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Schock: Barmer erklärt gesunde Frau versehentlich für tot

Barmer erklärt Christa Reichelt für tot - per Brief an die Hinterbliebenen.

Barmer erklärt Christa Reichelt für tot - per Brief an die Hinterbliebenen.

Foto: Thomas Beier

Jena  Eine Seniorin bekam Post von ihrer Krankenkasse. Die 79-Jährige wurde darin für tot erklärt. Die Geschichte eines schlimmen Fehlers.

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Solche Nachrichten wünscht sich keiner. Christa Reichelt hat Post von ihrer Krankenkasse bekommen. Der schockierende Inhalt: Die Nachricht, dass sie tot sei. Die Hinterbliebenen wurden in dem Schriftstück gebeten, „zeitnah“ die Sterbeurkunde für Frau Reichelt beizubringen. Die Krankenkasse wollte die „Mitgliedschaft endgültig abschließen“. Dazu gab es noch eine Beileidsbekundung.

Was wie ein makabrer Spaß klingt, hat sich tatsächlich in Jena zugetragen. Es handelte sich um einen offiziellen Brief der Barmer aus Wuppertal. Er ist auch der Logik einer Todesnachricht folgend nicht an die vermeintlich Verstorbene gerichtet – sondern an ihre Hinterbliebenen. Für Christa Reichelt, die im kommenden Jahr ihren 80. Geburtstag feiern will, war die Nachricht natürlich ein Schock.

Barmer erklärt Frau aus Jena für tot – und schreibt Hinterbliebene an

Nach Erhalt lief Reichelt zur Barmer-Geschäftsstelle und bat um eine Erklärung. „Die Mitarbeiterin in Jena hat sich sehr bemüht, konnte die Sache aber nicht aufklären“, berichtet sie, die viele Jahre als Kindergärtnerin in Jena gearbeitet hat. Möglicherweise gab es beim Familiennamen eine Namensgleichheit, die im Schreiben genannte Mitgliedsnummer war aber die korrekte.

Apropos Mitgliedschaft: Da Christa Reichelt für die Barmer tot war, wurde zeitgleich mit dem Schreiben die Mitgliedskarte ins Jenseits befördert. Die Karte war von sofort an gesperrt. Zum Glück hatte die Jenaerin keinen Arzttermin, die Todesnachricht hätte sonst weitere Probleme geschaffen.

Versicherungskarte war gesperrt – es kam eine formlose Entschuldigung

Eine Woche später bekam die Reichelt wieder Post von der Barmer. Allerdings ist der Brief wie auch das erste Schreiben nicht unterschrieben. Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, heißt es darin: „Wir möchten uns in aller Form bei Ihnen entschuldigen“.

Für Christa Reichelt klang das wie ein Standard-Schreiben. Dass sie zeitgleich einen weiteren Brief mit einer neuen elektronischen Gesundheitskarte (eGK) erhielt, macht die Sache nicht besser. Denn darin wird ihr gleich im ersten Satz unterstellt, sie habe die bisherige Karte verloren. Weg war die Karte aber zu keinem Zeitpunkt. Die Besitzerin war eben offiziell nur tot.

Reichelt schaltete die Lokalzeitung ein. Auf Nachfrage der „Thüringischen Landeszeitung“, die wie diese Redaktion zur Funke Mediengruppe gehört, kam dann doch Bewegung in die Sache.

Barmer-Geschäftsführer ist Fehler unangenehm

Wolfgang Schakau, der Regionalgeschäftsführer der Barmer, machte sich auf den Weg – bat mit einem Blumenstrauß um Entschuldigung. „So was darf natürlich auf gar keinen Fall passieren“, sagte er. Der Fehler ist im Beitragszentrum vermutlich wegen eines übereinstimmenden Geburtsdatums geschehen, doch als es bemerkt wurde, war es bereits zu spät, da die Post schon raus war.

Er bedankte sich, dass Reichelt sich sofort gekümmert habe und Laufereien auf sich genommen habe. Die Betroffene nahm die Entschuldigung an. Sie, ihre Angehörigen und ihre Bekannten nahmen es nun mit Humor. Eine Ärztin zu Reichelt: „Totgesagte leben länger!“

Wie (lebende) Versicherte bald in jede Krankenkasse wechseln können – und welche Krankenkassen 2019 den Zusatzbeitrag gesenkt haben und damit günstiger geworden sind. (Thomas Beier)

• Dieser Text erschien zuerst bei der Thüringischen Landeszeitung.

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