Fall Epstein

Richter warnt Royal: Andrew schwänzt Missbrauchsprozess

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Prinz Andrew wehrt sich gegen Missbrauchsklage in den USA

Prinz Andrew wehrt sich gegen Missbrauchsklage in den USA

Der britische Prinz Andrew wehrt sich mit formaljuristischen Mitteln gegen die Klage eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers in den USA. Virginia Giuffre wirft dem 61-Jährigen vor, sie als Minderjährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben.

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New York.  Queen-Sohn Prinz Andrew wird wegen Missbrauchs verklagt und versteckt sich bei Mama. Das Gericht richtet klare Worte an den 60-Jährigen.

Derzeit verschanzt sich Prinz Andrew (60) in der royalen Sommerresidenz im schottischen Balmoral. Am Wochenende vertrieb er sich die Zeit mit einer Jagdgesellschaft. Zu einem unangenehmen Gerichtstermin am Montag in New York schickte er seinen Anwalt: Die Amerikanerin Virginia Giuffre (38) wirft ihm vor, sie als Minderjährige missbraucht zu haben, und verlangt Schadenersatz. Ihre Zivilklage gegen den Prinzen hatte sie Mitte August eingereicht. Nun fand eine erste Anhörung statt.

Sein Anwalt Andrew Brettler wählte eine durchaus aggressive Strategie. Die Zivilklage sei „unbegründet, nicht haltbar und möglicherweise rechtswidrig“, sagte er vor Richter Lewis Kaplan.

Missbrauchsklage gegen Andrew: Der Prinz wird vor Gericht erscheinen müssen

Doch bevor er die Klage selbst anficht, setzt Brettler auf Verzögerung. Die Klage sei nicht ordnungsgemäß zugestellt worden, sagte er bei der Online-Anhörung. Giuffres Vertreter versicherte jedoch eidesstattlich, er habe die Klage am 27. August dem Sicherheitschef des Prinzen am Tor zu dessen Residenz in Windsor übergeben.

Doch Kaplan, der als Keine-Lust-auf-Nonsens-Richter gilt, erstickte die Taktik im Keim. „Sie können sicher sein, dass er (Andrew) früher oder später vorgeladen wird. Lassen Sie uns die Formalitäten verkürzen und zu den Inhalten kommen“, sagte er Brettler. Schließlich hätten die Anwälte der Klägerin eine Menge vorzubringen.

Der Sohn der Queen soll eine 17-Jährige mehrfach missbraucht haben

In der Tat: Giuffre wirft Andrew vor, sie im Londoner Stadthaus der damaligen Society-Lady Ghislaine Maxwell missbraucht zu haben. Die heute 59-Jährige war die beste Freundin des Geschäftsmannes und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

Die damals 17-jährige Giuffre wurde laut ihrer Klageschrift von Epstein, Maxwell und Prinz Andrew „gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr mit Prinz Andrew gezwungen“. Außer in London habe der Prinz sie auch in Epsteins Haus in New York und auf Epsteins Privatinsel in der Karibik missbraucht. „Ich mache Prinz Andrew für das verantwortlich, was er mir angetan hat“, erklärte sie. Andrew bestreitet die Vorwürfe.

Epstein nahm sich 2019 das Leben, Maxwell wartet im Gefängnis auf ihren Prozess. Andrew war mit beiden gut befreundet und mehrfach Gast bei Epsteins berüchtigten Partys in Florida oder in der Karibik. Von den Machenschaften des Duos will er aber nichts mitbekommen haben.

Versteckt sich Andrew hinter seinen Anwälten – und hinter seiner Mutter?

Der Anwalt Spencer Kuvin vertritt neun Frauen, die angeben, von Epstein missbraucht worden zu sein. „Die Opfer, die ich vertrete, glauben nicht, dass Andrew jemals für seine Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden wird,“ sagte er dem „Mirror“. „Andrew sollte ein Mann sein, vortreten und seiner Anklägerin Rede und Antwort stehen. Aber er wird sich hinter seinen Anwälten verstecken.“

Und hinter seiner Mutter, wie die britische Presse angesichts von Andrews Aufenthalt in Balmoral, dem Landsitz von Queen Elizabeth II. (95), spottet. Unklar ist, ob die Königin sich darüber freut. Zwar galt Andrew als ihr Lieblingssohn, doch musste sie ihn angesichts des Skandals von allen Ämtern entbinden.

Elizabeth will sich in Schottland von strapaziösen Monaten erholen – Pandemie im Königreich, der Tod des Gatten Prinz Philip, die Eskapaden ihrs Enkels Prinz Harry (36). Nun hat sie ihr Problemkind in ihrer Nähe.

Elizabeth II. - 95. Geburtstag überschattet von Philips Tod
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Ex-Frau Sarah Ferguson kümmert sich um Andrew

Und nicht nur das: Auch Sarah Ferguson (61) ist wieder da. Andrew versteht sich besser mit seiner Exfrau als jemals während der 1996 geschiedenen Ehe.

Als Schwiegertochter bereitete sie der Queen vom ersten Tag an Kummer. So ließ sie sich bei Zeh-Nuckelspielen mit einem Liebhaber ablichten und verschacherte Begegnungen mit Andrew an Geschäftsleute. Sie brauchte Geld, fünf Millionen Euro Schulden soll sie gehabt haben.

Wie gut, dass ihr damals ein Kumpel ihres Ex aus der Patsche half: Jeffrey Epstein. „Ein gigantischer Fehler“, gab sie später zu. Jetzt versucht sie, die Queen für sich zu gewinnen: Sie sei eine „flexible, verzeihende und großzügige“ Monarchin, schmeichelte sie in einem Podcast.

Kann der Prinz in die USA ausgeliefert werden?

Wird nun irgendwann das FBI in Balmoral auftauchen und den Prinzen mitnehmen? US-Rechtsexpertin Melissa Murray erklärt bei CNN, dass für Zivilklagen keine Auslieferung vorgesehen sei. Straftaten, die im Zivilprozess zur Sprache kommen, könnten jedoch auch strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen. „Deswegen hat der Prinz den Fall nicht außergerichtlich geregelt: Das könnte als Schuldeingeständnis ausgelegt werden.“

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