Tiere

Büffel und Python - welche exotischen Tiere in Südwestfalen leben

Der Landwirt Lars Frommann hat auf seinem Hof in Almecke eine Herde Wasserbüffel.

Der Landwirt Lars Frommann hat auf seinem Hof in Almecke eine Herde Wasserbüffel.

Foto: Ralf Rottmann

Hagen.   In Südwestfalen werden immer mehr exotische Tiere gehalten. Während Wasserbüffel bei Tierschützern willkommen sind, warnen sie vor Karakalkatzen.

Einen Löwen auf der Couch – das scheint es in Südwestfalen nicht zu geben. Aber Karakalkatzen, die in Afrika kleine Antilopenarten jagen, werden im Ennepe-Ruhr-Kreis verkauft.

Allgemein nimmt laut Experten die Anzahl von exotischen Haus- und Nutztieren in Privatbesitz in der Region zu. Savale, Wolfshybriden, Wasserbüffel und Kängurus haben – wie in ganz Deutschland – längst ihren Platz in den Stuben, Vorgärten und auf Weiden gefunden.

Wasserbüffel weiden im Sauerland auf 500 Meter Höhe

Wer durch das Märkische Sauerland von Plettenberg aus Richtung Almecke fährt, reibt sich die Augen und glaubt für Sekunden, ein kambodschanisches Reisfeld erblickt zu haben. Auf 500 Metern Höhe weiden acht Wasserbüffel. Ein Bulle, zwei Kälber und fünf Kühe. Imposante, bis zu 500 Kilogramm schwere Tiere mit Respekt einflößenden Hörnern. Landwirt Lars Frommann hat die Exoten 2009 gemeinsam mit seinem Vater aus dem Rheinland ins ­Sauerland geholt.

Der 32-Jährige ist überzeugt, dass die Tiere, die 40 Jahre alt werden können, zur Region passen: „Als Landschaftspfleger und als alternative Fleischlieferanten.“ 20 Euro kostet das Kilogramm ­Büffel-Fleisch. „Es schmeckt“, berichtet der Landwirt, „wie eine Mischung aus Rind und Wild.“ Mittlerweile gebe es Stammkunden, die auf die zarte Speise nicht mehr verzichten wollen. Die berühmte Büffelmozzarella bietet der Hof Frommann nicht an. „Das ist für uns viel zu ­aufwändig“, sagt der Sauerländer.

Lars Frommann ist voll des Lobes über das Sozialverhalten der Büffel, die in Europa vor allem in Rumänien im großen Stil gezüchtet werden. „Es sind ruhige, friedliebende Tiere.“ Und sollten sie mal ausbüxen, dann sei die A 45 ja Gott sei Dank weit entfernt, merkt der Landwirt an und erinnert an die Wasserbüffel, die im Mai die A 3 bei Leverkusen stundenlang blockiert hatten.

Emus im Kreis Olpe und Tigerpython in Hagen

Exotische Tiere werden von den Behörden in NRW nicht erfasst, solange sie nicht unter den Artenschutz fallen und Heimtierhalter sie nicht gewerbsmäßig züchten. Was die Veterinäre in Südwestfalen registrieren, sind die Halter von exotischen Nutztieren. Demnach gibt es im Kreis Olpe einen Halter von Emus, drei von Straußen und zwei von Kängurus.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis bietet ein Züchter Karakal- und Serval-Katzen an. Karakals können bis zu 54 Zentimeter groß und bis zu 18 Kilogramm schwer werden. Sie sind eigentlich im afroasiatischen Raum beheimatet. Wegen seiner Ähnlichkeit mit den Luchsen wird der Karakal auch als Wüstenluchs bezeichnet. Der Serval kommt in Afrika vor und wird bis zu 18 Kilo schwer.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein sind folgende Tiere gelistet: zehn Haltungen von Damwild, zehn von Lamas bzw. Alpakas, je zwei von Wisenten, Bisons, Pfauen und Nandus, je eine von Muffelwild, Sikawild, Rotwild, Rehwild, Auerochsen, Buckelrinder, Yaks und Wasserbüffeln. In Hagen sind artengeschützte Tierarten wie eine bis zu 5,50 Meter lange Tigerpython oder ein Timor-Waran bekannt.

Illegaler Handel mit Wildtieren im Internet

Auf entsprechenden Seiten im Internet blüht der illegale Handel mit Wildtieren. Experten des International Fund for Animal Welfare entdeckten auf 105 Portalen 5380 Anzeigen mit 11 770 Exemplaren bedrohter Arten im Wert von 3,3 Millionen Euro. Nach Analysen der Tierschutzorganisation Pro Wildlife fanden übers Netz in den vergangenen vier Jahren 2400 Affen und 2800 Raubtiere den Weg in deutsche Haushalte.

Um geschützte Tiere zu kaufen, braucht man nur wenige Klicks. Ein ­Karakal- Hauskatzen-Hybride kostet bis zu 15 000 Euro. Die Zucht ist schwierig, weil die Hauskatze oft die Paarung nicht überlebt bzw. bei der länger andauernden Geburt der größeren Tierbabys stirbt.

Niederlande und Belgien Vorbilder beim Artenschutz

Sandra Altherr (Foto) hat Pro Wildlife mitgegründet. Für Bürger, die sich einen Serval oder einen Wolfshybriden zulegen, hat die Biologin kein Verständnis. „Solche Menschen brauchen besondere Tiere, um sich selbst aufzuwerten.“ Ihre Tierschutzorganisation fordere seit Jahren eine Begrenzung der Haltung exotischer Tiere. „Die wenigsten halten Kängurus oder seltene Papageien artgerecht.“

Die Niederlande und Belgien nennt sie als Vorbilder: „Diese beiden Staaten haben eine sogenannte Positivliste. Dort sind exotische Tierarten aufgelistet, die für die private Haltung geeignet sind.“ Dazu gehörten Yaks, Wasserbüffel, Lamas und Alpakas sowie Haustiere wie Farbratten. „Karakals auf keinen Fall. Auch Kängurus haben große Ansprüche. Ich möchte sie in Deutschland nicht sehen.“ Zurzeit seien vor allem Wolfshybriden gefragt.

Michael Düben vom Nabu im Kreis Siegen-Wittgenstein bricht einen Stab für Wasserbüffel: „Diese Tiere können Biotope in der Kulturlandschaft wieder herstellen.“ Auf Nassstandorten, die ansonsten für die Landwirtschaft unrentabel wären und wo Rinder, Schafe und Ziegen nicht gehalten werden könnten, seien sie ideale Nutztiere.

Auch Wolfshybriden stehen unter Schutz

„Karakals und Servale stehen unter Artenschutz“, berichtet Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. Sie seien meldepflichtig. Nur wenn der Verkäufer nachweisen kann, dass er das Tier selbst gezüchtet hat, sei es rechtens. Käufer, die keinen Beleg vorweisen könnten, begingen im schlimmsten Fall eine Straftat. „Das wäre dann ein Fall für den Staatsanwalt.“ ­Werde eine Ordnungswidrigkeit festgestellt, drohe ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro.

Auch Wolfshybriden fielen unter den Artenschutz. „Wenn Sie ein artengeschütztes mit einem -ungeschützten Tier kreuzen, dann werden deren Nachkommen wie ein geschütztes Tier behandelt.“ Bei nichtartengeschützten Tieren wie Flughörnchen greife nur der Tierschutz. „Da kann die Haltung des Tieres zum Problem werden.“ Die Deutschen, so Franz Böhmer, sollten lieber per se bei Hund, Katze, Maus bleiben.

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