Prozess

Flüchtlinge illegal geschleust: Harte Strafe droht

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Mit rund vier Jahren Haft müssen zwei aus dem Irak stammende Essener rechnen. Sie hatten illegal Landsleute nach Deutschland geschleust.

Sie sind als Fahrer eher kleine Nummern im großen Schleusergeschäft um illegale Einreisen ins Bundesgebiet. Dennoch müssen Karim H. (50) und Serwan K. (30), beide Iraker aus Essen, mit hohen Strafen rechnen. Fünfmal fuhren sie nach Ungarn und Österreich, um dort andere Iraker aufzunehmen und nach Deutschland zu schmuggeln.

Das Verfahren vor der VII. Strafkammer am Landgericht Essen, das am Donnerstag (2.5.) begann, ist wieder einmal ein Zeichen für die Zusammenarbeit der europäischen Strafverfolger. Die deutsche Polizei hatte ihren Kollegen in der Slowakei den Tipp gegeben, dass die beiden Essener auf Schmuggeltour seien. Die slowakische Polizei reagierte sofort und nahm das Duo am 12. November fest. Die beiden fuhren mit zwei Autos, hatten acht Menschen an Bord.

Pro Flüchtling 750 Euro kassiert

Pro einzuschleusender Person bekamen sie 750 Euro, fanden die Ermittler heraus. Insgesamt sollen sie mit den in Essen angeklagten fünf Fahrten in nur zwei Monaten rund 12.000 Euro kassiert haben.

Einige Wochen lang hatte die Polizei Telefonate der beiden mitgehört. Was sie mitbekam, erinnert an ein knallhartes Geschäft. Wer nicht zahlen konnte, wurde auch nicht in Budapest oder Wien abgeholt. Rabatt für Kinder in Not, die ihre Eltern verloren hatten, gab es nicht. Für die gesamte Schleusung hatten die Flüchtlinge im Irak bis zu 5000 Euro bezahlt.

Handydaten und Verkehrsknöllchen als Beweis

Die Beweise im Essener Verfahren lieferten Karim H. und Serwan K. den Ermittlern frei Haus. Da gab es die in Essen angemieteten Autos, deren gefahrene Kilometer so gut zu Fahrten nach Budapest oder Wien passten. Und die Handy-Standortdaten. Offenbar fuhren die beiden auch öfter mal zu schnell oder ignorierten andere Verkehrsregeln in Deutschland, Österreich oder Ungarn, so dass es entsprechend dokumentierte „Knöllchen“ gab.

In der Slowakei haben die beiden bereits drei Jahre Haft wegen der Schleuserfahrt verbüßt, bei der sie festgenommen wurden. Für das Essener Verfahren sagte die Kammer nach Rücksprache mit den Prozessbeteiligten eine Strafe von etwa vier Jahren Haft zu. Allerdings soll nach einem Urteil der Haftbefehl aufgehoben werden, so dass beide in den offenen Vollzug kommen können. Der Prozess wird am 15. Mai fortgesetzt.

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