TV-Auftritt

Die Ärzte eröffnen die „Tagesthemen“ – das steckt dahinter

Die Ärzte gaben dem Intro der ARD- „Tagesthemen" am Freitag einen rockigen Sound.

Die Ärzte gaben dem Intro der ARD- „Tagesthemen" am Freitag einen rockigen Sound.

Foto: ARD / Screenshot

Berlin.  Die ARD-„Tagesthemen“ wurden am Freitag von einer Showband eröffnet: Die Ärzte spielten im Studio – und sendeten eine ernste Botschaft.

  • Die Ärzte sind am Freitag in den „Tagesthemen“ der ARD aufgetreten
  • Die Band aus Berlin spielte das Intro der Nachrichtensendung im Studio und sprach mit Ingo Zamperoni über Corona-Politik
  • Bei Twitter, Instagram und Co. gab es viel Zuspruch – aber auch Kritik am Zeitpunkt des Auftritts

Ungewöhnliche Premiere in den „Tagesthemen“: Zum ersten Mal in den mehr als 40 Jahren seit der ersten Ausgabe trat eine Showband in der ARD-Nachrichtensendung auf. Die Ärzte verliehen dem „Tagesthemen“-Intro ausnahmsweise mal einen rockigen Sound. Zur Freude von Ingo Zamperoni: „Ich wollte schon immer mal eine coole Show-Band“, twitterte der Moderator am Abend.

Hintergrund der kurzen Einlage war allerdings eine ernste Botschaft, die Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzalez im Gespräch mit Zamperoni an die Zuschauer – und die Politik – richteten.

Die Menschen, die in der Musikszene arbeiten, würden in Zeiten von Corona ignoriert, sagte Ärzte-Sänger Farin Urlaub. „Das Problem ist tatsächlich, wir nehmen Kultur als gegeben hin, Kultur ist einfach immer da.“ Dabei falle zu wenig auf, dass Kultur nicht nur kommerziell erfolgreiche Bandmusiker wie sie selbst brauche, sondern einen ganzen Unterbau: Clubbetreiber, Roadies, also Technik- und Aufbauhelfer, sowie kleinere Bands, die noch keine Plattenverträge haben. Wenn das wegbreche, sei das ein „langfristiger Schaden“.

Die Ärzte fordern in „Tagesthemen“ mehr Hilfe für Veranstaltungsbranche

Schlagzeuger Bela B. berichtete, dass wegen der fehlenden Auftrittmöglichkeiten in der Krise viele dieser Menschen seit sieben Monaten keine Arbeit hätten, Existenzängste ausstehen müssten. „Wir hoffen, die Politiker dazu zu bringen, diese Branche mit 1,4 Millionen Menschen auch zu sehen.“

Autokonzerte oder Stream-Konzerte spielten für die Band als Überbrückungsmöglichkeit in der Corona-Krise keine Rolle. „Das passt nicht zu uns. Unser Publikum muss sich aneinander reiben“, sagt Bela B. Ihre geplante Tour hatten Die Ärzte auf das nächste Jahr verschoben. „Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass solange Corona so wütet wie jetzt gerade, dass die Art von Konzerten, die wir gerne spielen, einfach nicht möglich sind“, sagte Urlaub. Für kleinere, weniger bekannte Bands oder Clubbetreiber und die Techniker sei die Situation aber schlimmer.

Ärzte-Auftritt in den „Tagesthemen“ ruft große Resonanz im Netz hervor

Der Auftritt bescherte der Band im Netz viel Zuspruch. Twitter-Nutzer sprachen von einer „coolen Aktion“ und einer „tollen Idee“, der Beitrag des Senders vom Freitag erhielt Tausende Likes. Einen halben Tag nach der Veröffentlichung hatte das Video am Samstagvormittag auf Instagram über eine halbe Million Aufrufe. Auch hier kommentierten Hunderte Nutzer den Auftritt.

Manche kritisierten allerdings auch, dass der Sender der Band dadurch kostenlose Werbung für ihr neues Album „Hell“ ermögliche, das am Freitag erschienen war. Ein User schrieb: „Man fühlt sich unwohl, wenn man bedenkt, dass am selben Tage der Ausstrahlung das neue Album der Ärzte erschienen ist. Solche unglücklichen Zufälle kann man vermeiden.“

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Die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) empfand den Auftritt als „befremdlich“, wies aber zugleich darauf hin, dass die Band ein drängendes Thema der Corona-Krise angesprochen habe: „Die Not von Kulturschaffenden und Veranstaltungsbranche ist groß. Die Hilfsgelder müssen passgenau ausgestaltet werden, damit sie bei denen ankommen, die sie dringend brauchen.“ Claas Rohmeyer, ein CDU-Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, nannte den Auftritt indes „unerwartet“ und „cool“. Der Virologe Hendrik Streeck teilte den Beitrag auf Twitter.

Mit Humor nahm es die Satiresendung „extra3“: „Corona-Skeptiker mit ARD versöhnt: endlich kamen in den Tagesthemen auch „alternative“ Ärzte zu Wort.“

Zu Beginn der Pandemie hatte die Berliner Band bei YouTube einen Corona-Song veröffentlicht und damit einen unerwarteten Hit gelandet: Mehr als fünf Millionen Mal wurde das Video bereits angeschaut.

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(ba/dpa)

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