Prozess

Versuchter Totschlag: Fußballer sticht Mitspieler nieder

Das Landgericht in Dortmund verhandelt den Fall eines Fußballers, der seinem Mitspieler ein Messer in den Körper stieß.

Das Landgericht in Dortmund verhandelt den Fall eines Fußballers, der seinem Mitspieler ein Messer in den Körper stieß.

Foto: Klaus Hartmann / WR

Dortmund  Versuchten Totschlag wirft die Anklage einem 19-Jährigen vor. Bei einem privaten Fußballspiel soll er einen Spieler niedergestochen haben.

Sie kamen als Freunde, wollten Fußball spielen. Doch plötzlich eskalierte ein Streit in der privaten Fußballhalle. Jetzt muss sich ein 19-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Dortmund verantworten. Er schweigt zu dem Vorwurf.

Justizwachtmeister führen ihn am Dienstag in den Saal. An den Händen ist der junge Syrer gefesselt, aber das ist üblich bei der Dortmunder Justiz und unterstreicht keineswegs die Gefährlichkeit eines Angeklagten. Brutal sieht er nicht aus, eher wie ein netter, gepflegter junger Mann.

"Mit großer Wucht" zugestochen

Die Anklage von Staatsanwältin Sandra Lücke zeichnet dagegen das Bild eines unbeherrschten Mannes, dem das Leben eines anderen Menschen nicht viel wert ist. Die sieben Zentimeter lange Klinge seines Klappmessers soll er einem anderen Spieler "mit großer Wucht" neun Zentimeter tief in die Brust gerammt haben. 26 Jahre alt ist das Opfer, ebenfalls ein Syrer.

Privat hatten sie mit mehreren Freunden in dem Soccer City Center ein Fußballspiel organisiert. Die Halle liegt in der Nähe des für Dortmunder Fußballfans ehrwürdigen Borsigplatzes. Im Internet präsentiert sich stolz der ehemalige BVB-Profi Michael Lusch als Inhaber. Auch Richter sollen dort jährlich ein Fußballturnier zu Weihnachten organisieren.

Anklage nennt kein Motiv

Zum Großteil sind es junge Migranten, die sich mit dem Angeklagten am 13. Januar 2019 in der Halle treffen. Es ist ein Sonntag. Gebucht haben sie den Kunstrasenplatz 3, rund 50 Euro kostet so ein Platz. Die Anklage, die Staatsanwältin Lücke vorliest, lässt sich über das Motiv des Stiche nicht weiter aus.

Ein Streit unter den Mitspielern, so teilt das Landgericht mit, soll der Anlass gewesen sein, dass der damals 18-Jährige plötzlich um 15.45 Uhr sein Klappmesser zückt und auf den 26-Jährigen einsticht. Die Klinge trifft das Opfer zwischen Schulter und Brustkorb, verletzt einen Lungenflügel. Pneumothorax. In der Dortmunder Unfallklinik retten Ärzte dem Opfer in einer Notoperation das Leben.

Tod des Opfers "billigend in Kauf genommen"

Als Heranwachsender muss sich der 19-Jährige vor der 31. Jugendstrafkammer verantworten. Der Angeklagte, so Staatsanwältin Lücke, habe durch den wuchtigen Stich den Tod seines Opfers "billigend in Kauf genommen".

Doch die Antwort auf diesen Vorwurf bleibt der Angeklagte schuldig. Als Richter Ulf Pennig ihn fragt, ob er sich zur Anklage äußern wolle, antwortet sein Verteidiger Axel von Irmer: "Mein Mandant wird zum jetzigen Zeitpunkt schweigen."

So wird es an den weiteren Prozesstagen auf die Aussagen der Mitspieler und anderer Zeugen ankommen. Vielleicht hat auch einer von ihnen eine Antwort auf die Frage, warum ein Fußballer ein Messer mit auf den Platz bringt und nicht im Umkleidebereich lässt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben