Prozess

"Räuber" wollte nur das Geld für schlechte Zigaretten zurück

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Vor dem Landgericht geht es um versuchten Raub. Doch der Angeklagte sagt, er habe nur das Geld für schlechte Zigaretten zurück haben wollen.

Der Angeklagte lacht oft. Dabei ist der 22 Jahre alte Gelsenkirchener am Montag vor der XXI. Essener Strafkammer wegen versuchten Raubes angeklagt. Mit einem Schraubenzieher soll er am 18. Februar einen Kioskverkäufer im Gelsenkirchener Hauptbahnhof bedroht haben, um Geld zu bekommen. Doch manches Detail in diesem Verfahren erinnert eher an eine massiv vorgetragene Kundenbeschwerde.

Die Anklage kennt allerdings keinen Zweifel: Der 22-Jährige sei an die Verkaufstheke herangetreten und habe drohend den Schraubenzieher in der Hand gehalten. Zunächst habe er eine Packung Zigaretten gefordert, sei dann aber umgeschwenkt: "Geld her!" Der 34 Jahre alte Verkäufer habe sich aber nicht beirren lassen und die Polizei angerufen. Sie kam und nahm den 22-Jährigen fest.

Beschwerde über verunreinigte Zigaretten

Fremde Stimmen habe er vorher gehört, sagt der Angeklagte. Und er führt das auf angeblich verunreinigte Zigaretten aus dem Kiosk zurück. Deshalb habe er sich beschweren wollen und nach neuen Zigaretten verlangt.

Was zunächst wie eine Schutzbehauptung klingt, findet allerdings auch in der Aussage des mutmaßlichen Opfers Erwähnung. Denn auch nach dessen Worten trat der Angeklagte nicht wie der klassische Räuber auf: "Er kam auf mich zu und beschimpfte mich." Der Angeklagte habe sich auch nicht beruhigen lassen, sondern weiter geschimpft: "Was verkauft ihr für einen Scheiß?" Es sei ihm wohl um Zigaretten gegangen, die ein Kollege gekauft habe. Die hätten ihn krank gemacht.

Mit Schraubenzieher auf die Kasse geklopft

Der Angeklagte habe dann nach dem Verkäufer der Packung gefragt. Der sei aber erst am nächsten Tag wieder da, habe er, der Zeuge, ihm geantwortet. Und dabei habe der Angeklagte immer wieder mit dem Schraubenzieher auf die Kasse geklopft. "Mach die Kasse auf, ich will mein Geld zurück", soll der Angeklagte gesagt haben, erinnert der Zeuge sich. Und gedroht haben: "Ich kille euch alle."

Dass er Angst hatte, betont der Kassierer mehrfach. Angst etwa, dass ihm der Schraubenzieher ins Auge gestochen werde. Er habe dann gesagt, er rufe seinen Chef an, erzählt der 34-Jährige weiter. Doch das war gelogen: "Ich habe in Wahrheit die Polizei angerufen. Da habe ich ihn verarscht."

Zwischendurch bedient das Opfer Kunden

Das Video aus der Überwachungskamera zeigt eine eher unaufgeregte Szene. Es gibt natürlich die Situation an der Theke, aber zwischendurch kommen auch andere Kunden, die der Verkäufer wie selbstverständlich bedient.

Der Prozess wird am 21. Oktober fortgesetzt. Dann wird es auch um das psychiatrische Gutachten gehen und die Schuldfähigkeit des Angeklagten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben