Modebranche

Todesfall auf der Fashion Week enthüllt inhumane Zustände

Tod eines 14-jährigen Models: Agentur weist Vorwürfe zurück

Nach dem Tod eines 14-jährigen Models in China weist dessen Modelagentur Vorwürfe zurück, die Jugendliche sei an Überarbeitung gestorben. Die Russin Wlada Dsjuba habe in der Regel nicht länger...
Mo, 30.10.2017, 17.37 Uhr

Tod eines 14-jährigen Models: Agentur weist Vorwürfe zurück

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Peking  Nach dem Tod eines Mädchens in China regt sich Widerstand gegen die Modebranche des Landes. Ihr Tod offenbart teils inhumane Zustände.

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Vlada D. hatte sich bereits als gefeiertes Model auf dem Laufsteg einer berühmten Modenschau gesehen. Auf einen der Laufstege in Shanghai schaffte sie es, auf eine der ganz großen Schauen noch nicht. Dafür hatte sie auch noch viel Zeit – sie war erst 14 Jahre alt. Ihren Traum konnte sie sich allerdings nicht mehr erfüllen.

Sie verstarb während der Fashion-Week in Shanghai im Oktober auf tragische Weise an einer Hirnhautentzündung – ausgelöst durch starke Erschöpfungszustände. Ihr Tod offenbart einen Blick auf Chinas aufstrebende Modebranche, in der offenbar teils inhumane und illegale Zustände herrschen.

Chinas Luxusmarkt soll sich fast verdreifachen

Ob auf Automessen, Modenschauen oder Gala-Abenden – der Markt für Models in China boomt. Es wird erwartet, dass China innerhalb der nächsten fünf Jahre zum größten Markt für Mode der Welt aufsteigen wird. Die globale Unternehmensberatung McKinsey & Company prognostiziert, dass Chinas Luxusmarkt in den nächsten Jahren einen Marktwert von bis zu 27 Milliarden Euro erreicht – und sich somit in seiner Größe fast verdreifacht.

Sogar die weltberühmte US-Unterwäschenmarke Victoria’s Secret lädt am 20. November zu ihrer bekannten Dessous-Show mit vielen Stars nach Shanghai ein. Es ist das erste Mal, dass sie auf dem asiatischen Kontinent stattfinden wird.

Viele Veranstalter holen Frauen aus dem Ausland

Gerade für Schauen dieser Größenordnung mit internationalem Flair heuern die chinesischen Veranstalter junge Frauen aus dem Ausland an – zuweilen auch Mädchen. Für Vlada D. aus Sibirien endete ihr Engagement im Reich der Mitte tödlich. Nach einem fast 13-stündigen Fotoshooting am 24. Oktober in der Textilstadt Yiwu klagte sie über schwere Kopfschmerzen, wurde ohnmächtig. Sie wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht, wo sie in ein Koma fiel und zwei Tage später verstarb.

Inzwischen haben Shanghaier Ärzte herausgefunden, dass sie an einer chronischen Hirnhautentzündung (Meningitis) erkrankt war. Normalerweise entwickelt sich diese Krankheit langsam und ist meist Folge einer eitrigen Infektion, etwa einer nicht ordentlich verheilten Mittelohrentzündung. Ein geschwächtes Immunsystem verschlimmert diese Krankheit jedoch. Rund 13 Stunden auf dem Laufsteg dürften dem Körper des jungen Mädchens den Rest gegeben haben.

Vlada D.: „Mama, ich bin so müde“

Die Ärzte gehen davon aus, dass Vlada D. schon vorher Symptome der Krankheit gespürt haben muss. Die Mutter des Models, Oksana D., bestätigte russischen Medien, dass ihre Tochter kurz vorher über Erschöpfung geklagt hatte. „Mama, ich bin so müde. Ich möchte so gerne schlafen“, soll sie zu ihr gesagt haben. „Ich habe sie angefleht, ins Krankenhaus zu gehen“, wird Oksana D. zitiert.

Nachdem sie vom Zusammenbruch ihrer Tochter erfahren hatte, habe sie sich noch um ein Visum für China bemüht, um zu ihrer kranken Tochter zu gelangen. Doch sie kam zu spät. Die „Siberian Times“, die Heimatzeitung der Familie von Vlada D., erhob in einem Artikel schwere Vorwürfe gegen ihren chinesischen Auftraggeber und die vermittelnde russische Agentur.

Vlada D. habe sich offenbar nicht getraut, die Krankheit auszukurieren. Wahrscheinlich aus Angst um ihre Karriere schuftete die junge Russin weiter. Und zwar deutlich mehr, als in ihrem Vertrag vereinbart war: Offiziell sollte Vlada D. nur maximal vier Stunden am Tag arbeiten. Der chinesische Auftraggeber, die Model-Agentur Esee, habe sie regelrecht zur „Sklavenarbeit“ gedrängt, heißt es.

In China dürfen Minderjährige mit spezieller Genehmigung arbeiten

Die russische Modelagentur, die Vlada nach China vermittelte, gab zu, den Vertrag der 14-Jährigen nicht richtig gelesen zu haben. Sie habe auch nicht überprüft, ob Vlada D. krankenversichert sei, wozu sie nach chinesischem Recht verpflichtet ist. Niemand habe mit „solchen Konsequenzen“ rechnen können, rechtfertigt sich die Agentur.

In den chinesischen Medien ist nun eine Debatte entbrannt über die Arbeitsbedingungen in der Modelbranche. Sie seien zu hart. Oft würden den Models zehnstündige Arbeitstage auf dem Laufsteg oder vor der Kamera abverlangt.

An einem unzureichenden Arbeitsgesetz liegt das nicht. In China dürfen Minderjährige unter 16 Jahren nur in bestimmten Bereichen aus Kultur und Sport eingestellt werden. Dafür braucht der Auftraggeber eine spezielle Genehmigung der Behörden. Er muss zudem dafür sorgen, dass sie ihrer Schulpflicht nachkommen. Beides lag im Fall von Vlada D. nicht vor.

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