Prozess

Gutachter: Bottroper Apotheker hat Psycho-Test manipuliert

Prozess gegen den Bottroper Apotheker Peter Stadtmann (47) am Landgericht in Essen.

Foto: Lars Heidrich

Prozess gegen den Bottroper Apotheker Peter Stadtmann (47) am Landgericht in Essen. Foto: Lars Heidrich

Essen/Bottrop.  Neues Gutachten im Prozess um gefälschte Krebsmedikamente: Der angeklagte Bottroper Apotheker soll beim Psychotest geschummelt haben.

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Im Prozess um gepanschte Krebsmedikamente hat die Verteidigung des angeklagten Bottroper Apothekers Peter Stadtmann vor dem Landgericht Essen mal wieder keinen Erfolg gehabt. Die von ihnen angeregte Begutachtung durch den Psychologen Boris Schiffer brachte nicht das von ihr erwünschte Ergebnis. Denn Schiffer hält den Apotheker für voll schuldfähig. Außerdem sieht er deutliche Hinweise, dass sich Stadtmann in psychologischen Test bewusst schlechter dargestellt habe, als es seinen tatsächlichen Fähigkeiten entspricht.

Seit Dezember verhandelt die XXI. Strafkammer mittlerweile schon gegen den 47-Jährigen, dem früher die angesehene Alte Apotheke in der Bottroper Innenstadt gehörte. Er galt auch als Wohltäter der Stadt, der viel Geld in soziale Projekte steckte.

Verteidiger wollten Vortrag des Psychologen hinaus zögern

Aufgedeckt durch zwei seiner Mitarbeiter entstand aber 2016 der Verdacht, dass er in rund 60.000 Fällen Krebsmedikamente nach individuellem Rezept hergestellt hatte, ohne sich an die hygienischen Vorschriften zu halten. In einigen Fällen soll er aus Geldgier die Chemotherapien ohne die teuren Wirkstoffe gefertigt haben. Seit 19 Monaten sitzt er deshalb schon in Untersuchungshaft, schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Anfang Frühjahr hatte seine Verteidigung behauptet, Stadtmann leide nach einer schweren Kopfverletzung seit Jahren an einer psychischen Störung. So wisse er gerade unter Stress nicht mehr, was er kurz zuvor getan habe. Die Verteidiger beriefen sich dabei auf Untersuchungen des Bochumer Psychiaters Pedro Faustmann. Zusätzlich empfahlen sie dem Gericht, den Psychologen Boris Schiffer als eigenen Sachverständigen zu beauftragen.

Dessen vorläufiges schriftliches Gutachten liegt jetzt vor. Doch das Ergebnis wird den Verteidigern nicht gefallen. Vergeblich haben sie deshalb versucht, den mündlichen Vortrag des Psychologen, immerhin Professor für forensische Psychiatrie, zu verzögern. Doch ihre Anträge auf eine dreiwöchige Unterbrechung der Hauptverhandlung, um sich besser auf das Gutachten vorzubereiten, wies das Gericht zurück.

Gutachter sieht Manipulationsversuch bei Psycho-Test

Jetzt spricht Schiffer also. Gleich zu Beginn weist er am Mittwoch vor der Kammer auf Manipulationsversuche Stadtmanns bei den psychologischen Tests hin. Wenn es um Gedächtnisleistungen gehe, mache dieser sich deutlich schlechter als es zu erwarten sei. Das erinnere schon an Demenzkranke.

Die Ergebnisse in den Tests seien „nicht Ausdruck der wahren Leistungsfähigkeit“ des Angeklagten. Schiffer spricht auch von Simulationstendenzen, von „verzerrten Antworten“. Der Gutachter fasst zusammen: „Er zeichnet von sich selbst das Bild eines schwer gestörten Menschen.“

Zeugen aus seinem Umfeld hätten dagegen übereinstimmend erzählt, dass sich nach der Kopfverletzung keine wesentliche Änderung im privaten oder beruflichen Verhalten Stadtmanns gezeigt habe. Beobachter hatten diese Einschätzung des Gutachters erwartet. Immerhin hatte Stadtmann ja in den letzten Jahren erfolgreich seine Apotheke geleitet und sie zu einer der umsatzstärksten in Deutschland ausgebaut.

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