Schauspieler

Robert Atzorn wird 75: Ein Publikumsliebling im Ruhestand

Robert Atzorn hat sich schon vor zwei Jahren entschieden, in Rente zu gehen. Nun wird er 75 Jahre alt.

Robert Atzorn hat sich schon vor zwei Jahren entschieden, in Rente zu gehen. Nun wird er 75 Jahre alt.

Foto: Simon Vogler / ZDF und Simon Vogler

Essen.  In „Unser Lehrer Dr. Specht“ flogen ihm die Herzen der Zuschauer nur so zu. Am Sonntag wird Schauspieler Robert Atzorn 75 Jahre alt.

Es gibt Rollen, die einen Schauspieler fürs Leben prägen. Professor Brinkmann stand für Klaus Jürgen Wussow. Schimanski für Götz George. Und Dr. Specht für Robert Atzorn.

Während der 70 Folgen, die sich der Super-Lehrer von 1992 bis 1999 durch die Probleme des Schulalltags quälte, flogen ihm die Herzen der Zuschauer nur so zu. Das lag nicht zuletzt auch an seiner äußerst drall inszenierten Sekretärin Anita Kufalt, gespielt von der jungen Veronika Ferres, noch lange vor ihrem Imagewechsel zum körpergestylten „Superweib“.

Vor der Kamera steht Robert Atzorn schon länger nicht mehr. Trotzdem ist er präsent – dank der vielen Wiederholungen. „Jetzt ist es genug“, hatte Atzorn, der am Sonntag seinen 75. Geburtstag feiert, vor zwei Jahren gesagt. Das war der Renteneintritt für „Kommissar Clüver“ aus der ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“.

Robert Atzorn: Ein absoluter Sympathieträger

Er habe das Format geliebt, sagte er, „aber Kriminalkommissare gehen in der Regel mit 65 in Pension, und um bei der Wahrheit zu bleiben, ich bin da schon lange drüber.“ Er wollte sich verabschieden, solange er mit der Reihe noch Erfolg habe. Nach einer Karriere, die immerhin 50 Jahre dauerte, hatte er einfach keine Lust mehr, sich oder anderen etwas zu beweisen.

Wer Atzorn allerdings nur als stillen Kommissar Clüver oder introvertierten bis missmutigen oder sogar depressiven Kommissar Casstorf aus dem Hamburger Tatort vor Augen hat, wird wohl nicht begreifen können, dass dieser Schauspieler durchaus mitreißende Rollen verkörpert hat.

Vor der Wende zum Misanthropen war er ein Mann der guten Laune und ein absoluter Sympathieträger. Von „Unser Lehrer Dr. Specht“ war schon die Rede. Und auch in der ZDF-Serie „Oh Gott, Herr Pfarrer“, in der er einen unkonventionellen Theologen spielte, zeigte er so viel Charme, dass er zum klassischen Publikumsliebling aufstieg.

Robert Atzorn: Privatleben abseits der Öffentlichkeit

Aber ihm gelangen auch schwierige Rollen: 2008 spielte er die Hauptrolle in „Mein Mann, der Trinker“. Seine wohl eindringlichste Rolle wartete dann 2012 auf ihn: „Der Fall Jakob von Metzler“, ein Film über die Entführung und Ermordung des elfjährigen Bankierssohns. Für seine Darstellung des Frankfurter Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner wurden ihm der Grimme-Preis und der Bayerische Fernsehpreis verliehen.

Im Fernsehen war er stets präsent. Doch privat spielte sich sein Leben abseits der Öffentlichkeit ab. Rummel war ihm verhasst. „Ich bin absolut zufrieden mit mir und meinem Leben, das über die Jahre immer authentischer geworden ist“, sagt der Schauspieler, dessen Wahlheimat Bayern ist.

Hier ist er sozusagen hängengeblieben. Mit seiner Frau, der Schauspielerin Angelika Hartung, mit der er seit mehr als 40 Jahren verheiratet ist. Zwei Söhne hat das Paar – Sohn Jens Atzorn, ist mittlerweile ebenfalls ein bekannter Schauspieler und häufig im Fernsehen zu sehen.

Robert Atzorn hat gelernt über Gefühle zu sprechen

40 Jahre Ehe – das gleicht vor allem im Filmgeschäft einer Sensation. Sie hätten sich immer noch viel zu sagen, erzählte Atzorn einmal. Manche Paare redeten ja kaum noch miteinander. „Wir reden manchmal drei Stunden an einem Tag.“

Das Reden habe ihm eigentlich gar nicht so sehr gelegen. Aber er habe im Laufen seines Lebens gelernt, wie wichtig es ist, über seine Gefühle zu sprechen, sagte er in einem Interview. „Das war nicht immer so. Ich war früher sehr in mich gekehrt und schüchtern. Der Beruf hat mir dabei geholfen, meine Gefühle auszudrücken und Stellung zu beziehen. Ansonsten gehst du ja kaputt in meiner Branche.“

Mit den Jahren habe er auch gelernt, dass ein gesunder Lebensstil der Weg zur Lebensqualität ist. Früher habe er zu viel Alkohol getrunken. Damit sei Schluss. „Ich bewege mich viel, ernähre mich vegetarisch und mache Yoga“, sagte er in einem Interview. Aber er sei keiner, der wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt renne.

„Ich mache nicht mal Check-Ups oder Vorsorge-Untersuchungen, da mir diese ganzen komischen Maschinen suspekt sind. Ich habe schon zu viele Freunde in meinem Umfeld erlebt, die kranker vom Arzt zurück kamen, als sie hin sind. Das brauche ich nicht, ich bin mittlerweile selbst mein bester Arzt.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben