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Golden Globe: Harte Missbrauchs-Witze – und Preis für „1917“

Golden Globe: Das Team von „Once Upon a Time in Hollywood“.

Golden Globe: Das Team von „Once Upon a Time in Hollywood“.

Foto: Kevin Winter / Getty Images

Berlin.  Die Golden Globes wurden verliehen. Moderator Ricky Gervais schockte mit harten Witzen. Ausgezeichnet wurde der Kriegsfilm 1917.

Es ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche, angesehen und oft auch Indikator dafür, wer beim Oscar abräumen könnte. In der Nacht zu Montag sind in Hollywood die Golden Globe s verliehen worden. Es ist die 77. Auflage gewesen – und wie immer in der Branche ging es nicht ohne ein paar Überraschungen und Grenzüberschreitungen.

Schon zum Start mussten die anwesenden Prominenten von Brad Pitt über Leonardo DiCaprio bis Laura Dern ein dickes Fell haben. Denn der durch den Abend im Beverly Hills Hotel führende Ricky Gervais, als Comedian ohnehin nicht für Zurückhaltung bekannt, teilte gut aus.

So polterte er in Richtung des Star-Publikums: „Wenn ihr heute Abend gewinnt, nutzt das hier nicht als politische Plattform.“ Niemand hier sei in der Position, irgendwem was beizubringen. „Ihr habt weniger Zeit in der Schule verbracht als Greta Thunberg“, ergänzte er. „Kommt her, nehmt euren kleinen Award, dankt Gott und eurem Agenten – und (ausgepiept) euch.“

Golden Globe: Gervais über DiCaprios Vorliebe für junge Frauen – und Prinz Andrew

Richtig heftig wurde es für Leonardo DiCaprio, der dafür bekannt ist, sehr junge Frauen zu daten. Bei der Premiere von Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ sei seine mitgebrachte Begleitung am Ende des Film bereits zu alt für ihn gewesen, sagte Gervais – „da hat sogar Prinz Andrew nur noch ‘dein Ernst, Kumpel’ gesagt.“ Gegen Prinz Andrew stehen Missbrauchsvorwürfe im Raum.

Und dann ging es noch gegen Jennifer Aniston und Reese Witherspoon, die beim neuen Streamingdienst Apple+ in einer #metoo-thematisierende Serie („The Morning Show“) zu sehen sind. Gervais sagte, die Serie würde von einer Firma bezahlt werden, die auch menschenverachtende Fabriken in China betreibe, sogenannte „Sweatshops“ – „Ihr sagt alle, ihr seid so aufgeweckt und achtsam, aber wenn ISIS einen Streaming-Service starten und eure Agenten anrufen würde...“

Bester Film: Kriegsdrama 1917 räumt ab – Regie besonders beeindruckend

Anschließend ging es aber auch noch um Inhalte, nicht nur um die kleinen und großen Probleme der Branche. Das Kriegsdrama „1917“ von Regisseur Sam Mendes hat den Preis als bestes Filmdrama gewonnen. Für viele galt er als Favorit – auch wegen der besonderen Machart.

Der Brite Mendes drehte das Werk so, dass es aussieht, als sei es vollständig in einer einzigen Einstellung gefilmt – das gefiel der Jury, denn dafür nahm er auch den Preis für die beste Regie entgegen. In der Komödien-Sparte siegte dagegen „Once Upon a Time in Hollywood“.

Der Film, einer der großen Hits des vergangenen Kinojahres, wurde noch mit zwei weiteren Preisen geehrt: Tarantino gewann für das beste Drehbuch, Brad Pitt bekam die Trophäe als bester Nebendarsteller.

„Judy“: Renée Zellweger nimmt für Rolle als Judy Garland den Preis mit

Die amerikanische Schauspielerin Renée Zellweger (50) holte den Golden Globe als beste Schauspielerin in dem Filmdrama „Judy“ über die Schauspiel-Ikone und Sängerin Judy Garland. In der Männerriege gewann der amerikanische Schauspieler Joaquin Phoenix (45) für seine Rolle in dem düsteren Thriller „Joker“ den Globe als bester Drama-Darsteller.

Beste Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical wurde die US-Komikerin und Musikerin Awkwafina für ihre Rolle in der Tragikomödie „The Farewell“. Gleich zwei Auszeichnungen gab es auch für „Rocketmanüber das Leben des Sängers Elton John: Der Brite Taron Egerton gewann den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in der Sparte Komödie/Musical – und Elton John selbst wurde für den besten Filmsong geehrt.

Golden Globe: Keine deutschen Kandidaten – Südkorea holt Award

Deutsche Kandidaten gab es diesmal nicht. Der Film „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt hatte es nicht unter die Nominierten in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“ geschafft. Hier siegte der Südkoreaner Bong Joon Ho (50) mit seinem gefeierten sozialkritischen Thriller-Drama „Parasite“.

Zwei Ehrenpreisträger standen vorab schon fest. Die US-Moderatorin Ellen DeGeneres erhielt den Carol-Burnett-Preis als Ehrung für besondere TV-Persönlichkeiten. Tom Hanks wurde mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk gewürdigt.

Über die Auszeichnungen des Verbands der Auslandspresse (HFPA) in 25 Film- und Fernsehkategorien entscheiden rund 90 internationale Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Bei den Oscars stimmen fast 9000 Filmschaffende ab. Die Academy Awards werden am 9. Februar vergeben.

Und hier sind alle Preisträger in der Übersicht:

Bestes Filmdrama: „1917“

Beste Komödie/Musical: „Once Upon a Time in Hollywood“

Bester Schauspieler Filmdrama: Joaquin Phoenix („Joker“)

Beste Schauspielerin Filmdrama: Renée Zellweger („Judy“)

Bester Schauspieler Komödie/Musical: Taron Egerton („Rocketman“)

Beste Schauspielerin Komödie/Musical: Awkwafina („The Farewell“)

Bester Nebendarsteller: Brad Pitt („Once Upon A Time in Hollywood“)

Beste Nebendarstellerin: Laura Dern („Marriage Story“)

Beste Regie: Sam Mendes („1917“)

Bester Filmsong: „I’m Gonna Love Me Again“ aus „Rocketman“ (Elton John, Bernie Taupin)

Bester nicht-englischsprachiger Film: „Parasite“ (Südkorea)

(ses/dpa)

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