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Elyas M’Barek: „Ich muss nicht immer im Mittelpunkt stehen“

Schauspieler Elyas M'Barek bei der Premiere seines neuen Kinofilms „Der Fall Collini“.

Schauspieler Elyas M'Barek bei der Premiere seines neuen Kinofilms „Der Fall Collini“.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin  Elyas M’Barek spielt in „Der Fall Collini“ seine erste Rolle im ernsten Fach. Ein Gespräch über Konkurrenz, Türsteher und Privatheit.

Den Namen Elyas M’Barek verbindet man mit kreischenden Fans – und Komödien. Mit der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ wurde der Schauspieler zum Star. Und mit den „Fack ju Göhte“-Filmen sogar zu einem der wenigen echten Zugpferde des deutschen Films, das verlässlich Millionen ins Kino zieht.

Nun macht der 36-Jährige ernst: Die Ferdinand-von-Schirach-Verfilmung „Der Fall Collini“ (aktuell im Kino) ist seine erste Hauptrolle im dramatischen Fach. Der Österreicher spielt einen Rechtsanwalt, der nach dem Mord an einem Industriellen einen Justizskandal aufklärt.

Herr M’Barek, wie ist das, aus dem Hotel zu blicken und auf der Straße gegenüber das eigene Konterfei so überlebensgroß zu sehen?

Elyas M’Barek: Das habe ich gestern auch gedacht, als ich vor dem Einschlafen die Vorhänge zugezogen habe. Das ist manchmal sehr surreal, das kann man nicht richtig begreifen. Aber ich versuche, mich davon nicht beeindrucken zu lassen. Ich habe gestern in mich hineingehorcht, ob ich da irgendeinen Druck verspüre.

Aber nö, überhaupt nicht. Am Ende des Tages ist das alles nicht wichtig. Ob da unten ein Plakat von mir hängt, macht mein Leben nicht bedeutender. Aber es ist schön, das erleben zu dürfen.

Stehen Sie eigentlich, nach den spektakulären Kassenerfolgen der unter einem immensen Erwartungsdruck? Erwartet man von einem Elyas-M’Barek-Film, dass da Millionen Zuschauer reingehen?

M’Barek: Nein, ich spüre da keinen Druck. Komödien haben es naturgemäß leichter, ein großes Publikum zu erreichen. Aber ich bin mir sicher, dass auch „Der Fall Collini“ sein Publikum finden wird. Natürlich freue ich mich, wenn ein Film an der Kasse funktioniert. Aber für mich ist es vor allem wichtig, dass ein Film auf der Leinwand funktioniert. Es gab schon Schirach-Verfilmungen mit Josef Bierbichler und Moritz Bleibtreu.

Ist das harte Konkurrenz? Oder sagen Sie: Das ist meine Liga?

M’Barek: Klar gehöre ich in die Liga! Die Kollegen können zwar auf eine längere Karriere zurückblicken als ich, aber ich hoffe doch, dass ich eine ähnlich lange Karriere haben werde. Und nö, ich mag mich da nirgends hintenanstellen. Ich hab da auch keine Angst vor einem Vergleich. Ich glaube, jeder Schauspieler ist einzigartig, jeder spielt auch auf ganz andere Weise. Ich seh’ da keine Konkurrenz. Das kann man auch nicht messen wie bei Sportlern.

Stimmt es, dass Sie neulich in eine Berliner Bar nicht hineingekommen sind, weil man dort keine Araber und keine Türken wollte?

M’Barek: Ja, das war hier in Berlin-Mitte. Dabei war die Türsteherin sogar eine Farbige. Wenn die gewusst hätte, wer ich bin, wäre das vielleicht anders verlaufen. Aber da wurde ich noch mal daran erinnert, wie man manchmal mit Migrationshintergrund behandelt wird, wenn man keinen großen Namen hat.

Sie sind mit „Fack ju Göhte“ zum Star aufgestiegen. Auch wenn Sie mancher Türsteher immer noch nicht kennen sollte: Wie gehen Sie damit um? Werden Sie überall angesprochen, müssen Sie in der Öffentlichkeit dauernd Handyfotos mit sich machen lassen?

M’Barek: Das wandelt sich gerade ein bisschen. Eine Zeit lang hatte ich kaum Privatsphäre. Aber jetzt gehen die Leute mit einer anderen Distanz auf mich zu. Das liegt vielleicht auch am Alter. Ich glaube, es wird auch einfach normaler. Damals war ich plötzlich da, das fanden manche Fans dann ganz irre, wenn sie mir leibhaftig begegnet sind. Inzwischen haben sich die Leute aber wohl an meinen Anblick gewöhnt. Und gehen auch mit meiner Präsenz gelassener um.

Ist das auch angenehm, dass dieser Riesenrummel nachgelassen hat?

M’Barek: Ja, absolut. Das war total schön. Und ich bin auch ganz dankbar dafür, was ich da alles erleben durfte. Das hat ja auch meinen ganzen weiteren Weg geebnet. Aber irgendwann ist auch mal gut. Das war zu den Hochzeiten schon sehr anstrengend. Auch belastend. Ich muss nicht immer im Mittelpunkt stehen. Ich bin auch ganz froh, wenn ich meine Ruhe habe. Ich brauche keinen Rummel.

(Peter Zander)

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