Kindstötung

Mutmaßlicher Kindermörder aus Hamburg in Spanien verhaftet

Vor dem Haus in Hamburg, in dem eine Zweijährige getötet wurde, haben Trauernde Kerzen, Plüschtiere und Blumen niedergelegt.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Vor dem Haus in Hamburg, in dem eine Zweijährige getötet wurde, haben Trauernde Kerzen, Plüschtiere und Blumen niedergelegt. Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Hamburg  Ein Mann soll in Hamburg seine zweijährige Tochter getötet haben. Nun hat die Polizei den tatverdächtigen Vater in Spanien gefasst.

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Nach dem Mord an einer Zweijährigen in Hamburg ist der tatverdächtige Vater in Spanien gefasst worden. Der Mann sei am Sonntagmittag in der Region San Sebastian verhaftet worden, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge führte die Flucht des 33-Jährigen über Frankreich nach Spanien. Das Mädchen war am vergangenen Montag an einer Schnittverletzung am Hals gestorben.

„Zielfahnder waren ihm auf der Spur“, sagte eine Polizeisprecherin in Hamburg über den Verdächtigen. „Das war ein echter Ermittlungserfolg.“ Welches die nächsten Schritte der Justiz sein werden, würden die Behörden in den nächsten Tagen abstimmen.

Polizisten hatten das Kind tot in der Wohnung der Familie im Stadtteil Neugraben-Fischbeck gefunden. Die 32 Jahre alte Mutter war zuvor zur Polizeiwache gegangen, um ihren Mann wegen Bedrohung anzuzeigen. Als die Beamten die Wohnung betraten, entdeckten sie die Zweijährige. Noch in der Nacht begann die Fahndung nach dem Vater .

Bereits vor der Tat Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet

Der 33-Jährige ist ein abgelehnter Asylbewerber aus Pakistan. Entsprechende Medienberichte hatte ein Sprecher der Ausländerbehörde bestätigt. Sein Asylantrag aus Hessen war Anfang 2012 abgelehnt worden, er wurde aber weiter geduldet.

Nach der Geburt des Mädchens durfte der Pakistaner im Januar 2016 nach Hamburg ziehen. Hier stellte er einen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis, der den Angaben zufolge jedoch abgelehnt wurde. Dagegen legte der Vater Widerspruch ein. Sein Anwalt erreichte mit einem Eilantrag einen sogenannten Hängebeschluss des Verwaltungsgerichts – das heißt, der Mann durfte aufgrund der familiären Bindung vorerst nicht abgeschoben werden.

Jugendamt betreute die Familie

Der Mann war der Staatsanwaltschaft bereits bekannt. Gegen ihn war schon ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung an einem Sohn seiner Frau aus einer früheren Beziehung eingeleitet worden. Der Junge habe aber keine körperlichen Schäden erlitten, hatte Oberstaatsanwältin Nana Frombach gesagt. Auch wegen des Verdachts der Bedrohung seiner Ehefrau wurde gegen den Mann ermittelt.

Das Jugendamt im Bezirk Harburg betreute die Familie. Zwei Mal gab es einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung – beide Male habe sich das aber nicht bestätigt, sagte eine Sprecherin des Bezirksamts. Eine Nachbarin hatte den 33-Jährigen als „hochaggressiv“ bezeichnet. Ein Motiv des Vaters ist nicht bekannt.

Mord oder Totschlag von Kindern hängt oft mit gescheiterter Beziehung zusammen

Bei jedem vierten Kind, das in Deutschland durch Mord oder Totschlag stirbt, stehe der Tod im Zusammenhang mit einer gescheiterten Beziehung, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker. Bei schwierigen Beziehungen entstehe oft der Wunsch, dem Partner etwas besonders Grausames anzutun, das diesen sein Leben lang belastet. Etwa zwei Drittel der Täter seien männlich.

Die Jugendämter müssten dafür sensibilisiert werden, die totale Eskalation eher in Betracht zu ziehen, sagte Becker. Er forderte standardisierte Verfahren für die Risikoanalyse von eskalierter Gewalt. Solche Verfahren könnten es Jugendämtern, Polizisten und Familiengerichten erleichtern, Gefahren zu erkennen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Becker schränkte jedoch ein, dass Jugendämter Eskalationen selbst dann nicht immer verhindern könnten, wenn sie wüssten, dass es in einer Familie Gewalt gibt. (dpa)

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