Corona-Pandemie

Booster-Impfung: Ab wann erhöht die Auffrischung den Schutz?

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Impfstoffforscher: Booster-Impfung senkt Covid-Risiko drastisch

Impfstoffforscher: Booster-Impfung senkt Covid-Risiko drastisch

Leif Erik Sander, Lungenarzt und Impfstoffforscher an der Berliner Charité, hebt die Bedeutung der Corona-Auffrischungsimpfung hervor. Biontech und Moderna seien fast vergleichbar und annähernd gleich gut, sagte der Mediziner in Berlin.

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Berlin  Die Booster-Impfung erhöht den Schutz vor Corona – allerdings nicht sofort. Wie lange dauert es, bis sie wirkt? Was bisher bekannt ist.

  • Um dauerhaft vor einer Corona-Infektion geschützt zu sein, sind Booster-Impfungen nötig
  • Doch wie bei der Grundimmunisierung wirkt auch die Auffrischung nicht sofort
  • Wir erklären, ab wann die dritte Dosis den Impfschutz erhöht

Die vierte Corona-Welle ist mit Macht über Deutschland hereingebrochen. Nie war die Inzidenz höher, nie steckten sich mehr Menschen mit Corona an als derzeit. Nun sollen Booster-Impfungen die vierte Welle brechen. Der Impfschutz hat bei vielen Menschen bereits spürbar nachgelassen, das zeigt nicht zuletzt auch die Anzahl an Impfdurchbrüchen.

Vor allem im der Altergruppe Ü60 erkranken wieder mehr Menschen an Covid-19, nimmt auch die Zahl der schweren Verläufe wieder zu. Ihre Impfungen sind zum Teil älter als sechs Monate, entsprechend dringend ist die Auffrischungsimpfung geworden. Nur: Wie schnell wirkt eigentlich die dritte Impfung mit Biontech oder Moderna? Wann ist der Impfschutz wieder voll da?

Dritte Impfung: Wann wirkt der Booster?

Das in Deutschland für die Zulassung und Kontrolle von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab unserer Redaktion an: "Nach aktuellem Kenntnisstand ruft die Auffrischimpfung eine Gedächtnisantwort hervor, mit der nach fünf bis sieben Tagen ein vergleichbarer Schutz wie nach der Grundimmunisierung erreicht wird."

Zwei Vakzine kommen bei der Booster-Impfung zum Einsatz. Zum Moderna-Vakzin Spikevax liegen offenbar noch keine entsprechenden Daten vor, aus denen sich ableiten lässt, wie schnell eine Auffrischungsimpfung den Impfschutz wieder herstellt. Grundsätzlich gilt, dass vollständiger Impfschutz bei einer Impfserie 14 Tage nach der letzten Impfung besteht – viel länger dürfte es wohl nicht dauern, bis auch eine dritte Impfung wirksam ist. Klar ist: Die Dritte Impfung wirkt, der Impfschutz ist nach einer Auffrischung besser als vorher.

Zum Biontech/Pfizer-Impfstoff Corminaty gibt es zudem verschiedene Studien aus Israel, die nahe legen, wie schnell eine Auffrischungsimpfung wirken kann. So stellte eine Studie fest, dass die dritte Impfung zwölf Tage nach ihrer Verabreichung wirksamer war, als nach vier bis sechs Tagen.

Eine Ende Oktober im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Arbeit hat hingegegen beobachtet, dass etwa sieben Tage nach der dritten Impfung Effekte eintraten. Verglichen wurden zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen die eine eine Auffrischungsimpfung erhalten hatte, die andere auf den Schutz einer mindestens fünf Monate alten Impfserie vertrauen musste.

Hier wich etwa die Anzahl derer, die trotz Auffrischungsimpfung mit Covid-19 in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten, nach rund einer Woche stark ab von der Anzahl der Personen, die ohne dritte Impfung hospitalisiert wurden. Erwartungsgemäß kamen wesentlich mehr Menschen aus dieser Gruppe ins Krankenhaus. Mehr zum Thema: Corona-Impfung – Booster schon vor Ablauf der sechs Monate?

Booster-Impfung: Wie schnell wirkt die Auffrischung?

Ähnliches zeigte sich auch bei schweren Verläufen von Covid-19 und Todesfällen im Zusammenhang mit der Krankheit. Jeweils rund sieben Tage nach der dritten Impfung waren Unterschiede beobachtbar. Vereinfacht gesagt starben dreifach Geimpfte weniger oft oder wurden weniger oft schwer krank, als Menschen mit einer normalen Impfserie; die Abweichungen in den jeweiligen Kurven zeigten sich nach sieben Tagen. Weiterlesen: Corona – Können junge Menschen die Booster-Impfung bekommen?

Die Forscher machen in ihrer Arbeit dennoch klar: "Der beste Zeitpunkt, um mit einer dritten Impfung größtmöglichen Schutz gegen Corona zu erzielen, ist unbekannt." Es sei etwa möglich, dass sich der Impfschutz nach der dritten Impfung mit dem Biontech-Vakzin bereits früher aufbaue. Ein Anstieg in der Antikörperproduktion sei bereits nach drei bis fünf Tagen feststellbar.

Israel zeigt: Es kommt auf die dritte Dosis an

Das Beispiel Israel zeigt, dass sich durch einen Booster die Inzidenz senken lässt. Seit Ende Juli werden die Israelis zum Boostern aufgerufen, und die Bereitschaft dazu ist hoch. Bereits zwei Wochen nach dem Booster-Start waren mehr als die Hälfte der über 60-jährigen Israelis dreifach geimpft.

Aktuell sind bereits 44 Prozent der Israelis geboostert, wobei die Zahl ein wenig irreführend ist, weil viele Menschen für den dritten Shot noch gar nicht infrage kommen: Ihre zweite Impfung liegt weniger als fünf Monate zurück, sie ist daher laut israelischer Definition noch nicht abgelaufen. Alle Israelis über zwölf Jahre, deren zweite Impfung aber bereits älter als fünf Monate ist, können sich die Booster-Spritze verabreichen lassen. Von dieser Gruppe haben es bereits 80 Prozent getan. Bemerkenswert: In Israel liegt die Inzidenz mittlerweile nur noch bei 33.

Da Israel früher als alle anderen Staaten mit dem flächendeckenden Boostern begann, gibt es hier bereits viele Daten, die von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt ausgewertet werden. Dabei zeigt sich, dass die Booster-Impfung das Risiko 20-mal mehr senkt als eine zweite Impfung, die das Ablaufdatum von fünf Monaten bereits überschritten hat. Das hat Forscher Eran Segal vom israelischen Weizmann-Institut ausgerechnet. Zudem hält der Booster-Shot wohl deutlich länger an als die zweite Spritze – und zwar bis zu zehn Monate lang. Das ergibt eine noch nicht veröffentlichte, aber von israelischen Medien geleakte Auswertung des Tel-Hashomer-Spitals nahe Tel Aviv. (pcl/fmg)

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