Missbrauch

Reaktionen zu Lügde-Urteil: „Eine Warnung an alle Täter“

NRW-Innenminister Herbert Reul fordert nach dem Urteil im Missbrauchsprozess von Lügde von der Justiz, in Verdachtsfällen noch schneller zu reagieren.

NRW-Innenminister Herbert Reul fordert nach dem Urteil im Missbrauchsprozess von Lügde von der Justiz, in Verdachtsfällen noch schneller zu reagieren.

Foto: dpa

Detmold.  Im Missbrauchsprozess von Lügde haben sich nach dem Urteil gegen die zwei Hauptangeklagten mehrere Politiker zu Wort gemeldet.

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Zehn Wochen nach Prozessbeginn hat das Landgericht Detmold im Missbrauchsskandal von Lügde am Donnerstagvormittag die beiden Hauptangeklagten zu hohen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Kurz nach der Urteilsverkündung äußerten sich mehrere Politiker und Minister zu dem Fall. Ein Überblick:

Innenminister Reul: „Wir müssen besser und schneller werden“

Am Rande eines Termins in Bochum hat sich Innenminister Herbert Reul zu dem Urteil geäußert. Er begrüßte die Urteile, vor allem die Sicherheitsverwahrung der Täter: „Die Urteile sind eine Warnung an alle Täter. Besonders die Anordnung der Sicherungsverwahrung. Das hilft dem Kinderschutz, das Leiden der Opfer lindert das natürlich nicht.“

Die Täter seien eine zu große Bedrohung, „als dass man sie nach Verbüßung ihrer Strafe einfach wieder auf freien Fuß lassen könnte.“ Die Arbeit der Polizei in Bielefeld und der Justiz habe „zu diesen schnellen Urteilen geführt“. Dennoch gelte auch nach dem Urteil: „Wir müssen besser und schneller werden, um diese monströsen Taten in Zukunft zu verhindern“, so Reul.

Missbrauchsbeauftragter fordert Verschärfung der Gesetzgebung

Auch der Bundesbeauftragte für Missbrauch, Johannes-Wilhelm Rörig begrüßte das Urteil ausdrücklich: „Das Landgericht Detmold hat das mögliche Strafmaß weitgehend ausgeschöpft und damit auch das wichtige Signal gesendet, dass der Rechtsstaat diese schweren Verbrechen an Kindern hart bestraft“, erklärte Rörig am Donnerstag.

Nun müsse auch die Gesetzgebung schnell handeln und Strafen für den Besitz und das Weiterleiten von Kinderpornografie verschärfen. Bisher kämen „pädokriminelle Täter“ teils mit 90 Tagessätzen Geldstrafe davon. Hier sei eine „Neubewertung“ nötig, forderte Rörig.

Rörig: Wahre Dimension des Themas „zu spät erkannt“

Insgesamt würden Kindesmissbrauch und seine Folgen in den Bundesländern vielfach unterschätzt. „Offensichtlich hat auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul erst im Verlauf des Skandals von Lügde die wahre Dimension dieses Themas erkannt“, kritisierte Rörig. Dabei habe es allein in NRW im vergangenen Jahr fast 2500 Ermittlungs- und Strafverfahren wegen Kindesmissbrauch gegeben.

Nötig sei auch eine „viel bessere Kooperation zwischen Jugendämtern, Polizei, Justiz, Kitas, Schulen und der Gesundheitsversorgung sowie eine Stärkung der zuständigen staatlichen Stellen.

NRW-Politiker begrüßen kurze Prozessdauer

Nach der Urteilsverkündung meldeten sich über Twitter auch einige NRW-Politiker zu Wort. So lobte Verena Schäffer, Sprecherin der Grünen-Fraktion, die schnelle Arbeit Justiz: „Ich bin froh über die kurze Prozessdauer von nur 10 Wochen“, schrieb Schäffer in einem Tweet. Die Aufarbeitung des Behördenversagens sei nun „Aufgabe des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

Ähnlich äußerte sich auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Marcel Hafke: „Ich bin froh, dass in einem zügigen Verfahren die Täter in dem Missbrauchsfall von Lügde verurteilt wurden.“ Besonders wichtig sei, dass die beiden Hauptangeklagten auch in der Zukunft „nicht mehr in die Nähe von Kindern kommen“, so Hafke.

Thomas Kutschaty, Vorsitzender der SPD-Fraktion, kündigte an, gemeinsam mit den Grünen die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zum Schutz von Kindern im Landtag zu beantragen: „Der Missbrauchsskandal von Lügde hat gezeigt, dass Kinderschutz auch im Parlament eine größere Rolle spielen muss.“

Richterin: Taten machen fassungslos

Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda sagte in der Urteilsbegründung, ihr falle es nach wie vor schwer, die Taten in Worte zu fassen. Worte wie „abscheulich, ekelhaft, widerwärtig, monströs, niederträchtig“ reichten nicht aus, das Geschehene zu beschreiben. „Auch nach zehn Verhandlungstagen bleibt die Fassungslosigkeit.“

Die beiden Hauptangeklagten seien für Taten an 32 Kindern in über 400 Fällen verurteilt worden. „Das ist eine furchtbare Zahl“, sagte Grudda. Die Zahl der Opfer sei vermutlich viel höher. Die Richterin betonte, dass sie neben der Vielzahl der Fälle, der Dauer des Missbrauchs und seiner Gewalttätigkeit, auch die Vorgehensweise der Angeklagten strafverschärfend bewertete: „Ein perfides System, sie haben die Kinder auf abstoßende Weise manipuliert.“ (red/dpa)

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