Umwelt

Greenpeace: Zustand von Ost- und Nordsee schlechter denn je

So gefährlich sind die fleischfressenden Bakterien in der Ostsee

Berlin. Besonders während wärmerer Sommer häuften sich die Fälle, einige Betroffene starben gar daran: Wer sich beim Baden in Ost- und Nordsee mit so genannten Vibrionen infiziert, kann schwer erkranken. Durch die Klimaerwärmung könnte die Gefahr laut Forscherinnen und Forschern in

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Hamburg/Rostock.  Ein Report der Umweltorganisation Greenpeace zeigt den schlechten Zustand von Nord- und Ostsee auf. Doch der Bericht stößt auf Kritik.

Ost- und Nordsee sind in einem schlechteren Zustand als jemals zuvor, wie aus einem neuen Report der Umweltschutzorganisation Greenpeace hervorgeht. Die Umweltschützer schlagen Alarm, doch Kritiker werfen ihnen verzerrende Aussagen vor.

„Unsere Meere werden geplündert, zerstört und verschmutzt, nur für den kurzfristigen Profit – mit drastischen Folgen für die Artenvielfalt und letztlich für uns alle“, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Nach Angaben der Organisation schwinden die Bestände von Dorsch und Hering in der Ostsee, zudem sei Deutschlands einzige Walart, der Schweinswal, stark gefährdet.

Greenpeace wollte am Donnerstagabend mit dem Aktionsschiff „Beluga II“ zu einer Tour auf Nord- und Ostsee aufbrechen, um den Zustand der Meeresgebiete zu dokumentieren. Deutschland habe beim Schutz der Meere „total versagt“, wie Maack sagte. Um die Meere zu retten, müsse es echte Schutzgebiete geben. Lesen Sie auch: Nord- und Ostsee erhitzen sich in besorgniserregendem Tempo

Greenpeace fordert „echte“ Meeresschutzgebiete

Tatsächlich gibt es in Deutschland zehn Meeresschutzgebiete, die Deutschland in seiner Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) vor mittlerweile 15 Jahren ausgewiesen hatte. Allerdings fehle den Gebieten bis heute jegliches Management, wie der Report monierte. In den Schutzzonen der Nord- und Ostsee sowie im Nationalpark Wattenmeer seien immer noch die zerstörerische Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen erlaubt, auch die Ausbeutung von Öl oder Sand- und Kiesabbau, kritisierte Greenpeace weiter. Auch interessant: Vibrionen verbreiten sich in Wasser von Nord- und Ostsee

Der Greenpeace-Bericht steht bei einigen Forschern allerdings in der Kritik. „Es geht den Ökosystemen in Nord- und Ostsee im Gegenteil deutlich besser als vor 30 Jahren“, sagte der Direktor des staatlichen Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, in Rostock. Es stimme nicht, dass der Fischereidruck unaufhörlich ansteige. Einige Aussagen des Berichtes sind nach Meinung von Zimmermann verzerrt, weil die Organisation mit dramatischen Aussagen den Druck erhöhen wolle.

Kritik an dem Report kommt von allen Seiten

Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin betonte, der Report spiegele nicht ganz die Realität wider. „Tatsächlich hat sich die Bestandssituation in Nord- und Ostsee sowie im Nordostatlantik seit Inkrafttreten der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik 2014 deutlich verbessert“, sagte sie. Lesen Sie auch: Droht der Nord- und Ostsee eine Quallenplage?

Kritik am Greenpeace-Report kam auch vom Deutschen Fischerei-Verband in Hamburg. „Es ist nicht zutreffend, dass es kein Management gibt“, sagte Generalsekretär Peter Breckling. Es gebe unter anderem Naturschutzverordnungen, Raumordnung oder Nationalparkgesetze im Wattenmeer. „Fischerei in Schutzgebieten kann weiter laufen, weil sie nicht „zerstörerisch“ ist.“

(lhel/dpa)

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