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Filmproduzentin Regina Ziegler – Mit den Waffen einer Frau

Regina Ziegler während der Berlinale 2017 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress / picture alliance / Geisler-Fotop

Regina Ziegler während der Berlinale 2017 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa Picture-Alliance / Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress / picture alliance / Geisler-Fotop

Berlin   Lange war Regina Ziegler die einzige deutsche Filmproduzentin. Nun hat sie ihre Memoiren verfasst. Und gibt ganz ehrliche Einblicke.

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Der Tag, der ihr Leben veränderte, war der 9. April 1973, als der Filmemacher Wolf Gremm in ihr Büro betrat. Regina Ziegler war da schon verheiratet, hatte ihre Tochter Tanja und einen festen Job beim Sender Freies Berlin (SFB). Und Gremm, das war ein Mann mit üblem Ruf, wegen seiner Frauen- und Drogengeschichten.

Aber sie arbeiteten nicht nur bestens zusammen beim SFB, und sie verliebten sich. Ihre Bedenken, dass das mit ihnen wegen ihrer Ehe nicht ginge, wischte er weg: „Geht nicht gibt’s nicht.“ So zog sie aus – und zog ihre Tochter erst mal allein groß. Sie schmiss aber auch ihren Job, weil Wolf Gremm sie überzeugte, selbst zu produzieren. Es wurde der Startschuss eines einzigartigen Lebensweges: Regina Ziegler boxte sich allein unter Männern im Filmgeschäft durch, blickt heute, nach 44 Jahren als Produzentin, auf Erfolge wie „Solo für Klarinette“, „Weissensee“ und „Mordkommission Istanbul“ zurück.

Regina Ziegler wollte keine Memoiren schreiben

All das ist jetzt nachzulesen in Regina Zieglers Autobiografie, die das ihr von Gremm auferlegte Motto im Titel führt („Geht nicht gibt’s nicht“, C. Bertelsmann Verlag, 22 Euro). Dabei hat sich die 73-Jährige lange gegen den Gedanken gesperrt, ihre Memoiren zu schreiben. Und eigentlich sind diese auch gar nicht für den Leser bestimmt, wie sie gleich zu Beginn zugibt.

Sie habe das alles für ihre Familie aufgeschrieben, vor allem für ihre Enkelin Emma (der sogar ein Daumenkino am Ende jeder Doppelseite gewidmet ist). Aber je mehr sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hat, desto klarer wurde ihr, dass ihre Geschichte auch andere interessieren könnte.

Sie musste sich im Haifischbecken „Film“ erst durchsetzen

Sie sei in einer Zeit groß geworden, „in der Frauen allenfalls als Schmuckblatt für erfolgreiche Männer galten“, aber, bitte schön, keine eigenständigen Geschäftsleute sein konnten. Entsprechend musste sie sich im Haifischgewässer Film erst mal durchsetzen. Als Frau wurde sie lange nicht ernst genommen, und nicht wenige der männlichen Konkurrenten hätten sie gern scheitern sehen. Das aber hat sie nur herausgefordert. „Dafür brauchte ich ein Ego, das sehr viel größer war als das meiner Kollegen mit dem Y-Chromosom.“

Sie hat dabei aber auch, wie sie offen zugibt, mit den Waffen einer Frau gekämpft. Sie sei ja eine reizvolle Person gewesen und habe das auch unverhohlen eingesetzt, wie sie schreibt. Zu jedem Termin sei sie mit High Heels hereingestöckelt. Und trug auch gern, wenn es der Sache diente, einen tiefen Ausschnitt.

Stolz zählt sie ihre Erfolge auf

Mit solcher Offenheit schreibt sich die „Lady in Red“ durch ihre Produzentinnenvita. Wie sie eigentlich in Berlin hätte geboren werden sollen, aber ihre Mutter während des Krieges wegen der Bombennächte nach Quedlinburg am Harz geflüchtet sei. Wie sie als Studentin dann doch nach Berlin kam, im Kaufhaus Kadewe jobbte, die „Morgenpost“ austrug oder sich als Vertreterin für Hormonpillen durchschlug. Wie sie zum SFB kam und dann zur Liebe ihres Lebens, Gremm, den sie 1977 heiratete.

Stolz zählt sie ihre Erfolge auf, gibt aber unumwunden zu, dass sie sich mit dem Kinofilm „Henri 4“ 2010 völlig verspekuliert hatte. Ein Lebenstraum sei die Heinrich-Mann-Verfilmung gewesen, und dann sei es ein Super-GAU geworden, mit dem sie ihre ganze Firma in Schieflage gebracht habe. Aber nie ist sie unter die schützenden Fittiche eines größeren Investors gekrochen: weil sie immer frei bleiben wollte in ihren Entscheidungen.

Ihr sterbender Mann verbot ihr aufzugeben

Von alldem handelt dieses Buch. Aber vor allem handelt es von einer großen Liebe. Der zu Wolf Gremm, der vor zwei Jahren an Krebs gestorben ist. Seinetwegen hätte sie ihre Firma fast aufgegeben – wenn er es ihr nicht untersagt hätte. Und nach seinem Tod hat sie sich umso mehr in die Arbeit gestürzt. Um zu vergessen. Aber auch, um ihr gemeinsames Lebenswerk weiterzuverfolgen. Und so sind denn auch die Memoiren zustande gekommen. Nicht nur als Erinnerung für die Familie. Sondern auch als Rückbesinnung. Und Trauerverarbeitung.

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