Festival

Hunderttausende Fans feiern bei "Bochum Total"

Jugendliche tanzen am Freitag in Bochum vor einer Bühne.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Jugendliche tanzen am Freitag in Bochum vor einer Bühne. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.   Zu Europas größtem Umsonst-und-draußen-Festival kamen bis Freitag 300 000 Besucher ins Ruhrgebiet, um besonders jungen Bands zuzujubeln.

Wenn „Bochum Total“ die Mutter aller Innenstadt-Festivals ist und Marcus Gloria dessen Vater, müsste sich der umtriebige Kinnbartträger im fortgeschrittenen Rentneralter befinden. Doch Gloria ist mit 54 Lenzen noch ein vergleichsweise junger Hüpfer – wie die vielen Tausend jungen Leute, die an diesem Wochenende vor den Bochumer Bühnen tanzen – und ebenso quicklebendig wie sein Lebenswerk, das gerade zum 32. Mal totale Begeisterung entfacht.

Nach dem Auftakt am Donnerstag mit Chartsstürmerin Alice Merton („No Roots“) – bei dem es ganz untraditionell einmal nicht regnete – steuerte das Festival bis gestern Abend schon auf rund 300 000 Besucher zu. Und das, obwohl – das wieder traditionell – eher unbekannte Namen auf der Setlist standen. Einer der wenigen Ausreißer: Alice Francis aus Köln mit ihrem „Neo-Swing“ auf der 1Live-Bühne.

BoTo Auftakt mit Alice Merton und Pro Bochum

Der Auftakt zu Bochum Total in diesem Jahr ist geschafft. Highlight war sicherlich die Show von Alice Merton die ein paar WAZ-Leser durch die Aktion Pro Bochum der Lokalredaktion sogar exklusiv vor dem Konzert treffen durften.
BoTo Auftakt mit Alice Merton und Pro Bochum

Bis Sonntag sollen es wieder „bis zu einer Million“ Besucher werden, bei Hitze und Regen, wie sich das für BO-Total gehört. Sagt der Veranstalter. Die Polizei macht’s eine Nummer kleiner. Sicher scheint: Rund 700 000 Fans halten jeden Sommer in Bochum Einzug. Von überall her strömen sie herbei – ebenso wie die Bands, die für kleines Geld, aber mit großen Hoffnungen rocken und rollen. Europas größtes Umsonst-und-draußen-Festival hat einen Ruf wie Donnerhall. Seeed, Casper, Silbermond, Kraftklub, The BossHoss oder Mark Forster verdingten sich hier für schmale Gagen, ehe sie es an die Fleischtöpfe der Pop- und Rockmusik schafften.

Festival-Erfinder wollten einstselbst Rockstars werden

140 Bands mit 450 Künstlern sind es diesmal, die noch bis Sonntag auf Open-Air-Bühnen und in Clubs im Bermuda-Dreieck auftreten. Unvorstellbar vor 31 Jahren, als Marcus Gloria und Heri Reipöler ihr erstes Straßenfest in der Innenstadt aufzogen. Sie wollen nur spielen, damals, 1986. „That’s it“ heißt die Kombo, für die Gloria eine Auftrittsmöglichkeit sucht: Er will Rockstar werden. Ebenso wie Heri Reipöler mit seiner Band „Nip in the bud“. Im Mandragora, der ersten Kneipe im Dreieck, organisieren die Studenten ihr erstes Kulturfest. „Bochum Total“ soll es heißen. 2000 Mark Miese macht das Duo zum Start.

Der Rest ist Geschichte.

Heri Reipöler hat mit dem Zeltfestival Ruhr (zehnte Auflage im August/September) ein zweites Erfolgsformat geschaffen. Marcus Gloria ist mit seiner Cooltour-Agentur nach wie vor Kopf und Herz von BO-Total. „Unser Festival ist erwachsen geworden“, sagt er mild lächelnd. Für ihn blieb der eigene Traum vom Rockstar unerfüllt. Und doch erfüllt ihn mit Stolz, was aus seinem Baby geworden ist. „Wichtig war und ist, dass wir uns von niemandem reinreden lassen. Auch deshalb waren wie nie darauf bedacht, Subventionen zu erhalten. Wir haben uns insbesondere über den Getränkeverkauf immer selbst finanziert.“

Den Besuchern gefällt’s, sie machen aus dem Festival einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Eine Befragung ergab: Jeder Fan gibt 35 bis 50 Euro pro Tag aus. Als Imageträger indes sieht Gloria noch Luft nach oben. „Wenn BO-Total in Köln stattfinden würde, wären wir jedes Jahr in den Tagesthemen.“ Trotzdem soll das Festival kostenlos bleiben: Auch wenn sich der Aufwand für die Sicherheit deutlich erhöht hat, diesmal blockieren 33 XXL-Sandsäcke die Straßen.

Richtig wuselig wird’s am Wochenende, wenn Künstler wie Pohlmann oder die hoch gehandelten Moop Mama die Massen begeistern wollen. „Papa“ Marcus wird’s mit Wohlwollen betrachten. Ob er auch noch das 50. BO-Total erleben werde? „Ich wüsste nicht, was dagegen spricht.“

INFO: DAS ABENDPROGRAMM

Auf der Eins-Live-Bühne spielt am Samstag von 20.45 bis 22 Uhr Pohlmann. Hauptact am Sonntag ist um dieselbe Zeit Moop Mama.

Auf der Heinz-Bühne sind Samstag um 20.45 Uhr Who Killed Bruce Lee, am Sonntag Blues Pills.

Die Sparkassen-Bühne beginnt um 15 Uhr ihr Programm, die anderen Podien starten um 17 Uhr.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik