Tierschutz

Tierheim-Träger nennt die Situation in Wesel „bedrohlich“

Tierheimleiterin Gabi Wettläufer und Dr. Jörg Styrie vom Bundesverband Tierschutz schilderten die bedrohliche Lage des Tierheims.

Tierheimleiterin Gabi Wettläufer und Dr. Jörg Styrie vom Bundesverband Tierschutz schilderten die bedrohliche Lage des Tierheims.

Foto: Gerd Hermann

Wesel.   Das Tierheim benötigt dringend finanzielle und praktische Unterstützung. Dass viele Menschen bereit sind zu helfen, zeigte ein Info-Abend.

Die finanzielle Lage des Weseler Tierheims ist sehr angespannt, die Einrichtung braucht Unterstützung – nicht nur finanziell, sondern auch praktisch. Nach der Berichterstattung in der NRZ war die Anteilnahme groß und am Mittwochabend zog es über achtzig potenzielle Helfer zum Info-Abend in das Kolpinghaus. Dort wählte Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz als Träger des Tierheims drastische Worte: Er sprach von einer „bedrohlichen Situation“ und Überlegungen, die zu einer Schließung des Tierheims in Wesel führen können.

„Wir haben gesagt, wir sind an einem Punkt, wo wir an die Öffentlichkeit treten müssen. Wir alleine kriegen das in der Form nicht mehr geschultert. Wir sind darauf angewiesen, Tierfreunde in Wesel und Umgebung zu finden, die Hilfestellung leisten“, berichtete er.

Hohe Kosten für Personal und Tierarzt

Den Spenden und der Tiervermittlung stünden hohe Kosten insbesondere in den Bereichen Betriebskosten und Personal entgegen, da man eine „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung benötige. Dazu kämen Tierarztkosten – an Medikamenten wolle man auf keinen Fall sparen. „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben.“ Viele Möglichkeiten, die Einnahmen zu steigern, habe man nicht. Er verwies auf „konstruktive Gespräche“ mit den vier umliegenden Kommunen.

Die Weseler Bürgermeisterin Ulrike Westkamp unterstrich, welch „großartige Arbeit“ die Verantwortlichen und die Mitarbeiter des Tierheims leisten. Unter der Leitung von Gabi Wettläufer sei in den letzten sieben Jahren „viel renoviert und verändert“ worden, um das Tierheim modern zu machen. Die Stadt Wesel zahle aufgrund eines Vertrages 7,5 Prozent des Hundesteueraufkommens und einen Anteil an den Personalkosten. Westkamp sprach von einer Summe in Höhe von 80 000 Euro für 2018. „Das Steueraufkommen ist gestiegen, aber wir hören: Es reicht nicht.“ Die Finanzen seien das eine, so Westkamp. „Es geht auch drum, dass Ehrenamtliche sich angesprochen fühlen“.

Tierheimleiterin freut sich über große Resonanz

Die Tierheimleiterin fand es „fantastisch, dass so viele Leute gekommen sind.“ Man habe sich im Herbst entschieden, es mit dem Tierheim-Freundeskreis zu versuchen, so Wettläufer. „Wir hatten ein schlechtes Jahr 2018“. Sie erinnerte an 65 mit dem Coronavirus infizierte Katzen, von denen man 20 „trotz harten Kampfes“ verloren habe, oder den Fall der Schermbecker Fundhunde, die „in einem desolaten Zustand“ waren. Auch das habe die roten Zahlen mit verursacht. „Wir allein könnten ein halbes Jahr nicht überleben.“

Dazu komme die Rolle als regionales Tierheim und die Tatsache, dass viele Tiere nicht Tage, sondern jahrelang in der Einrichtung bleiben. Die Einrichtung sei auch auf praktische Hilfe angewiesen. Sie nannte da das Katzenkuscheln, die Pflege der Räumlichkeiten und Käfige oder den Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit mit den diversen Veranstaltungen.

Aufmerksamkeit durch die Berichterstattung

Alleine die Lichterfest-Tombola mit tausend Preisen zu organisieren, koste enorm viel Zeit. Und darüber hinaus „müsste viel mehr passieren“. Es gibt Ideen wie einen Auesee-Lauf, den Besuch in Schulen oder die Arbeit mit Kindergärten.

Gabi Wettläufer dankte der NRZ für den tollen Artikel, „der dazu geführt hat, dass sich so viele Leute berufen fühlen zu helfen.“ Viele hätten nicht mal gewusst, dass es ein Tierheim in Wesel gibt, dass es ein Teamkern von grade mal fünf, sechs Leuten gibt und man als Einrichtung auch den Strom bezahlen muss.

Weitere Termine für die Helfer

Die Anwesenden stellten viele Fragen zum Zeitfenster, in dem man sich engagieren könne, der Sinnhaftigkeit des Spendenmodus, der Gestaltung der Homepage oder zu den Möglichkeiten, dort als Sponsor zu werben. Max Melskotte bekundete zum Beispiel für seinen Gartenbaubetrieb Interesse. „Wir sind da auch im Gespräch mit anderen Kollegen“, meinte der Weseler Unternehmer, der vor kurzem die neuen Fliesen im Katzengehege gespendet hat und selbst einen Hund aus dem Tierheim geholt hat.

Beim Info-Abend meldeten sich Interessenten, die praktisch im Haus helfen wollen und weitere Helfer, die in der Öffentlichkeit tätig werden wollen. Für bei Gruppen gibt es bereits jeweils einen Termin, um sich weiter abzustimmen: Für die „Praktiker“ am 30. Januar, für die anderen am 6. Februar. Treffpunkt ist jeweils um 17 Uhr im Weseler Tierheim. Mehr Informationen unter www.tierheim-wesel.de.

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