Corona-Pandemie

Drosten äußert sich deutlich zu Corona-"Endzeit-Szenarien"

Lesedauer: 5 Minuten
Inder verschenkt Sauerstoffflaschen an Corona-Kranke

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Der 32-jährige Shanawaz Shaikh ist so etwas wie der "Sauerstoff-Mann" in Mumbai. Er hat extra seinen Geländewagen verkauft, um Sauerstoffflaschen für Corona-Infizierte kaufen zu können.

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Berlin  Corona-Impfungen müssen laut Christian Drosten bereits nach Monaten aufgefrischt werden. Das hat jedoch nichts mit Mutationen zu tun.

  • Vergangene Woche hat sich Christian Drosten in seinem neuen NDR-Corona-Podcast zum Schutz der Impfstoffe gegen Mutation geäußert
  • Dabei sprach der Virologe auch über die aktuelle Situation in Indien. In dem Land steigen die Corona-Fallzahlen rasant an
  • Drosten widersprach der verbreiteten Einschätzung, dass der Zahlen-Anstieg allein auf indische Mutante zurückzuführen sei

Christian Drosten rechnet fest mit der Notwendigkeit von Auffrischungen der Corona-Impfungen nach dem Sommer. "Ab dem Herbst oder Winter wird man zumindest den Risikogruppen eine einmalige Auffrischungsimpfung spritzen", sagte Drosten in der neuesten Folge seines Podcasts "Coronavirus-Update". Wahrscheinlich werde es sich um Vakzine handeln, die ein "Update" gegen die verschiedenen Corona-Mutanten liefern würden, erklärte der Virologe.

Die Notwendigkeit dieser Auffrischungen sieht Drosten jedoch vielmehr in der Erneuerung des sogenannten Schleimhaut-Schutzes. In der Schleimhaut im Mund-Rachen-Raum befinden sich laut Drosten die sogenannten igA-Antikörpern. Diese Antikörper würden vor der Ansteckung mit dem Coronavirus schützen.

Eine Studie aus Wuhan habe gezeigt, dass bei Genesenen mit der Zeit immer weniger der igA-Antikörper in der Schleimhaut nachzuweisen waren. Diese Personen könnten sich demnach laut Drosten ein zweites Mal mit Corona infizieren. Dank der anderen Antikörper im Körper wäre der Krankheitsverlauf dann allerdings nicht mehr schwer. Dennoch könnten diese Personen das Virus dann wieder übertragen.

Drosten: Schleimhaut-Schutz gegen Corona hält nicht ewig

Auch nach einer Impfung sei es so, dass diese igA-Antikörper mit der Zeit abnehmen. sagte Drosten. Nur sei dieser Zeitraum eben noch unbekannt. Es wäre eine sehr große Überraschung, "wenn nach einer doppelten Impfung der Schleimhautschutz ein Leben lang bleiben würde", so Drosten. Wahrscheinlich sei eher ein Rahmen von Monaten. "Wer sich im Frühjahr vollständig impfen lässt, könnte im Winter schon deutlich verringerte igA-Antikörper-Level haben." Deutschland solle sich daher darauf einstellen, im Winter mehr als nur "umgrenzte Risikogruppen" nachzuimpfen.

Bundeswehr fliegt Beatmungsgeräte nach Indien
Bundeswehr fliegt Beatmungsgeräte nach Indien

Aus Sicht von Drosten ist das jedoch kein Grund zur Panik. Denn je häufiger der Schleimhautschutz gegen Corona erneuert werde – sei es durch Impfung oder mehrere leichte Infektionen – desto länger halte er an. Dann nicht mehr wenige Monate, sondern mehrere Jahre. "Endzeit-Szenarien, wonach die Corona-Pandemie nie aufhören werde, sind Unsinn", sagte Drosten.

Und weiter: „Was wir hier sehen, sind ganz normale Beobachtungen, die wir auch erwarten während sich so ein Virus einspielt und auf dem Weg ist zu einer endemischen Situation.“

Indische Corona-Mutation ist für Drosten kein Grund zur Sorge

Der Leiter des Fachbereichs Virologie an der Charité in Berlin richtete seinen Blick auch nach Indien. Dort verzeichneten die Behörden zuletzt mehr als 300.000 Neuinfektionen pro Tag. Auf den Intensivstationen spielen sich dramatische Szenen ab – Das Gesundheitssystem ist genauso überlastet, wie die Krematorien. Zudem wächst die Sorge vor der in Indien grassierenden Corona-Variante B.1.617. Ob sie für die rasant ansteigenden Fallzahlen verantwortlich ist, ist aber noch nicht sicher belegt.

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"Es hört sich so an, als wäre das jetzt die große Veränderung, die für diese Situation in Indien verantwortlich ist", sagte Drosten in Bezug auf Medienberichte. Er denke jedoch nicht, dass das der Fall ist. Laut neuesten Studien weise B.1.617. zwar eine Immun-Escape-Mutation gegen neutralisierende Antikörper auf, dieser Effekt sei jedoch mit dem Faktor zwei nicht besonders hoch. "Das ist nichts, was einen groß beunruhigt. Das ist vom Effekt her weniger als die südafrikanische Mutante", sagte Drosten.

Die Heftigkeit der dritten Welle in Indien liege vielmehr an einer Kombination der Bedingungen. Die leichte Immune-Escape-Mutation treffe auf eine Bevölkerung mit geringer Herdenimmunität, da unter anderem die Impfkampagne in Indien noch nicht weit fortgeschritten sei. An eine verringerte Wirksamkeit von Impfstoffen gegen B1.617. glaubt Drosten ebenfalls nicht. Aktuellen Forschungsergebnissen würden diesen Schluss nicht zulassen, sagte der Virologe. "Das besorgt mich gar nicht."

Auch gebe es mehrere Mutanten. "Anhand der sehr kleinen verfügbaren Datenbasis lasse sich schließen, dass die Mutante nicht allein die heftige Infektionswelle in dem Land verursache, „sondern das ist mehr eine bunt gemischte Virus-Population“, sagte Drosten.

Auch die ansteckendere Variante B.1.1.7, die mittlerweile hierzulande dominiert, sei stark vertreten.

In Indien sei zudem die Grundgesundheit der Bevölkerung weniger gut als in Deutschland, was den Effekt der jüngeren Bevölkerung wieder etwas ausgleiche. Drosten machte aber deutlich, dass sich der Sachstand ändern kann: "Es kann sein, dass in zwei Monaten sich herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus." (mit dpa)

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