Wisente

Widerstand gegen Wisente wächst nach Unfall auf der Almert

Wisente bei Schmallenberg-Almert.   

Wisente bei Schmallenberg-Almert.  

Foto: Privat

Bad Berleburg/Schmallenberg.  Die Wisente-Herde hält sich in Schmallenberg-Almert auf. Ein Unfall mit einem Pkw befeuert den Streit um ihre Auswilderung.

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Sie kreuzen die Straße in Schmallenberg-Almert, wie es ihnen gefällt. Sie fressen Winterfutter aus der Silage, das für eine Mutterkuhherde gedacht ist. Sie ziehen Schaulustige an, die ihre Nähe suchen. Das reicht zur Einleitung. Im Hochsauerlandkreis bebt der Boden vor Wut über die wilden Wisente, die machen, was sie wollen. Eine tierische Geschichte.

Der Auslöser

Ein harmloser Unfall. Ein 48-Jähriger Autofahrer kollidiert vergangenen Montagabend um 17.30 Uhr in Almert mit einem Wisent. Es geht glimpflich aus. Leichter Blechschaden. Der Autofahrer und seine 12-jährige Tochter kommen mit dem Schrecken davon. Das Wisent offenbar auch. Das tonnenschwere Tier trabt in der Dunkelheit davon.

Es ist der erste Autounfall eines der 21 in freier Wildbahn lebenden Tiere. Dramatischer verläuft ein Vorfall am 22. Mai 2016. Eine Wisentkuh greift bei Schmallenberg-Latrop eine 47-jährige Wanderin aus Neuss an. Die Frau erleidet Prellungen und Blutergüsse. Mit dem jüngsten Unfall ist die virtuelle Grenze zwischen dem Hochsauerlandkreis und dem Kreis Siegen-Wittgenstein ein Stück höher.

Der Kritiker

Kein Verständnis mehr hat Karl Schneider (CDU), Landrat des Hochsauerlandkreises. „Es ist uns so viel versprochen worden. Nichts davon ist gehalten worden.“ Die Tiere seien weder menschenscheu, noch legten sie ein natürliches Fluchtverhalten an den Tag. „Im Gegenteil. Wenn die Entwicklung so weiter geht, befürchte ich, die Wisente laufen irgendwann durch unsere Ortschaften. Sie kommen immer näher. Das darf nicht sein.“

Er habe genug vom Gerede herrenloser Tiere. „Das Projekt ist in Bad Berleburg aus der Taufe gehoben worden. Wir haben den Ärger und die Probleme. Das ist unerträglich.“ Sauer stößt ihm die Verharmlosung des Trägervereins Wisent-Welt-Wittgenstein auf. „Alles wird schön geredet und glatt gebügelt. Damit muss Schluss sein.“ Was der Hochsauerlandkreis will?

„Wir wollen wirksame Lösungen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Es muss nicht erst ein tödlicher Unfall passieren, bis alle hellwach werden.“ Schneider hat die Sitzung der Koordinierungsgruppe Wisente eingefordert. Ein 40-köpfiges Gremium, in dem die Vertreter aller am Projekt Beteiligten und Betroffenen sitzen. Vorsitzender ist Andreas Müller (SPD), Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein. Er war am Donnerstag für eine Stellungnahme zu den jüngsten Vorgängen nicht erreichbar.

Die Landwirte

Auf dem Baum sind die Landwirte im Schmallenberger Raum. Sie appellieren einmal mehr an den Trägerverein, dafür zu sorgen, dass sich die Wisentherde im 4300 Hektar großen Projektgebiet aufhalte. Schmallenberg zähle nicht dazu.

Nicht zuletzt klagen sie seit langem wegen der Schalschäden an den Bäumen. Kreislandwirt Josef Schreiber: „Wir haben Schäden im Hochsauerlandkreis, die weit über 100 000 Euro liegen.“ Bei den Wisenten handelt es sich, so die aktuelle Rechtsprechung, nach der Auswilderung im April 2013 um herrenlose Tiere. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes darüber steht noch aus.

Die Ministerin

Der Ruf nach dem Umweltministerium in der Wisent-Frage wird immer lauter. „Ich sehe die frei laufenden Wisente kritisch“, sagt Ministerin Christina Schulze-Föcking (CDU) der WESTFALENPOST. „Die Gefahr, die von diesen großen und starken Tieren ausgeht, wenn sie Kälber haben oder plötzlich über die Straße laufen, ist nicht zu unterschätzen. Unsererseits haben wir das Projekt prüfend im Blick.“

Ziel müsse es sein, die Belange des Artenschutzes mit den Interessen öffentlicher Sicherheit abzuwägen. Schulze-Föcking: „Der Artenschutz hat nicht uneingeschränkt Vorrang. Die Sorgen der Menschen verstehe ich, und ich sehe auch die potentiellen Gefahren. Wir werden mit dem Trägerverein gemeinsam nach Lösungen suchen.“

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