Prozess

Gericht überzeugt: Schulbusfahrer missbraucht Behinderte

Der Fall wurde vor der XXVII. Essener Strafkammer verhandelt.

Der Fall wurde vor der XXVII. Essener Strafkammer verhandelt.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ein Essener Schulbusfahrer ist am Donnerstag (2.5.) verurteilt worden. Er soll ein behindertes Mädchen (11) mehrfach sexuell missbraucht haben.

Der 74-Jährige, der behinderte Kinder zur Schule fährt, beteuerte zwar seine Unschuld. Die XXVII. Essener Strafkammer ist am Donnerstag (2.5.) dennoch sicher, dass er eine ihm anvertraute Elfjährige mehrfach sexuell missbraucht hat. Sie verurteilte ihn zu eineinhalb Jahre Haft mit Bewährung. Außerdem muss er 500 Euro Geldbuße zahlen und sich künftig von Kindern und Jugendlichen fernhalten.

„Ich war es nicht“, hatte der Angeklagte in seinem letzten Wort gesagt. Das Gegenteil hatte ihm in erster Instanz das Amtsgericht Essen nicht beweisen können. Es sprach ihn aus Mangel an Beweisen frei, dagegen hatte die Staatsanwaltschaft allerdings Berufung eingelegt. So musste die XXVII. Jugendschutzkammer unter Vorsitz von Richter Andreas Labentz den Fall komplett neu verhandeln.

Dreimal an den Busen der Elfjährigen gefasst

Laut Anklage hatte der Busfahrer seine Route im Essener Osten so gelegt, dass er zum Schluss mit der geistig behinderten Elfjährigen alleine war. Bei drei Gelegenheiten soll er ihr an den Busen gefasst haben, ein anderes Mal sein Geschlechtsteil aus der Hose geholt haben. Seiner Aufforderung es anzufassen, soll sie aber nicht nachgekommen sein.

2016 waren diese Fälle. Das Mädchen hatte sich seiner Mutter anvertraut, Anzeige wurde erstattet. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten hatte ergeben, dass den Angaben des Mädchens zu trauen sei. Diese Sachverständige erkrankte aber vor der ersten Verhandlung am Amtsgericht. Zeit verging. Es musste ein neues Gutachten erarbeitet werden. Aber auch diese Sachverständige fand nichts, was gegen die Aussage des Mädchens sprach.

Eltern machten dem Busfahrer früher sogar Geschenke

Die Mutter der Elfjährigen hatte erzählt, wie vertraut der Angeklagte als Schulbusfahrer ihnen gewesen sei. Zu Weihnachten hätten sie ihm sogar ein Geschenk gemacht. Nach der Anzeige seien ihr Mann und sie verärgert gewesen, dass der 74-Jährige immer noch für das Unternehmen gefahren sei. Doch der Chef habe ihre Beschwerden immer abgewiesen. Solang das Gericht nichts entschieden habe, dürfe der Mann fahren.

Staatsanwältin Miriam Gesing hatte jetzt die Verurteilung beantragt, Verteidiger Andreas Wieser forderte dagegen, den Freispruch der ersten Instanz zu bestätigen. Doch in zweiter Instanz entschied das Berufungsgericht gegen den Busfahrer. Richter Labentz erklärte, die Kammer habe keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Das Mädchen sei auch nicht intelligent genug, um die Angaben erfunden zu haben. Rechtskräftig ist die Entscheidung nicht. Verteidiger Wieser will Revision einlegen.

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