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Delta-Variante: Wie gefährlich ist sie? Alle Informationen

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Sechs Fakten zur Delta-Mutation

Sechs Fakten zur Delta-Mutation

In Großbritannien steigen die Infektionszahlen wieder an und vor allem die indische Variante (Delta-Mutation) verbreitet sich rasant. Was es mit der Mutation auf sich hat, sehen Sie im Video.

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Berlin.  Der neue Gegner im Pandemie-Kampf heißt Delta. Die Variante bereitet sich in Europa aus. Lesen Sie hier alle Fragen und Antworten.

  • Die Delta-Variante breitet sich in Europa aus
  • Nach Großbritannien ist vor allem Deutschland von der Delta-Mutation betroffen
  • Die Variante gilt als hochansteckend
  • Ihre Verbreitung hat Folgen für die Menschen in der Bundesrepublik
  • Lesen Sie hier alle Fragen und Antworten rund um die Delta-Variante des Coronaviurs

Weltweit tauchen immer wieder neue Mutationen des Coronavirus auf. Dass sich ein Virus verändert, ist dabei ein normaler Vorgang, darauf weist auch das Robert Koch-Institut (RKI) hin. Viele Mutationen haben auf das Ansteckungsrisiko oder den Verlauf der Krankheit keinen Einfluss. Andere wiederum werden von der Weltgesundheitsorganisation als "besorgniserregend" eingestuft. So auch die Delta-Variante.

Was ist die Delta-Variante?

Wenn von der Delta-Variante des Coronavirus die Rede ist, ist eine Mutation des Wildtyps gemeint. Die Veränderungen finden sich an verschiedenen Stellen im Genom des Virus. Je nach zählweise hat die Delta-Variante zwischen 13 und 17 Mutationen, von denen vier besorgniserregend sind. Sie alle finden sich im genetischen Code des Spike-Proteins der Variante.

Delta-Variante: Quarantäne auch für Geimpfte und Genesene
Delta-Variante: Quarantäne auch für Geimpfte und Genesene

Diese Proteine sitzen auf der Außenhülle des Virus und sind für dessen Andocken an eine andere Zelle verantwortlich, sowie für die Übertragung des genetischen Materials des Virus in die Wirtszelle. Mutieren diese Spike-Proteine, kann das unter anderem zu besserer Übertragung führen.

Woher kommt die Delta-Variante?

Die Delta-Variante, auch bekannt unter dem Namen B.1.617.2, wurde zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden. Sie verbreitet sich dort stark und zirkuliert zunehmend auch in anderen indischen Bundesstaaten. In Europa ist derzeit Großbritannien das größte Verbreitungsgebiet für die Delta-Variante. Dort macht Delta inzwischen neun von zehn aller Neuinfektionen aus. Lesen auch: So dramatisch wütet Corona in Indien

Wie ansteckend ist Delta überhaupt?

Bisher gilt als gesichert, dass die Delta-Variante des Coronavirus deutlich ansteckender ist als alle bisher bekannten Varianten. Allerdings gibt es noch nicht viele wissenschaftliche Studien zu der Frage. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass Delta dreimal ansteckender ist als die zunächst in Großbritannien entdeckte Alpha-Variante (B.1.1.7), die derzeit in Deutschland vorherrschende Virus-Mutation. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) geht von einer "erhöhten Übertragbarkeit" der Delta-Variante aus.

Was sind die Symptome der Delta-Variante?

Die Symptome der Delta-Variante unterscheiden sich von der ursprünglichen Variante. Eine gt: aus England Patienten leiden meist an Kopfschmerzen, einer laufenden Nase und einer besonders rauen Kehle. Ein bestimmtes Symptom fehlt allerdings, wie Sie in dem Text über die Symptome der Delta-Variante lesen können.

Corona-Mutation: Das sind die Symptome der Delta-Variante
Corona-Mutation: Das sind die Symptome der Delta-Variante

Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

Eine Infektion mit der Delta-Variante geht laut britischer Regierung mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes einher. In Großbritannien stieg die Hospitalisierungsrate zuletzt rapide an, mehr als 1300 Menschen mussten zwischen dem 7. und 13. Juni wegen einer Covid-19-Erkrankung in ein Krankenhaus. Das waren 43 Prozent mehr als in der Woche davor.

In Großbritannien hat es bereits 37 Todesfälle unter bereits Geimpften gegeben, die sich auf eine Infektion mit der Delta-Variante zurückführen lassen. 73 Menschen verstarben insgesamt an oder mit einer Delta-Infektion (Stand 18. Juni). Die Daten der britischen Gesundheitsbehörden gelten als besonders zuverlässig.

Wie verbreitet ist Delta in Deutschland?

Laut aktuellem Bericht des RKI zur Verbreitung von Virusvarianten in Deutschland wurde die Delta-Variante bisher in mehr als sechs Prozent der untersuchten Viren-Proben nachgewiesen. "Ihr Anteil stieg in den letzten Wochen deutlich an", schreibt das RKI in seinem Bericht vom 16. Juni. Die Variante wurde in den letzten vier Wochen in allen Bundesländern nachgewiesen. Etwa 220 Fälle pro Woche ließen sich bisher auf eine Infektion mit Delta zurückführen.

Der Trend wird laut RKI anhalten. Zwar macht die Alpha-Variante derzeit noch rund 86 Prozent der Infektionen aus. Es sei aber davon auszugehen, "dass der Rückgang von B.1.1.7 mit dem steigenden Anteil von B.1.617.2 einhergeht und damit zu rechnen ist, dass sich diese Entwicklung fortsetzt".

Die weiteren als besorgniserregend eingestuften Varianten Beta (B.1.351) und Gamma (P.1.) wurden in Deutschland lediglich in sehr geringerer Zahl gefunden: 0,4 Prozent der sequenzierten Virengenome lassen sich Beta zuordnen, während Gamma lediglich 0,1 Prozent ausmachen.

So verbreitet sich die Delta-Variante weltweit
So verbreitet sich die Delta-Variante weltweit

Wo verbreitet sich Delta in Deutschland?

Am verbreitetesten scheint Delta innerhalb der Bundesrepublik derzeit in Schleswig-Holstein zu sein. Dort machten in der Meldewoche 23 (7. Juni bis 13. Juni) 12 sequenzierte Delta-Virengenome knapp 21 Prozent der insgesamt untersuchten Viren aus. Danach folgt Berlin mit rund neun Prozent Delta-Anteil unter den untersuchten Viren.

Die meisten Infektionen mit Delta fanden laut RKI in Deutschland in privaten Haushalten statt, dazu kommen Übertragungen am Arbeitsplatz und am Urlaubsort, etwa bei Hotelübernachtungen oder auf Kreuzfahrten. Nur in zehn Prozent der Fälle wurde die Delta-Variante demnach aus dem Ausland eingeschleppt, zumeist aus Indien, gefolgt von Italien.

Wie verbreitet ist Delta weltweit?

Mit dem Beginn der Urlaubssaison stellen sie viele Menschen die Frage, wo die Delta-Variante besonders stark verbreitet ist. Die Bundesärztekammer warnte am Montag in diesem Zusammenhang: "Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden", sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt unserer Redaktion. Zu den Verbreitungsgebieten zählen nicht nur Großbritannien, sondern unter anderen auch Portugal und Spanien.

Schützen Impfungen gegen Delta?

Grundsätzlich ja. Wer sich gegen Covid-19 impfen lässt, ist vor einer Erkrankung geschützt. Die Frage im Zusammenhang mit der Delta-Variante lautet daher eher, wie gut schützt die Corona-Impfung gegen eine Erkrankung? Zwar ist auch hier die Datenlage noch gering, aus Großbritannien aber ist bekannt, dass der Impfschutz gegen Delta nach der ersten Impfung generell geringer ausfällt als gegen Alpha. Lesen Sie hier mehr zum Thema Impfschutz vor Delta-Infektion.

Nochmal deutlich geringer ist der Schutz, wenn nur eine Dosis verabreicht wurde. In diesem Fall schützt eine Impfung vor symptomatischem Verlauf nur zu 31 Prozent – vor einer Hospitalisierung aber immer noch zu 75 Prozent. Der Schutz steigt aber beträchtlich an, sobald die zweite Impfdosis verabreicht wurde: In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer Infektion ins Krankenhaus zu müssen, um 94 Prozent reduziert und das Risiko eines symptomatischen Verlaufs um 80 Prozent. Lesen Sie auch: Diese Corona-Impfungen sind in der EU zugelassen

Müssen Hersteller jetzt neue Impfstoffe entwickeln?

Bisher sind keine Varianten bekannt, die die vorhandenen Impfstoffe nutzlos machen. An Auffrischungsimpfungen, die auch Varianten besser abdecken, wird schon gearbeitet. Ein Katz- und Maus-Spiel mit immer neuen, stark veränderten Varianten wird derzeit eher nicht erwartet.

Bisher scheinen sich international oft dieselben Veränderungen auszubilden. "Also eine Mutante, die auf einmal wieder eine schwere Krankheit macht bei der Mehrheit der Geimpften, das kann ich mir nicht vorstellen”, sagte Virologe Christian Drosten im "Republik”-Interview.

Können Schnelltests Delta entdecken?

Ob Schnelltests auf die Delta-Variante anschlagen können, scheint unklar. "Das ist schwer zu sagen", sagte Labormediziner Matthias Orth unserer Redaktion. Die Schnelltests seien für symptomatische Infektionen entwickelt worden, derzeit würden allerdings vor allem asymptomatische Menschen getestet. Zudem seien die Tests in einer Phase der Pandemie entwickelt worden, in der es die Delta-Variante noch nicht gab. Einen definitiven Nachweis einer Infektion mit Delta erbringt laut Orth aber ein PCR-Test.

Delta-Variante: Schnelltests sind unzuverlässig
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Was bedeutet die Delta-Ausbreitung für Kinder?

Am Samstag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt, dass Corona-Maßnahmen an den Schulen noch längere Zeit notwendig sein würden. Im Herbst und Winter würden trotz der aktuell niedrigen Infektionszahlen voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht greifen müssen.

Auch Wissenschaftler und Experten sehen die Delta-Ausbreitung hinsichtlich der Schulen mit Sorge. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), mahnte gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" vergangene Woche zur Vorsicht: "Wenn man die Infektion nicht einfach unter den Schulkindern durchlaufen lassen will, muss man sich spätestens jetzt an Konzepte wie Luftfilter machen, um nicht im Herbst wieder die Schulen zumachen zu müssen", betonte er. Mehr zum Thema finden Sie hier.

Delta-Variante: Wie gefährdet sind Kinder?
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Wird die Pandemie mit Delta zum Dauerzustand?

Nein, danach sieht es bisher nicht aus. Virologe Drosten etwa betont schon lange, dass das Virus sich auf lange Sicht wohl wie die altbekannten Erkältungs-Coronaviren verhalten werde. In den kommenden zwei bis vier Jahren seien aber noch Übergangszustände zu erwarten – das Virus werde Impflücken nutzen, machte er kürzlich deutlich.

Warum werden Mutanten nicht mehr nach Ländern benannt?

Die besorgniserregenden Varianten werden nun nach Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Die neutralen Namen sollen verhindern, dass die Corona-Mutanten nach den Ländern der Entdeckung benannt werden. "Das ist stigmatisierend und diskriminierend", hatte die Weltgesundheitsorganisation erklärt.

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