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„Sarotti-Mohr“ entfacht erneut hitzige Debatte um Rassismus

„Sarotti-Mohr“ entfacht erneut hitzige Debatte um Rassismus

Mohren

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Mannheim  In einem Mannheimer Kulturzentrum hängen zwei „Mohren“-Embleme über der Theke. Das löst erneut eine Debatte über Alltagsrassismus aus.

Der „Sarotti-Mohr“ erhitzt seit Jahren immer wieder die Gemüter. Regelmäßig entstehen um die frühere Markenfigur der Schokolade, einen afrikanischen Mann mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett, erbitterte Debatten über rassistische Überbleibsel aus der Kolonialzeit und Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber schwarzen Menschen.

Derzeit dreht sich die Diskussion um das Mannheimer Kulturzentrum Capitol: Über seiner Theke prangen zwei „Mohren“-Embleme. Auslöser der Debatte war eine Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus im vergangenen Oktober, bei der Teilnehmer die Dekoration im Foyer beanstandeten.

Allein im Internet prallen inzwischen Argumente zu Hunderten aufeinander. Den Kritikern der Dekoration wird krankhafte politische Korrektheit vorgeworfen. Schwarze Menschen beschweren sich wiederum darüber, immer wieder erklären zu müssen, was Rassismus ist. Das Thema wühlt auf – auch mehr als 100 Jahre nach Erfindung der Werbe-Figur.

Markenfigur wurde 2004 verändert

Die rassistische Deutung der Figur weist der Produzent der Sarotti-Schokolade, die Firma Stollwerck aus Norderstedt, zurück. „Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen“, heißt es in einem Statement des Unternehmens, das zur belgischen Baronie-Gruppe gehört.

Doch ganz unberührt von öffentlicher Diskussion agiert das Unternehmen nicht: Seit 2004 gibt es den „Sarotti-Mohren“ als Markenzeichen gar nicht mehr.

Aus dem „Botschafter des guten Geschmacks“ in Diener-Habitus wurde ein auf einer Mondsichel balancierender „Magier“ mit goldener Haut, der nach den Sternen greift. Der Begriff „Mohr“ hat nach Überzeugung einer Unternehmenssprecherin keinen negativen Beigeschmack.

„Mohr“ hat sich zu einem abfälligen Begriff gewandelt

Anders bewertet das der Sprachwissenschaftler Henning Lobin. „Mohr“ habe sich seit dem 19. Jahrhundert von einem eher neutral verwendeten Wort in ein abfälliges verwandelt. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) sagt: „Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit ,Mohr’ kombiniert wird, ,kohlpechrabenschwarz’ lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutralere Wörter zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt.“

Wer „Mohr“ sage, übe zugleich indirekt Kritik daran, dass man dieses und weitaus beleidigendere Wörter zur Bezeichnung von Menschen nicht mehr verwenden dürfe. Ähnliche Diskussionen wie in Mannheim gab es auch andernorts schon: In Frankfurt hatte der Ausländerbeirat im vergangenen Jahr – vergeblich – die Umbenennung zweier „Mohren-Apotheken“ gefordert.

In den Niederlanden sind der Stein des Anstoßes die schwarz geschminkten „Zwarten Pieten“ („Schwarzer Peter“), die Helfer des Nikolaus’. Für viele sind sie ein rassistisches Symbol, für andere gehört die Figur zur niederländischen Identität wie Tulpen und Käse.

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Capitol will Figuren weiter zeigen

Was macht das Capitol angesichts der Unversöhnlichkeit der Ansichten? Nach sechs Veranstaltungen zum Thema „Kein Platz für Rassismus“ mit 700 Teilnehmern haben die Betreiber entschieden, die Figuren weiter zu zeigen. „Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben.“

Weiter heißt es: „Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen.“ Ruhan Karakul befürchtet eine „karnevaleske Verzerrung“ der Figur, etwa durch antirassistische Aufkleber. Die Rechtsanwältin und Ex-Co-Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschlands hat als einziges Mitglied im Beratergremium des Capitols für einen Verzicht auf die Retro-Werbung plädiert. Durch den Erhalt werde Rassismus reproduziert.

Auch das Antidiskriminierungsbüro Mannheim betrachtet die Sarotti-Werbung als ein inakzeptables „Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung“. Gemeinsam mit Karakul kritisiert der Verein, dass dem Beratergremium – neben der Moderatorin und Autorin Mo Asumang – zu wenige schwarze Menschen angehört haben.

„Wo ist das Problem, die Figuren abzuhängen?“

Auch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) sieht das Capitol auf dem falschen Weg. Es versuche, es allen recht zu machen. „Da fühlen sich Leute diskriminiert, wo ist das Problem, die Figuren abzuhängen?“, fragt Verbandssprecher Tahir Della.

Auch ohne sie lasse sich weiter über Rassismus debattieren, etwa auch über die „Mohrenstraßen“ in vielen deutschen Städten, zum Beispiel in Berlin. Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Haltung das Kulturzentrum die „Mohren“ in den nächsten Wochen präsentieren wird. Bislang ist noch keine Idee des Capitol-Kreativteams an die Öffentlichkeit gedrungen. (mbr/dpa)

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