Hitzewelle

Hitze: Arnheim streut Straßen – NRW-Stadt könnte nachziehen

In den Niederlanden wird Salzwasser mit einem Streufahrzeug auf die Straßen gebracht. Auf diese Weise sollen Schäden und das Kleben der Straßenoberfläche verhindert werden.

In den Niederlanden wird Salzwasser mit einem Streufahrzeug auf die Straßen gebracht. Auf diese Weise sollen Schäden und das Kleben der Straßenoberfläche verhindert werden.

Foto: Foto: Kees van de Veen / dpa

Utrecht.  Europa stöhnt unter der Hitze, und was machen die Niederländer? Sie schicken Streuwagen auf die Straßen. Auch eine NRW-Stadt denkt darüber nach.

„Nee, verrückt sind wir noch nicht geworden“, lacht Arnheims Stadtsprecher William Hulstein. Obwohl er sich die Frage nach dem geistigen Gesundheitszustand der städtischen Mitarbeitern in den letzten Tagen häufiger anhören muss. Mitten im Hochsommer lässt Arnheim den Winterdienst ausrücken, um die Straßen mit Salz zu bestreuen.

„Das klingt etwas verrückt, zugegeben. Aber das Salz soll die Straßen kühlen“, erklärt William Hulstein auf Nachfrage. Bereits seit mehreren Jahren werden die großen Hauptstraßen der Stadt – unter anderem der Utrechtseweg oder der Ringweg – mit Salz bestreut. Immer dann, wenn die Meteorologen drei aufeinanderfolgende Tage mit mehr als 30 Grad ankündigen, wird das Streugut verteilt.

Hitze bringt Straßen zum Schwitzen – Arnheim streut mit Salz

William Hulstein erklärt: „Bei diesen Temperaturen glüht die Straße. Auf dem Boden wird es 52 Grad und wärmer und die Straße fängt an zu schwitzen. Wenn dann noch tausende Autos darüber fahren, dann bleibt der Asphalt förmlich am Reifen kleben. Die Straße geht kaputt.“

Das Salz, welches in den frühen Morgenstunden aufgetragen wird, soll nun dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit der frühen Morgenstunden länger gehalten wird und damit die Straße abkühlt. Messungen haben in Arnheim ergeben, dass die Straße um drei bis vier Grad abkühlt. Und dies könne bereits einen erheblichen Effekt auf den Straßenbelag haben, sagt William Hulstein.

Warum Straßen.NRW die Methode nicht anwendet

Die Methode scheint effektiv zu sein. Zumindest gibt der Stadtsprecher an, dass man deutlich weniger Ausbesserungsarbeiten vornehmen müsse. „Und neuen Asphalt auszubringen oder eine Straße zu reparieren, ist deutlich teurer als Salz zu streuen“, sagt er. Hulstein erklärt, dass man nicht so viel Salz wie beim Winterdienst ausbringe, auch der Umwelt zuliebe.

In Nordrhein-Westfalen ist man hingegen bisher nicht von der Methode überzeugt – und verzichtet darauf. „Es gibt keine Erkenntnisse, die eine eindeutige Wirksamkeit des Salzstreuens zum Hitzeschutz bestätigen können“, sagt Christoph Dröge, Referatsleiter bei Straßen.NRW. Der Landesbetrieb ist für die Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen zuständig, nicht für die kleineren Gemeindestraße.

Bisher gebe es ohnehin keine nennenswerten Hitzeschäden in NRW, betont Dröge. Wenn würden Schäden nur an einzelnen Stellen auftreten, der Aufwand mit einer flächendeckenden Salzstreuung wäre demnach viel hoch. Zwar würde das Salz für einige Stunden kühlen, der Effekt wäre aber zu gering, so Dröge.

Recklinghausen prüft den Einsatz von Streusalz

In einer nordrhein-westfälischen Stadt könnte dennoch schon bald der Winterdienst im Hochsommer rausfahren. In Recklinghausen prüfe man derzeit den Einsatz der ungewöhnlichen Methode aus den Niederlanden, heißt es in einer Pressemitteilung. „Diese Prüfung ist aber noch nicht abgeschlossen. Unsere Fachleute beim Fachbereich Ingenieurwesen und den Kommunalen Servicebetrieben Recklinghausen (KSR) sammeln noch Fakten und Erkenntnisse“, betont der Technische Beigeordnete Norbert Höving.

Zunächst könnte testweise ein KSR-Solefahrzeug auf einem ausgesuchten Straßenabschnitt eingesetzt werden. „So weit sind wir aber noch nicht. Es müssen erst noch eine Reihe von Aspekten, wozu natürlich auch die Frage nach einer möglichen Umweltbelastung durch den Einsatz der Sole gehört, abschließend geklärt werden“, stellt Höving klar.

Erfahrungen mit Salz im Sommer hat bereits die Stadt Castrop-Rauxel gesammelt. Auf Nachfrage dieser Redaktion erklärte Pressereferentin Sabine Latterner vom EUV Stadtbetrieb: „Im vergangenen Sommer ist ein Straßenabschnitt von rund 500 Metern geschmolzen.“ Damals sei ein Fahrzeug rausgefahren, um dort Salz zu streuen. „Mittlerweile wurde aber die Straße saniert und das Problem damit behoben“, so Latterner.

Die großen Autobahnen sind resistenter gegen Hitze

Auch in den Niederlanden wird die Arnheimer Methode nicht von allen Städten übernommen. In Nimwegen wird nicht gestreut, in Bronkhorst wohl. Und die Grenzgemeinde Montferland überlegt noch: „Zurzeit streuen wir nicht, aber wenn es weiterhin so heiß bleibt, werden auch wir darüber nachdenken“, sagt Sprecher Jan Wiggers. Im Dorf Peize in der östlichen Provinz Drenthe werden die Straßen mit einer Salz-Lake besprüht.

Das großen Straßenbau-Unternehmen Rijkswaterstaat (ähnlich wie Straßen.NRW) streut ebenfalls nicht auf den Autobahnen und großen Landesstraßen. Eine Sprecherin erklärt, dass man einen anderen, offenen Asphalttyp verwende, der sehr gut gegen Hitze beständig ist. Vor allem ein geschlossener Asphalt verursache Probleme bei hohen Temperaturen.

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