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Notkredite: Das müssen Studenten zur Corona-Krise wissen

Coronavirus: Fünf Krisen-Tipps für Studenten

Bekommen Studierende in der Corona-Krise Kurzarbeitergeld? Oder mehr Bafög? Wir beantworten im Video die wichtigsten Fragen für Studierende vom Nebenjob bis zum Semesterticket.

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Berlin.  Derzeit überlegen die Unis und Hochschulen, wie das Sommersemester trotz Corona-Krise ablaufen kann. Wir klären die wichtigsten Fragen.

  • Die Corona-Krise trifft auch die Studierenden an den Universitäten hart
  • An den Unis fallen Prüfungen und Seminare aus – Universitäten reagieren mit digitalen Vorlesungen
  • Tausende Studierende verlieren ihre Aushilfsjobs
  • Die Regierung kündigt Notkredite für Studenten an

Die deutschen Universitäten und Studentinnen und Studenten werden von der Corona-Krise mit voller Wucht getroffen: Der Beginn des Sommersemesters wurde in den Ländern verschoben. Zwar dürfen ab sofort Prüfungen stattfinden, Labore, Bibliotheken und Archive unter Auflagen wieder öffnen, doch zunächst einmal werden die Hochschulen nur digitale Lehrveranstaltungen anbieten können.

In der Krise sind viele Fragen offen: Was müssen Studierende jetzt beachten? Was kann man machen, wenn der Studentenjob weggebrochen ist? Wir geben Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Können Studierende in ihrem Nebenjob auch Kurzarbeitergeld erhalten?

Seit die Bundesregierung den Zugang zum Kurzarbeitergeld aufgrund der Corona-Krise erleichtert hat, erlebt die Bundesagentur für Arbeit einen Ansturm der Unternehmen auf die Kurzarbeit. Wenn es einer Firma wirtschaftlich schlecht geht – zum Beispiel weil wegen der Coronakrise Aufträge ausbleiben – kann es die regelmäßige Arbeitszeit verkürzen, in anderen Worten: Kurzarbeit anmelden.

Jobbende Studierende können allerdings kein Kurzarbeitergeld erhalten. Denn: Sie sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Daraus folgt: Wer nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, kann auch kein Kurzarbeitergeld herausbekommen.

Können Studierende Kredite beantragen?

Studenten können einen Notkredit bei der staatlichen Förderbank KfW beantragen. Ab dem 8. Mai können Studentinnen und Studenten bei der staatlichen Förderbank KfW ein zunächst zinsloses Darlehen von bis zu 650 Euro im Monat beantragen. Sowohl laufende KfW-Studienkredite als auch neue Anträge sollen für inländische Studierende bis Ende März kommenden Jahres zinslos bleiben.

Ausländische Studierende können den Kredit ab Juli erhalten. Wie bei KfW-Studienkrediten üblich, muss man erst nach einer Karenzphase von 18 bis 23 Monaten mit der Rückzahlung beginnen. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht von einem Darlehensvolumen bis zu einer Milliarde Euro aus.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Pläne. „Das ist ein Strohhalm, nach dem viele Studierende greifen werden, die in der Corona-Krise ihre Jobs verloren haben und auch beim Bafög leer ausgehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Andreas Keller. Nötig seien vielmehr Zuschüsse.

Nur wer sich in einer besonders akuten Notlage befindet und keine andere Hilfe etwa von den Eltern bekommt, kann bei seinem örtlichen Studentenwerk einen Zuschuss beantragen, der nicht zurückgezahlt werden muss. Der Bund will dafür den Nothilfefonds des Deutschen Studentenwerks mit 100 Millionen Euro aufstocken.

Können Studenten als Erntehelfer arbeiten?

Hunderttausende Arbeitnehmer müssen aktuell zu Hause bleiben, weil ihr Betrieb geschlossen ist – darunter sind auch viele Studenten, die beispielsweise in Bars oder Restaurants jobben. Gleichzeitig trifft die Corona-Krise die Landwirte in Deutschland besonders hart: Saisonkräfte aus Osteuropa dürfen nur begrenzt einreisen.

Wer Landwirten helfen will, kann sich auf verschiedenen Vermittlungsplattformen registrieren. Hinter der Aktion www.daslandhilft.de stehen das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Maschinenring, eine Selbsthilfeorganisation der Landwirtschaft. Hier mehr dazu: Hilfe in der Corona-Krise – Wie werde ich Erntehelfer?

Doch der auch von der Politik empfohlene Einsatz von fachfremden Erntehelfern erweist sich in der Praxis als problematisch. „Wir sind dankbar für jede helfende Hand, weil wir dringend Unterstützung benötigen. Aber die Idee ist nicht so einfach umzusetzen, wie sich das manch einer denkt“, sagte der Sprecher des Hessischen Bauernverbands, Bernd Weber, der dpa.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte vorgeschlagen, dass beispielsweise Beschäftigte aus der Gastronomie, dem Einzelhandel und anderen wegen der Corona-Krise notleidenden Branchen auf den Feldern eingesetzt werden könnten.

Hat die Verschiebung des Sommersemesters 2020 Auswirkungen auf das Bafög?

Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung per Erlass mitgeteilt hat, wirkt sich die Verschiebung des Vorlesungsbeginns in keinem Fall auf den Bafög-Anspruch aus. Studierende (egal ob Erstsemester oder bereits in Förderung befindliche) haben also aktuell nicht zu befürchten, dass sie im April 2020 kein Geld erhalten. Auch das Selbst- und das Onlinestudium zählen laut dem Studentenwerk als Studienaktivität.

Die SPD macht aktuell Druck auf Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), das Bafög vorübergehend für Studenten zu öffnen, die wegen der Corona-Krise ihren Job verloren haben. Karliczek will lediglich zinslose Kredite gewähren. Denn staatliche Bafög-Zahlungen für Studierende gibt es grundsätzlich nur, wenn ihr Einkommen und das ihrer Eltern nicht über bestimmten Grenzen liegt.

SPD-Vizefraktionschefin Bärbel Bas sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland über Karliczek: „Das, was sie bislang vorgelegt hat, reicht nicht aus.“ Der bildungspolitische Fraktionssprecher Oliver Kaczmarek sagte: „Unser Vorschlag ist, das Bafög für sie kurzzeitig zu öffnen. Dazu muss ein Härtefallfonds geschaffen werden, aus dem diese Studenten Bafög erhalten können.“

Karliczek hatte argumentiert, eine Bafög-Änderung würde ein parlamentarisches Gesetzgebungsverfahren mit sich bringen. „Die hierfür notwendige Zeit (...) haben wir nicht.“ Die Kapazitäten der Bafög-Ämter sollten außerdem denjenigen schnell zur Verfügung stehen, „die jetzt pandemiebedingt Neu- oder Änderungsanträge stellen und auf dringliche Unterstützung angewiesen sind“, schrieb Karliczek. Eine Soforthilfe für nicht Bafög-berechtigte Studierende sei auf diesem Weg nicht zu schultern.

Gibt es mehr Bafög, wenn die Eltern finanziell von der Krise betroffen sind?

Wer aufgrund des Elterneinkommens bisher kein Bafög erhalten hat, dessen Eltern aber in der Corona-Krise weniger verdienen, kann einen neuen Bafög-Antrag stellen und mit einer Aktualisierung das aktuelle Elterneinkommen zugrunde legen lassen.

Wer bereits Bafög bezieht und bei dem zusätzlich aktuell das Elterneinkommen geringer ist, kann einen Bafög-Aktualisierungsantrag stellen. Das zuständige Bafög-Amt prüft dann die Höhe des aktuellen Anspruches.

Gilt das Semesterticket auch ohne Validierung an der Uni?

Eine Validierung (als Aufdruck der aktuellen Gültigkeitsdauer) des Studierendenausweises ist vielen Studierenden derzeit nicht möglich, da die Zugänge zu den Validierungsautomaten in den Räumlichkeiten der Universitäten und Hochschulen nicht zugänglich sind bzw. die Studierenden derzeit nicht vor Ort sind.

Viele Studierende haben das Problem, dass ihr Studierendenausweis und somit das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel abgelaufen ist. Deshalb gibt es aktuell mit den Verkehrsunternehmen eine Kulanzregelung. In den meisten Fällen gilt (der abgelaufene) Ausweis und eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung. Die genaue Regelung sollten Studierende aber individuell bei ihren Universitäten überprüfen.

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(bef)

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