Pandemie

Coronavirus in Spanien: Gesundheitssystem droht Kollaps

Bayern erlässt "grundlegende Ausgangsbeschränkungen"

Bayern erlässt im Kampf gegen die Corona-Pandemie "grundlegende Ausgangsbeschränkungen". Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an: "Wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter."

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Madrid.  In Spanien breitet sich das Coronavirus weiter aus. Besonders die Altenheime sind betroffen. Dort ist die Situation eine Katastrophe.

„Die Altersheime werden zu Leichenhallen“, titelt Spaniens größte Tageszeitung El País. 20 Tote innerhalb weniger Tage in einem Seniorenheim in Madrid. 15 Tote in einer Residenz in der zentralspanischen Stadt Ciudad Real. Aus anderen spanischen Altenheimen kommen ähnliche Horrormeldungen.

Experten warnen vor einem kurz bevorstehenden Kollaps des Gesundheitssystems. Eine „totale“ Isolierung der Menschen sei deshalb nun „unerlässlich“, fordern 69 renommierte Epidemiologen, Molekularbiologen und Wissenschaftler anderer Fachbereiche in einem am Samstag veröffentlichten offenen Brief.

Es müsse eine noch stärkere Einschränkung der Bewegungsfreiheit angeordnet werden, hieß es. Die Experten fordern konkret unter anderem, dass die Fahrt zur Arbeitsstelle nur noch bei Arbeitnehmern der Grundversorgungssektoren gestattet wird. Unter den gegebenen Bedingungen werde es sonst „um den 25. März herum“ zu einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems kommen. Rund 18 Prozent der spanischen Bevölkerung seien älter als 65.

Bei den Senioren werde oft die Spitze des Eisbergesbekannt, heißt es, weil bei den Verstorbenen oftmals nicht die genaue Todesursache untersucht werde. Die Bewohner der Pflegeheime sind wegen ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen durch das Coronavirus besonders gefährdet. Lesen Sie hier: Spaniens Premier warnt wegen des Coronavirus vor einer Katastrophe.

Coronavirus: Katastrophale hygienische Zustände in Altersheimen

In vielen Heimen herrschen allerdings auch katastrophale hygienische Zustände. Das Pflegepersonal verfügt oftmals nicht über einfachste Schutzkleidung wie Mund-Nase-Masken oder Einweghandschuhe – das Virus breitet sich deswegen schnell aus.

„Wir fühlen uns von den Gesundheitsbehörden verlassen“, berichtet der Mitarbeiter einer Senioreneinrichtung in Madrid. Es gebe keine Tests, um festzustellen, welche Mitarbeiter und Bewohner infiziert sind. Die Notrufleitstelle schicke wiederum keine Krankenwagen, um ältere Patienten in kritischem Zustand ins Krankenhaus zu bringen. Offensichtlicher Grund: Viele Hospitale stehen vor dem Kollaps und wissen nicht mehr, wohin mit den Patienten.

Spanien: Anstieg auf fast 25.000 bestätigte Infektionen

Inzwischen ermittelt die spanische Staatsanwaltschaft, um herauszufinden, wer für diesen Missstand in den Heimen verantwortlich ist. Spaniens Vize-Regierungschef Pablo Iglesias sagte den mehreren tausend Altersresidenzen im Land mittlerweile zu, für Schutzkleidung und bessere medizinische Ausrüstung zu sorgen. Das spanische Militär bekam den Auftrag, jene Seniorenheime, die besonders schlimm vom Virus betroffen sind, zu desinfizieren.

Derweil meldete Spaniens Regierung einen massiven Anstieg der Corona-Fälle in Spanien. Demzufolge gab es bis zum Samstagmittag annähernd 25.000 bestätigte Infektionen, allein in der Hauptstadtregion Madrid sind es rund 9000.

Coronavirus in Spanien: Armee baut Feldlazarett in Madrid

Die Zahl der Toten, bei denen das Virus Sars-CoV-2 diagnostiziert wurde, stieg auf über 1300. Bei den Todesopfern handelt es sich meist um ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Der Sprecher der spanischen Gesundheitsbehörden, Fernando Simón, bestätigte jedoch am Freitag, dass diese Zahlen nicht das wahre Ausmaß der Virus-Epidemie widerspiegeln.

Bisher wurden in Spanien – entgegen dem Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – tausende Verdachtsfälle mit leichten Symptomen nicht getestet und somit auch nicht mitgezählt. Man wisse daher nicht, räumte Simón ein, wie weit das Virus wirklich in Spanien verbreitet ist.

Die Regierung bereitet die Bevölkerung darauf vor, das die Zahl der Infektionen weiter steil ansteigen werde. Da die Krankenhäuser bereits überlastet sind, begann die Armee damit, auf dem Messegelände in Madrid ein Feldlazarett mit 5500 Betten aufzubauen.

Epidemie: Ausgangssperre in ganz Spanien

In einem neuen Notstandsdekret ordnete die Regierung an, dass innerhalb einer Woche alle Hotels, Touristenappartements und Campingplätze in Spanien geschlossen werden müssen.

Doch Urlauber gibt es ohnehin nicht mehr viele in Spanien. Hunderttausende sind in den letzten Tagen und Wochen bereits heimgereist. Mallorca wie auch die Kanarischen Inseln hatten die Touristen aufgefordert, die Inseln zu verlassen. Die Inseln kündigten zudem an, dass die meisten Flug- und Fährverbindungen gekappt werden, um die Ausbreitung der Epidemie zu bremsen.

In ganz Spanien gilt bereits seit dem 15. März eine Ausgangssperre – auch für Touristen. Alle Geschäfte mit der Ausnahme von Supermärkten und Apotheken mussten die Rollläden herunterlassen. Nur zum Einkaufen, Arbeiten, für Arztbesuche oder zur Rückreise an den Wohnort dürfen die Menschen noch auf die Straße.

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