Attentat

Mann erschießt elf Menschen in Synagoge in Pittsburgh

Bewaffnete Sicherheitskräfte am Tatort in Pittsburgh.

Bewaffnete Sicherheitskräfte am Tatort in Pittsburgh.

Foto: Alexandra Wimley / dpa

Pittsburgh  In einer Synagoge in Pittsburgh fallen Schüsse, elf Menschen sterben. Der Täter ist wohl bekennender Antisemit – und großer Trump-Fan.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein Mann hat in einer Synagoge in der US-Stadt Pittsburgh um sich geschossen und elf Menschen getötet. Laut Polizei wurden bei dem Attentat am Samstag sechs weitere Personen verletzt. Kinder sollen nicht darunter sein. Polizisten konnten den Mann überwältigen und festnehmen. Die Bestürzung – auch außerhalb der USA – ist groß.

Bei dem Täter soll es sich laut US-Medienberichten um einen 46 Jahre alten Amerikaner handeln. Er soll mit dem Ruf „Alle Juden müssen sterben“ in die Synagoge gestürmt sein. Er hatte laut Polizei mehrere Schusswaffen bei sich, nach ersten Erkenntnissen besaß er sie legal. In sozialen Netzwerken war er offenbar durch rechtsgerichtete Kommentare aufgefallen.

Der Mann werde im Krankenhaus behandelt, hieß es. Möglicherweise wurde er von Polizisten angeschossen. US-Justizminister Jeff Sessions sagte, dem Täter könne die Todesstrafe drohen. Die Bundesstaatsanwaltschaft erhob noch in der Nacht Anklage in insgesamt 29 Punkten gegen ihn.

Täter handelte offenbar aus Judenhass

Wendell Hissrich, Direktor für Öffentliche Sicherheit bei der Stadt Pittsburgh nannte die Szenerie in der Synagoge „sehr schlimm“. „Ich habe viel gesehen, auch Flugzeugabstürze“, betonte er. Die Szenen in der Synagoge gehörten aber zu den schlimmsten, die er bisher gesehen habe. Hissrich sprach von „hate crime“, von einem Hassverbrechen.

Laut übereinstimmenden Berichten wurden die ersten Rettungskräfte gegen 10 Uhr Ortszeit alarmiert und zur „Tree of Life“-Synagoge im US-Bundesstaat Pennsylvaniagerufen. Die Schüsse sollen im zweiten Stock des Gotteshauses gefallen sein. Die Stadtverwaltung warnte die Bevölkerung davor, sich in die Nähe des Tatorts zu begeben.

Trump bringt nach Schüssen Todesstrafe ins Gespräch

Fernsehbilder zeigten, wie im Pittsburgher Viertel Squirrel Hill, einer Gegend, wo auch viele Menschen jüdischen Glaubens wohnen, ein großes Polizeiaufgebot auffuhr. Menschen wurden von Feuerwehrleuten und Polizeibeamten in Sicherheit gebracht. Einzelheiten blieben zunächst völlig unklar. Auch Angaben zu einem möglichen Täter gab es zunächst nicht.

US-Präsident Donald Trump reagierte schon kurz nach dem Attentat und forderte schnellere Todesurteile für Mörder. „Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen“, sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen. „Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten.“

Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. „Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz“, sagte Trump über die Gemeindemitglieder. „Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können.“

Später erklärte Trump, Hass und Intoleranz habe keinen Platz in den Vereinigten Staaten, und forderte die US-Bürger zu Einigkeit auf.

Bestürzung auch in Deutschland und Israel

Auch die Bundeskanzlerin reagierte auf die tödlichen Schüsse. „Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen – überall“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Auftrag von Angela Merkel auf Twitter.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte in einer Videobotschaft: „Mein Herz ist gebrochen und ich bin angewidert von der mörderischen Attacke auf eine Synagoge in Pittsburgh.“ Das gesamte israelische Volk trauere mit den Familien der Toten.

In Pittsburgh und auch vor dem Weißen Haus in Washington kamen am Abend spontan Menschen zusammen und trauerten gemeinsam um die Opfer.

Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen erweitert

Die „Tree of Life“-Synagoge gilt als ein konservatives jüdisches Gotteshaus, das jedoch offen für Neuerungen sei, wie der Präsident der jüdischen Gemeinde im Großraum Pittsburgh, Jeff Finkelstein, sagte. Normalerweise finden sich dort am Samstagmorgen rund 50 bis 60 Gläubige ein. Auch in anderen Gegenden der USA wurden sofort die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen erweitert.

In Squirrel Hill, wo die Synagoge steht, leben seinen Angaben zufolge rund 50 Prozent der im Großraum Pittsburgh ansässigen Juden. Finkelstein zeigte sich erschüttert: „So etwas sollte nicht passieren, nicht in einer Synagoge, nicht in unserem Viertel.“ (ba/sdo//dpa/rtr)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (18) Kommentar schreiben