Corona-Lage in Italien entspannt sich

In Italien ist die Lage entspannter. Während das Land zu Beginn der Pandemie sehr stark betroffen war, sind die Infektionszahlen zuletzt gesunken. Noch immer gilt offiziell der Notstand, doch derzeit sind alle Regionen Italiens als „weiße“ Zonen eingestuft. Das heißt, dass dort bis auf das Einhalten eines Mindestabstands und das Tragen einer Maske wenig Beschränkungen gelten.

Aber auch hier ist die Sorge vor der Delta-Mutation groß. Für Einreisende aus Großbritannien hat Italien daher eine fünftägige Quarantänepflicht eingeführt.

Zur Einreise wird wird ein negativer Corona-Test (PCR- oder Antigen-Test) benötigt, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Keinen Test brauchen vollständig Geimpfte und Genesene mit entsprechendem Nachweis, auch Kinder unter sechs Jahren sind davon ausgenommen. Außerdem müssen Personen, die ins Land einreisen, ein Einreiseformular ausfüllen.

Corona: So sind die Infektionszahlen in Kroatien

Vergangenes Jahr warb Kroatien trotz Pandemie mit vergleichsweise laschen Einreisebestimmungen um Urlauber. Schließlich ist das Land wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig.

Im Jahr 2021 ist Kroatien von COVID-19 weiterhin betroffen, regional jedoch unterschiedlich stark. In der Region Zadar überschreitet die Zahl der Neuinfektionen 50 Fälle pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage, weshalb sie als Risikogebiete eingestuft ist.

Wer nach Kroatien einreist, muss seit dem 1. Juli 2021 wieder einen negativen Coronatest vorweisen. Diese Regelung wurde so kurzfristig eingeführt, dass es an den Grenzen teilweise zu Staus kam. Der ADAC rät, Wartezeiten an den Grenzen einzuplanen.

Griechenland: Neue Maßnahmen wegen Delta-Fälle

In Griechenland steigen die Corona-Zahlen plötzlich wieder stark an. Die griechische Gesundheitsbehörde meldete in den vergangenen Tagen täglich mehr als 700 neue Corona-Fälle. In der Vorwoche waren es durchschnittlich 300 pro Tag.

Deshalb ergreift die Regierung Maßnahmen. Auf griechischen Fähren müssen Reisende nun bei Fahrtantritt einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen. Die Regelung entfällt für vollständig Geimpfte und Genesene.

Sorgen bereitet vor allem die besonders ansteckende Delta-Variante des Virus, die unter anderem auf der Insel Kreta nachgewiesen wurde. Auch in Griechenland wird, ähnlich wie in der Türkei und anderen Ländern, nur selten sequenziert. Die Dunkelziffer der Delta-Zahlen könnte also deutlich höher liegen. Das Land hatte die meisten Corona-Maßnahmen erst vor wenigen Wochen wegen niedriger Fallzahlen aufgehoben.

Delta: Spanien und Mallorca bangen um Urlaubssaison

Spanien hat im europäischen Vergleich eine vergleichsweise hohe Inzidenz. Neben Großbritannien und Portugal verschärft sich nun auch die Infektionslage in Spanien zunehmend.

So wird die spanische Region Katalonien seit Sonntag vom Auswärtigen Amt als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das bedeutet, dass von nicht notwendigen, touristischen Reisen in diese Gebiete abgeraten wird. Menschen, die dennoch dort hinreisen, müssen sich innerhalb von zehn Tagen vor der Rückreise nach Deutschland registrieren. Außerdem gilt grundsätzlich die Pflicht, sich nach der Rückkehr zehn Tage lang in Quarantäne zu begeben. Unter gewissen Voraussetzungen kann die Quarantänezeit aber verkürzt werden.

Außer Katalonien, in dem sich bei Touristen beliebte Orte wie Barcelona befinden, wurde auch die nordspanische Küstenregion Kantabrien auf die Liste der Risikogebiete aufgenommen. Zuvor galt die Einstufung bereits für die spanischen Gebiete Andalusien, Navarra, La Rioja, das Baskenland und die Exklave Ceuta.

Auch auf den Balearen mit der beliebten Urlaubsinsel Mallorca verschärft sich die Corona-Lage wieder und der Anteil der Infektionen mit der Delta-Variante nimmt zu. Nach ausschweifenden Abifeiern steckten sich Hunderte Jugendliche auf den Balearen mit Corona an. Die Regierung verschärfte anschließend die Regeln, insbesondere für Reisegruppen. Aber auch für Familien, Paare und Singles gerät ein entspannter Urlaub auf Mallorca, Teneriffa und Co. immer mehr in Gefahr.

Frankreich: Regionale Unterschiede bei Corona-Zahlen

Frankreich ist von der Corona-Pandemie stärker betroffen als Deutschland. Der Inzidenz-Wert liegt etwas höher als derzeit hierzulande, aber deutlich unter dem kritischen Wert von 50.

Im Land gibt es große regionale Unterschiede. So überschreitet die Zahl der Neuinfektionen in den Überseegebieten Französisch Guyana, Réunion und Saint-Martin 50 Fälle pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage, weshalb diese als Risikogebiete eingestuft sind. Für das Festland Frankreichs gilt hingegen keine Reisewarnung.

Für die Einreise nach Frankreich ist ein negativer Corona-Test erforderlich. Anerkannt werden PCR- und Antigen-Schnelltests, die nicht älter als 72 Stunden sind. Vollständig Geimpfte und Genesene dürfen mit einem entsprechenden Nachweis ebenfalls ohne negativen Covid-19-Test nach Frankreich einreisen.

Österreich: Delta-Variante noch wenig nachgewiesen

Österreich gilt nicht mehr als Risikogebiet und hat die Einreisebestimmungen gelockert. Insgesamt liegt die Zahl der Neuinfektionen und der Inzidenz auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland. Unklar ist jedoch, wie es um die Ausbreitung der Delta-Variante in Österreich steht. Denn auch hier erfolgt nur selten eine Sequenzierung, sodass die Datenlage schwierig ist.

In absoluten Zahlen hat Österreich bisher wenige Delta-Infektionen vorzuweisen. Dennoch gehen Experten davon aus, dass mindestens 25 Prozent der Corona-Infektionen auf die ansteckende Delta-Mutation entfallen. Von insgesamt 2256 Fällen wurden nur vier auf mögliche Mutationen untersucht. Da eine der vier Proben die Delta-Variante enthielt, kommt dieser hohe Prozentsatz zustande.

Genau wie in Deutschland könnte die Delta-Variante auch in Österreich schon in wenigen Wochen zu 90 Prozent das Fallgeschehen dominieren, schätzen Expertinnen und Experten. Wie es dann mit dem Urlaub in den Bergen weitergeht, ist unklar.

Türkei: Wie seriös sind die Delta-Zahlen?

Die Türkei gehört zu den am stärksten von Covid-19 betroffenen Ländern des Kontinents. Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen, touristischen Reisen in die gesamt Türkei ab und hat das Land als Risikogebiet eingestuft.

Trotz der vergleichsweise hohen Infektionszahlen, lockert die Türkei weitere Maßnahmen. Zum 1. Juli sind Ausgangsbeschränkungen vollständig aufgehoben worden, Konzertsäle und andere Musiklokale müssen erst um Mitternacht schließen.

Glaubt man den offiziellen Zahlen, ist das Land von der Delta-Variante bislang weitestgehend verschont worden. Allerdings werden hier auch nur sehr wenige Proben auf Virusvarianten untersucht. Da sich die Türkei weitgehend geöffnet hat und auch Touristen aus Russland empfängt, ist die Situation fragil. Denn in Russland wütet die Delta-Variante bereits gewaltig.

Urlaub in Dänemark trotz Corona möglich

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern, wird in Dänemark besonders viel sequenziert. In der ersten Juniwoche wurden knapp 80 Prozent der Fälle auf die genaue Mutation untersucht. Der Delta-Anteil lag dabei nur bei 0,7 Prozent.

Die Zahl der Neuinfektionen ist zwar etwas höher als in Deutschland, aber unterhalb der kritischen Marke von 50. Ein Urlaub im Nachbarland der Deutschen sollte somit entspannt möglich sein. Die Corona-Regeln in Dänemark unterscheiden sich von Region zu Region.

Grundsätzlich sind die Geschäfte geöffnet, allerdings mit Einschränkungen. Für den Besuch von Museen und Freizeiteinrichtungen ist ein negativer Coronatest nötig, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Diesen benötigt man auch für einen Besuch in einem Restaurant oder einem Café. Corona-Tests (PCR und Schnelltest) sind in Dänemark kostenfrei.

Polen: "Delta Plus"-Variante bereitet Reisenden Sorge

Das Auswärtige Amt rät zwar noch immer vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Polen ab - aufgrund der stark gesunkenen Corona-Infektionszahlen ist Urlaub in Polen und Tschechien allerdings wieder möglich.

Im Nachbarland sind Einkaufszentren, Hotels, Museen und Kunstgalerien unter Auflagen geöffnet. Restaurants dürfen in Außenbereichen Gäste bedienen, in Innenräumen gilt dies mit eingeschränkter Kapazität. Auch Fitnessstudios und Hallenbäder sind wieder in Betrieb. Bei Feiern sind maximal 150 Gäste erlaubt. In Innenräumen sowie in Bussen und Bahnen gilt Maskenpflicht. Rund 29 Millionen Menschen des 38-Millionen-Einwohnerlands haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

Wie viele Fälle der Delta-Variante in Polen vorhanden sind, ist unklar. Allerdings wurde in Deutschlands Nachbarland sogar die gefürchtete „Delta Plus“-Mutation nachgewiesen. Bei der auch als B.1.617.2.1 oder AY.1 benannten Variante handelt es sich um die Delta-Variante mit der zusätzlichen Spike-Mutation K417N, die auch in der zunächst in Südafrika entdeckten Beta-Variante vorgekommen ist. Die Variante soll besonders ansteckend sein und stärker an Lungenzellen binden. Wissenschaftler sagen allerdings, dass es noch wenig Daten dazu gebe.

Urlaub in Schweden: Corona-Situation hat sich verbessert

Schweden ging in der Corona-Krise einen anderen Weg als die meisten Länder. Es gab keine generelle Pflicht zum Tragen der Masken und keine strengen Corona-Regeln. Allerdings hat der mehr als ein Jahr andauernde schwedische Sonderweg auch Schattenseiten: so ist die Sterblichkeitsrate relativ hoch. In Schweden verloren 1430 Menschen pro eine Million Einwohner wegen Covid-19 ihr Leben.

Inzwischen hat sich die Corona-Situation in Schweden deutlich verbessert. Die landesweite Inzidenz in Schweden lag Anfang Juli bei 14,6 Infizierten je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen – das ist deutlich unter der kritischen Marke von 50 und nur etwas höher als in Deutschland.

Doch auch in Schweden breitet sich die Delta-Variante aus. "Die Entwicklung der Delta-Variante ist natürlich besorgniserregend. Im Moment bereitet sie in ein paar Regionen Sorgen. Wir sind gerade dabei, Daten zu erheben und hoffen, am Donnerstag mehr zu wissen", sagt Schwedens Staats-Epidemiologe Anders Tegnell im Juni.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Kontaktbeschränkungen in Schweden wieder verschärft werden müssen, meint der Experte. "Wir müssen immer offen sein für die Ausweitung von Restriktionen. Wenn wir eine schlechtere Infektionslage mit einer größeren Verbreitung der Infektion haben, werden wir das natürlich tun." (amw)

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