Justiz

Piloten mit Laserpointer geblendet: zehn Monate Gefängnis

Vor allem Maschinen im Landeanflug, wie hier ein Jet am Flughafen Weeze, sind in Gefahr, von Laserstrahlen getroffen zu werden.

Vor allem Maschinen im Landeanflug, wie hier ein Jet am Flughafen Weeze, sind in Gefahr, von Laserstrahlen getroffen zu werden.

Foto: Kurt Michelis

Essen.  Wer Piloten mit Laserattacken blendet, muss mittlerweile mit härteren Strafen rechnen. Das zeigt jetzt ein Urteil des Essener Amtsgerichtes.

Wer in der nächtlichen Anonymität seiner Wohnung einen lichtintensiven Laserstrahl auf Flugzeuge richtet, der muss mit seiner schnellen Enttarnung rechnen. Das erfuhr auch ein 24-Jähriger aus dem bürgerlichen Essener Stadtteil Kupferdreh, den das Amtsgericht Essen zu zehn Monaten Haft verurteilt hat. Weil er "in gefestigten Verhältnissen" lebt, bekam er Bewährung.

Das im Juni 2018 verkündete Urteil ist der NRW-Justiz so wichtig, dass sie es in dieser Woche unter www.nrwe.de öffentlich zugänglich gemacht hat (Az: 59 Ls 35/18). Es ist eine Warnung für jeden, der aus dem dunklen Kämmerlein heraus Situationen heraufbeschwört, die das Leben Hunderter Menschen gefährden können.

Betrunkener 24-Jähriger richtete Laser auf Urlauberjet

Der 24-Jährige stand am späten Abend des 3. August 2017 am Dachgeschossfenster eines Hauses im Essener Süden. Alkohol hatte er getrunken. Sein Strafregister verrät: Der Fahrzeuglackierer hält sich nicht immer an die Gesetze. Mehrfach bekam er kleine Geldstrafen wegen Drogenbesitzes, auch wegen Sachbeschädigung.

Aus dem Fenster heraus sah er die Urlaubsmaschinen, die in kurzem Abstand über dem Baldeneysee den Düsseldorfer Flughafen ansteuerten. Aus welchem Motiv heraus er den 20 Euro teuren Laserpointer auf die Pilotenkanzel richtete, lässt das Urteil offen. Oft ist es Frust oder der Reiz des Verbotenen, was zu solchen Taten führt. Vorgebracht wird aber auch, dass der Fluglärm zu laut gewesen sei.

Tätern droht konsequente Verfolgung

Das Phänomen ist mehr als zehn Jahre alt. Hunderte von Fällen gibt es jedes Jahr im deutschen Luftraum. Zuletzt meldete die Deutsche Flugsicherung allerdings sinkende Zahlen. Die Höhe der Strafen steigt jedoch an. Der § 315 Strafgesetzbuch, gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr, ermöglicht Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. „Den Tätern muss heute bewusst sein, dass sie konsequent verfolgt werden“, sagt Janis Georg Schmitt, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit.

2011 hat das Amtsgericht Hamburg zwei Angeklagte, die „aus Langeweile“ den Piloten eines aus Mallorca zurückkehrenden Urlauberjets geblendeten hatten, zu Arrest und Arbeitsstunden verurteilt. Reumütig hatten sie sich gezeigt.

Nach Linienmaschine Polizeihubschrauber getroffen

Auch das Landgericht Düsseldorf hatte 2012 Milde walten lassen. Ein 33-Jähriger bekam eine Geldstrafe von 1800 Euro (60 Tagessätze), der mitangeklagte 22-Jährige eine Verwarnung und 2000 Geldbuße. Sie hatten zunächst eine Linienmaschine angestrahlt, danach einen Polizeihubschrauber. Ihre Erklärung vor Gericht war nur mäßig originell: „Wir wussten nicht, dass es ein Hubschrauber der Polizei war. Er hatte kein Blaulicht.“

Seit einiger Zeit ziehen die Strafen an. Das in der Nähe von Potsdam gelegene Amtsgericht Zossen hat im Mai 2017 einen arbeitslosen Schlosser zu acht Monaten Haft verurteilt. Er hatte zunächst eine Linienmaschine und danach einen Polizeihubschrauber geblendet. Bewährung gab es nicht. Aus Gründen der „Generalprävention“, der Abschreckung also, sollte der Angeklagte die Strafe auch verbüßen, sagte das Gericht.

Pilot für Sekunden orientierungslos

In diesem Urteil (Az: 10 Cs 171/17 AG Zossen) werden die Gefahren für die Piloten deutlich. Entweder wird durch Streulicht die gesamte Pilotenkanzel erleuchtet, oder die Nachtsichtbrille des Piloten schaltet auf blind. Eine Windböe hätte für einen tödlichen Absturz sorgen können, heißt es im Urteil, wenn der Pilot für Sekunden orientierungslos ist.

Der jetzt veröffentlichte Essener Fall zeigt, wie schnell die feigen Täter aus ihrer Anonymität gerissen werden können. Der Pilot der Linienmaschine hatte die Attacke sofort gemeldet, schnell stieg "Hummel 3", der Polizeihubschrauber, auf. Auch auf dessen Piloten richtete der 24-Jährige den Laserpointer. Doch der Beamte identifizierte den Ort der Attacke und informierte seine Kollegen am Boden. Kurz danach standen sie im Haus des Kupferdrehers.

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