Prozess

Anklage: Eltern wollten die neue Freundin des Sohnes töten

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Die türkischstämmige Freundin des Sohnes soll den Eltern nicht gepasst haben: Deshalb sollen sie ihren Tod beschlossen haben. Sagt die Anklage.

Sie sollen mit der neuen Freundin ihres 20 Jahre alten Sohnes nicht einverstanden gewesen sein und deshalb die Tötung der jungen Frau beschlossen haben. Jetzt sitzen die Eltern des 20-Jährigen vor dem Schwurgericht auf der Anklagebank. Versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft dem 51 Jahre alten Djezmi A. vor, seiner Ehefrau Lefterie A., 46 Jahre alt, die Anstiftung zum versuchten Totschlag.

Verletzt, wenn auch nur geringfügig, wurde am Ende nicht die 20-Jährige, sondern der eigene Sohn. Auf der Onckentraße in Frohnhausen soll der Vater am 4. November 2018 auf offener Straße gegen 22 Uhr mit einem Küchenmesser auf den Sohn eingestochen, ihn aber nur oberflächlich verletzt haben. Zwei Cousins des jungen Mannes sollen eingegriffen und den Vater von weiteren Stichen abgehalten haben. Als sie ihn schließlich los ließen, soll er auch sie mit dem Tode bedroht haben.

Nationalstolz gegen Türken könnte Motiv sein

Es ist kein religiöses Problem, sondern ein nationales. Die 20-Jährige ist eine Deutsche mit türkischen Wurzeln, der Sohn der Angeklagten dagegen Albaner. Und der aus Mazedonien stammende Vater soll sich ebenfalls als Albaner fühlen und aus seinem Nationalstolz heraus die Türken ablehnen.

Zur Sache schweigen beide Angeklagte am Dienstag. Zu seinem Lebenslauf äußert sich Djezmi A. allerdings. Er distanziert sich aber von veralteten Bräuchen seiner Heimat. Aufgewachsen in einem Dorf in Mazedonien sei er von seinem Vater bereits mit 14 Jahren gegen seinen Willen mit einer sieben Jahre älteren Frau verlobt worden. Er habe das immer abgelehnt und sei über die Schweiz etwa 1990 in Deutschland gelandet. Dort sei er dann viele Jahre mit einer Deutschen zusammen gewesen. 1997 habe er schließlich seine jetzige Frau, die Mitangeklagte, kennengelernt. Sie ist Albanerin.

Eltern sollen die neue Freundin abgelehnt haben

Anfang 2018 hatte der Sohn die neue Freundin zu Hause vorgestellt. Zunächst sei das Verhältnis mit seinen Eltern gut gewesen, doch dann habe es sich radikal geändert. Die Eltern hätten wohl gemerkt, dass es ihnen ernst war, sagte der Sohn einmal. Sie hätten den Sohn auch vor die Alternative gestellt: „Entweder verlässt Du Deine Eltern oder sie.“

Er sei bei seiner Freundin geblieben. Danach sei es zu mehreren Aktionen gegen das junge Paar gekommen. Sie alle werden in der Anklage aufgelistet. Der Vater habe der 20-Jährigen gedroht, sie umzubringen, wenn sie den Sohn nicht verlasse.

Sohn mit Schlüsselbund ins Gesicht geschlagen

Und als der Sohn sich widersetzte, habe der Vater ihm mit einem Schlüsselbund ins Gesicht geschlagen. Ein anderes Mal sei der Vater mit dem Auto auf den Wagen der 20-Jährigen zugefahren. Sie saß drinnen. Und schließlich die Messer-Attacke in der Nähe des S-Bahnhofes Frohnhausen.

Sechs Sitzungstage hat das Schwurgericht angesetzt, um den Fall aufzuklären. Djezmi A., der jetzt nichts sagt, hat früher seinen Sohn beschuldigt, ihn angegriffen zu haben. Und für die mitangeklagte Ehefrau spricht gegenüber der WAZ Verteidigerin Isabelle Gronemeyer: „Meine Mandantin ist unschuldig.“

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