Ostern und Brauchtum

Bunte Ostereier haben Tradition – viel länger als man denkt

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Drei klassische Bräuche zum Osterfest

Drei klassische Bräuche zum Osterfest

Eierfärben, Eiersuche und Co. An Ostern gibt es verschiedene Traditionen. Der Ursprung dieser Bräuche liegt meist viele Jahre zurück.

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Berlin.  Zu Ostern werden viele bunte Eier verschenkt. Doch woher stammt der Brauch, Eier zu bemalen, eigentlich? Und was ist seine Bedeutung?

  • Bunte Ostereier dürfen in keinem Osternest fehlen
  • Doch woher kommt der Brauch, Eier zu Ostern zu färben?
  • Das ist der Ursprung der Tradition

Sie gehören zu Ostern wie Plätzchen und Sterne zu Weihnachten: bunte Eier. Egal ob als Deko, Nascherei oder Überraschung im Osternest – Ostereier sind Tradition. Doch woher stammt der Brauch, Eier einzufärben?

Um das zu klären, muss in der Geschichte der Menschheit ein ganzes Stück zurückgegangen werden. Denn bunte Eier hat es bereits im alten Ägypten gegeben. Und auch im antiken Rom und Griechenland war der Brauch bekannt, bunte Eier aufzuhängen und zu verschenken. Und das kam nicht von ungefähr: Denn Eier standen schon damals für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Als Symbol für das Leben und die Auferstehung wurden sie dann auch im frühen Christentum den Verstorbenen mit in das Grab gelegt.

Dabei scheint die Faszination darin gelegen zu haben, dass neues Leben aus einem scheinbar kalten, toten Gegenstand entstehen kann. So hat sich auch der Spruch „Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab gebrochen“, bei der Bevölkerung etabliert. Der Brauch, die Eier einzufärben, hat in Europa jedoch erst im 13. Jahrhundert Einzug gehalten. Lesen Sie auch: Ostern in Islam und Judentum – Ebenfalls ein Feiertag?

Überangebot an Eiern: Darum gibt es sie speziell zu Ostern

Doch die Symbolik ist nicht der einzige Grund, weshalb sich dieser Brauch im Christentum gerade in der Osterzeit entwickelt hat. Denn während der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag durften Eier ebenso wenig gegessen werden wie Fleisch. Sie fielen unter das Abstinenzgebot. Doch die Hühner, die damals auf den Höfen lebten, legten logischerweise dennoch ihre Eier – unbeeindruckt von der Fastenzeit der Menschen. Damit diese Eier in einer Zeit ohne Kühlschränke nicht so schnell verdarben, wurden sie durch Kochen länger haltbar gemacht.

Und noch einen Nutzen hatten die überschüssigen Eier im Mittelalter: Mit ihnen konnten die Bauern den um Ostern fällig werdenden Pachtzins bei ihrem Lehnsherrn ablösen. Damit die gekochten Eier später von den frischen unterschieden werden konnten, wurden sie eingefärbt. Traditionell wurde dabei die Farbe Rot verwendet. Sie sollte für das Blut Jesu Christi stehen und an den Opfertod am Kreuz erinnern. Erst später wurden auch andere Farben wie Grün, Blau, Gelb und Schwarz verwendet. Eier aus der Karwoche galten dabei als besonders heilig. In der Kirche zunächst geweiht, wurden sie anschließend verschenkt oder selbst gegessen.

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Ostern: Eier in allen Farben und mit allen Mustern

Heute gibt es Ostereier in allen erdenklichen Farben und Mustern. Wurden die Schalen in früheren Zeiten mit Pflanzenteilen gefärbt, sind heutzutage unterschiedliche Färbemittel – von Brausetabletten bis hin zu Farbstiften – im Handel erhältlich. Doch die Verzierungen der Eier gehen weit über das bloße Färben hinaus. So werden zum Beispiel sorbische Ostereier mit der sogenannten Wachstechnik verziert, bei der Muster mit heißem Wachs auf die Eierschalen gemalt werden. Anschließend werden die Eier eingefärbt, behalten jedoch ihre ursprüngliche Farbe dort, wo das Wachs war. So entstehen filigrane Muster und Formen auf den Schalen.

Eine weitere Möglichkeit sorbische Ostereier herzustellen liegt in der Kratztechnik. Dabei werden die Muster mit einem Messer in die bereits eingefärbten Eier geschnitzt. Eine Technik, die viel Fingerspitzengefühl abverlangt, denn es darf weder zu fest gedrückt werden – sonst wird das Ei beschädigt. Auch interessant: Osterbräuche weltweit – So feiert man in anderen Ländern

Doch der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Unter anderem auf der Plattform „Pinterest“ finden sich unzählige Möglichkeiten, um aus den Eiern kleine Kunstwerke zu gestalten. Neben dem klassischen Bemalen werden die Eier dort beklebt, lackiert oder beschrieben. Besonders einfach scheint dabei die Methode zu sein die Eier künstlerisch mit Nagellacken zu verzieren.

  • Dafür werden wenige Tropfen Nagellack in eine Wasserschüssel getropft und verschiedene Farben miteinander vermischt.
  • Anschließend werden die Eier mit der Hand in das bunte Wasser getunkt.
  • Der Lack setzt sich nun wie von alleine um die Schale.
  • Dabei sollten Einweghandschuhe getragen werden – sonst sind am Ende auch die Hände bunt.

Ostereier färben: Unbedenkliche Farbstoffe

Laut Verbraucherzentrale sind die im Handel erhältlichen Farben zum Färben der Ostereier meist unbedenklich. Wer aber auf einen natürlichen Farbstoff setzen möchte, kann auch auf die herkömmlichen Pflanzenstoffe zurückgreifen. So eignen sich zum Beispiel Zwiebelschalen und Rote Beete für die Farbe Rot und Rotkohlblätter für die Farbe Blau. Besonders gut eigenen sich dafür weiße Eier, da die Farben auf ihnen besser zur Geltung kommen, als auf braunen. In der Industrie werden die Eier nach dem Färben oftmals noch mit einem Lack versehen, damit sie glänzen. Mehr zum Thema: Osterdeko selbst basteln – Das sind die besten Ideen

Hartgekochte Eier halten bei kühler Lagerung und unverletzter Schale mehr als vier Wochen. Vorausgesetzt jedoch sie wurden nicht abgeschreckt. Ist das der Fall, sollten sie innerhalb von zwei Wochen verzehrt werden.

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