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Goldener Windbeutel 2020: Was ist die dreisteste Werbelüge?

Foodsharing-Apps für weniger Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung ist auch in Deutschland ein riesiges Problem. Laut Statistiken wirft jeder Verbraucher im Schnitt 75 Kilogramm Essbares jährlich weg. Foodsharing-Apps können dabei helfen, dieses Problem zu mindern.

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Berlin.  Lebensmittel locken mit teils abenteuerlichen Werbeversprechen. Foodwatch kürt mit dem „Goldenen Windbeutel“ das dreisteste Produkt.

Versprechungen der Lebensmittelindustrie können verheißungsvoll sein: Viele Produkte werben mit gesunden Inhaltsstoffen, klimafreundlicher Herstellung oder umfassender Berücksichtigung des Tierwohls. Leider verbirgt sich dahinter oft nur heiße Luft. Der gemeinnützige Verein Foodwatch vergibt aus dem Grund seit 2009 den „Goldenen Windbeutel“ – einen Negativpreis, der die dreisteste Werbelüge des Jahres entlarvt. Nun ist die Abstimmung für 2020 eröffnet.

„Verbraucherinnen und Verbraucher wollen verantwortungsvolle Kaufentscheidungen treffen – doch wenn sie sich auf die Werbeaussagen der Hersteller verlassen, werden sie getäuscht oder abgezockt. Die Ernährungsindustrie nutzt den Wunsch der Menschen nach nachhaltigen und gesunden Produkten schamlos aus“, wird Manuel Wiemann von Foodwatch, Wahlleiter für den „Goldenen Windbeutel“, in der einer Pressemitteilung zitiert.

Foodwatch sieht die Bundesregierung in der Verantwortung

Obwohl das Problem seit Jahren bekannt sei, schütze die Bundesregierung Verbraucher nicht vor Betrug im Supermarkt. Die Ernährungsministerin Julia Klöckner müsse das Thema nun „zur Chefinnensache“ machen, heißt es weiter in der Mitteilung.

2019 gewann eine Tomatensauce für Kinder von der Marke Zwergenwiese den „Goldenen Windbeutel“. Das Fertigprodukt enthielt einen extrem hohen Anteil Zucker.

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Verbraucher können künftig online darüber abstimmen, welches Produkt 2020 das Rennen machen soll. Dabei kann zwischen fünf Lebensmitteln entschieden werden.

„Goldener Windbeutel 2020“: Diese Produkte sind nominiert

Kandidat eins, die Bio Weidemilch haltbar der Marke Arla, springt auf den „Fridays for Future“-Zug: Die Milch verspricht auf einem Siegel 71 Prozent weniger CO2, wie es in der Foodwatch-Pressemitteilung heißt. Ein wichtiger Punkt werde dabei jedoch nicht erwähnt: Die Bilanz beziehe sich nicht auf die Milchproduktion, sondern die Verpackung. Diese sei in dem Fall jedoch nur für 2,5 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

Der zweite Kandidat ist der Volvic Bio Rooibos Tee von Danone Waters, der sich laut Verpackung an „Teeverehrer“ richte. Dabei bestünde das Getränk nur zu 0,26 Prozent aus Rooibos-Tee. Beim Rest handle es sich um aromatisiertes Mineralwasser.

Mit „Milch von Freilaufkühen“ wirbt Kandidat Nummer drei: Grünländer Käse von Hochland. Der „Freilauf“ bezieht sich jedoch nicht auf Auslauf auf einer Weide, sondern auf die Bewegung der Kühe im Stall, wie foodwatch anmerkt.

Das vierte Produkt bedient sich einer inzwischen schon klassischen Methode: Der Be-Kind Protein Riegel Crunchy Peanut Butter von Mars will ein gesunder Sport-Snack mit „pflanzlichem Protein-Kick“ sein, besteht foodwatch zufolge aber zur Hälfte aus Zucker und Fett.

Kandidat fünf hat den Zuckergehalt hingegen tatsächlich reduziert: Die Konfitüre Zentis 50% weniger Zucker Erdbeere ersetze Zucker durch Wasser. Der Preis sei dafür allerdings doppelt so hoch wie beim süßen Original.

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Abstimmung für „Goldenen Windbeutel“ bis Anfang September möglich

Vier der fünf Vorschläge wurden von Verbrauchern eingereicht. Auf der Foodwatch-Beschwerdeplattform www.schummelmelder.de waren in den vergangenen Monaten mehr als 200 Produkte vorgeschlagen worden, die sich besonders dreister Werbeversprechen bedienen. Die Arla-Milch hat foodwatch selbst vorgeschlagen. Abgestimmt werden kann bis zum 6. September.

(raer)

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