Natur

Die Vogelfütterung im Winter ist eine Glaubensfrage

Ein wahres Paradies für Daheimgebliebene: Meisenknödel, Nüsse und Kerne helfen den Vögeln in so genannten „Notzeiten

Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Ein wahres Paradies für Daheimgebliebene: Meisenknödel, Nüsse und Kerne helfen den Vögeln in so genannten „Notzeiten Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Velbert.  Für die heimischen Vögel beginnt nun die härteste Zeit des Jahres. Manche Tierfreunde halten Meisenknödel für nötig, manche für wider die Natur.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Irgendwann wurde es ihnen zu bunt in Rom: Nachdem Jahr für Jahr Millionen Stare am Ufer des Tibers und auf den Dächern der ewigen Stadt gerastet hatten, um Energie für ihren Weiterflug in den warmen sizilianischen Winter zu tanken, stellte die Stadtverwaltung Sirenen gegen die Vogelplage auf.

Zerreisprobe für die Tiere

Mit derartigen Ärgernissen haben Meise, Fink und Konsorten nichts zu tun: Sie verbringen den Winter in heimischen Gefilden und sind demnach auch in Velbert während der gesamten kalten Jahreszeit anzutreffen. Eine Zeit, die für die verbliebenen Tiere durchaus zur Zerreißprobe werden kann, müssen sie sich mit allerlei Problemen herumschlagen: Futtermangel, Kälte, Wasserknappheit.

Um den Tieren den Winter so leicht wie möglich zu machen, rät Miriam Mundorf, Stadtbeauftragte des „Naturschutzbundes Deutschland“ (NABU), dem Federvieh Nahrung zur Verfügung zu stellen: „Optimal ist ein Wildvogel-Futtermix mit Sonnenblumenkernen.“ Von Süßigkeiten, die manche Menschen den gefiederten Besuchern allzu gern unter den Schnabel stellen, sei dringen abzuraten.

Futterplätze sauber halten

Damit Katzen - oder sogar Ratten - sich nicht bereichern, muss zudem dringend auf die Hygiene geachtet werden. „Die Futterstellen für die Vögel müssen sauber gehalten werden, damit sich keine Krankheiten verbreiten“, sagt Mundorf, „oder andere Tiere angelockt werden“. Ähnliches gibt auch Wilhelm Knebel, Mitglied des „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) zu Protokoll: „Vögel sind genau wie Menschen auf gesunde Lebensmittel angewiesen. Es sollte kein Abfall verfüttert werden, die Nahrung darf nicht schimmeln.“ Und noch einen Hinweis für einen anderen winterlichen Gast hat Knebel parat: „Die Menschen sollten zu den fettreichen Vogel-Körnern ruhig ein paar ungeknackte Nüsse dazulegen, damit die Eichhörnchen ihre Zähne abpfeilen können - sonst leiden sie.“

Nicht zu lange Nahrung geben

Füttern aus Tierliebe? Schön und gut, doch die Fütterung könne auch negative Konsequenzen haben, sagt Forstwirt Peter Tunecke: „Um die Futterstellen versammeln sich auch kranke Tiere, der Ansteckungsweg zu den gesunden Tieren ist da natürlich deutlich kürzer.“ Außerdem sei es wichtig, zeitig mit der Fütterung aufzuhören: „Im Frühling brauchen die Jungvögel tierische Fette; sie brauchen zum Beispiel Raupen. Da kann das künstlich gefertigte Vogelfutter nicht helfen.“ Grundsätzlich, gibt Tunecke zu bedenken, hätten die Vögel Jahrtausende auch ohne menschliche Fütterung überlebt. „Die Natur hat ihre eigenen Mechanismen zur Arterhaltung.“

Ob mit oder ohne Fütterung, der Winter ist für die Vögel hart. Falls die in der deutschen Kälte verbliebenen Tiere aber irgendwann der Temperatur überdrüssig sein sollten, reicht ein Blick nach Rom, um festzustellen, dass auch ein Urlaub im Warmen seine Schattenseiten hat. Denn, davon können die Stare ein Lied singen: Eine Reise in den Süden ist nicht immer nur lustig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik