Fake-News-Vorwurf

Käßmann erwägt nach Shitstorm rechtliche Schritte gegen AfD

Die Theologin Margot Käßmann will sich gegen Falschdarstellungen ihrer Ausssagen über die AfD wehren.

Die Theologin Margot Käßmann will sich gegen Falschdarstellungen ihrer Ausssagen über die AfD wehren.

Foto: Peter Gercke / dpa

Berlin, Hannover  Margot Käßmann rückte die AfD-Familienpolitik in die Nähe der Nazi-Propaganda – und wurde Opfer eines Shitstorms. Nun wehrt sie sich.

Die prominente evangelische Theologin Margot Käßmann legt sich mit der AfD an und erwägt rechtliche Schritte gegen die Partei. Grund ist die falsche Darstellung ihrer Aussagen über die AfD in sozialen Netzwerken.

Käßmann hatte am Donnerstag in einer Bibelarbeit beim Kirchentag in Berlin die

kritisiert. Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin sagte, diese entspreche dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten“: „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern“ – und setzte mit Blick auf die AfD nach: „Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“

Erika Steinbach kritisiert „linksfaschistische Ergüsse“

Im Kurznachrichtendienst Twitter wurden vielfach nur die beiden letzten Sätze ohne den Zusammenhang zum Arierparagrafen zitiert und dadurch der Eindruck erweckt, Käßmann habe quasi alle Bürger mit deutschen Ahnen zu Neonazis erklärt. Vor allem von Anhängern und Politikern der AfD wurde auf Twitter gegen Käßmanns Äußerungen geschossen.

Auch die kürzlich aus der CDU ausgetretene Politikerin

ein und postete ein Bild Käßmann, auf dem von „linksfaschistischen Ergüssen“ die Rede war. Steinbach hat laut Medienberichten künftig mehrere Vernastaltungen geplant, mit denen sie die AfD unterstützen will.

Käßmann nannte diese durch Falschdarstellung erweckte Unterstellung „lächerlich und absurd“: „Dann gehörte ich ja selbst auch dazu.“ Es gebe Inhalte, die einfach gelöscht werden sollten, sagte Käßmann dem Evangelischen Pressedienst (epd) und berief sich auf einen kürzlich gehörten Experten. „Manche Inhalte sollte man demnach aber auch rechtlich verfolgen“, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ergänzte: „Das überlege ich mir in diesem Fall.“

Sie habe zwar schon erlebt, dass Äußerungen von ihr entstellt oder aus dem Zusammenhang gerissen wiedergegeben worden seien, sagte Käßmann. „Die Erfahrung, dass etwas bewusst falsch dargestellt wird, mache ich aber zum ersten Mal.“ Es mache zornig, und „du fühlst dich auch hilflos, weil du es nicht geraderücken kannst“.

Käßmann will keinen Twitter-Account

Die Zitate stammen aus einer Bibelarbeit Käßmanns beim Kirchentag, die sie in den folgenden Tagen auch noch bei „Kirchentagen auf dem Weg“ in mitteldeutschen Städten gehalten hatte.

Die Empörungswelle bei Twitter folgte aber erst am Samstag – an dem Tag, an dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei dem Protestantentreffen vor den Folgen von Fake News im Netz warnte und von einer „Zersetzung der Demokratie“ sprach.

„In einer Demokratie ist es wichtig, dass jeder sich eine Meinung bildet“, sagte Käßmann. Das könne anstrengend sein, „weil du dafür alle Fakten recherchieren musst“. Wenn die Bereitschaft zu dieser Information nicht da sei, sei das eine Gefahr für die Gesellschaft. „Da hat Bundespräsident Steinmeier mit seiner Aussage auf dem Kirchentag Recht“, sagte Käßmann. Sie selbst hat keinen Twitter-Account und will sich auch keinen zulegen. Sie wolle nicht nur in 140 Zeichen kommunizieren, sagte sie.

Wie erkenne ich Fake News?
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(epd)

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