Berlin. Die Berliner Polizei hat den flüchtigen Tatverdächtigen am Dienstag festgenommen. Zuvor wurde ein Haftbefehl gegen den Mann erlassen.

Der mutmaßliche Frauenwürger und Vergewaltiger von Berlin ist verhaftet worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit der Polizei Berlin am Mittwochvormittag mit. Demnach sei der Tatverdächtige am Dienstag aufgrund eines zuvor erwirkten Haftbefehls wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung von der Polizei festgenommen worden. Intensivfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin und Unterstützungskräfte des Polizeiabschnitts 18 nahmen den Gesuchten fest, nachdem mehrere verdächtige Adressen über Tage hinweg observiert worden waren.

Laut der Mitteilung wurde der 25-jährige Syrer am Dienstagabend gegen 20.20 Uhr in einer Wohnung an der Schwedenstraße in Gesundbrunnen entdeckt. Diese diente nach ersten Erkenntnissen der Ermitler als Treffpunkt mehrerer syrischer Flüchtlinge. Die Mietverhältnisse des Objekts sind noch unklar.

Noch am Mittwoch wurde der Mann zur Verkündung des Haftbefehls einem Richter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Ermittlungen zu den Vorwürfen der gefährlichen Körperverletzung und der Vergewaltigung in einer Spezialabteilung für Sexualdelikte gebündelt. Die Ermittlungen dauern auch nach der Verhaftung weiter an.

Deshalb sorgte der Fall für Aufsehen: Vergewaltigung in Flüchtlingsheim

Der Fall sorgte deutschlandweit für Aufsehen und Diskussionen, weil die Polizei den 25-jährigen Syrer kurz nach einer Gewalttat gegen eine 78-jährige Seniorin am Freitagabend schon einmal gefasst hatte. Die Polizei konnte ihn dabei zwar festnehmen, doch festgehalten wurde er nicht. Eine Bereitschaftsstaatsanwältin hatte in seinem Fall keinen dringenden Tatverdacht ausgemacht. Aus diesem Grund wurde er auch nicht einem Haftrichter vorgeführt.

Nach seiner Freilassung soll der 25-Jährige laut Staatsanwaltschaft dann am darauffolgenden Sonnabend an seine Wohnanschrift zurückgekehrt sein. In der Unterkunft für Geflüchtete im Ortsteil Lichterfelde (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) soll er laut Polizei eine 23-jährige Mitbewohnerin vergewaltigt haben. Der Vorfall sorgte am Wochenende für Entsetzen und für eine breite Diskussion in den sozialen Netzwerken. Vielfach wurde der zuständigen Staatsnanwältin auf Plattformen wie X falsche Rücksichtnahme und falsch verstandene politische Korrektheit unterstellt, weil es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen syrischen Flüchtling handelt.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei gelang es dem Vergwaltigungsopfer gegen 17 Uhr durch Hilferufe auf sich aufmerksam zu machen, nachdem der Mann sie an der Tür zu ihrem Zimmer überwältigt haben soll. Der Tatverdächtige habe anschließend die Tür versperrt und sich an der Frau vergangen. Mitbewohner konnten sich Zutritt zu dem Zimmer verschaffen, doch dem 25-Jährigen gelang es zunächst, zu flüchten. Die Frau wurde mittlerweile von der Ausländerbehörde samt seiner Familie in ein neues Wohnheim mit möglichst großem Abstand zum Tatort gebracht.

Festnahme und Freilassung Thema im Rechtsausschuss

„Unser Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen des LKA, die diese Festnahme mit professioneller Polizeiarbeit vorbereitet und mittlerweile durchgeführt haben“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Die Umstände, warum der Mann weiterhin auf freiem Fuß war, werden weiter zu klären sein. Wir sind aber froh, dass diese klar erkennbare Gefahr für die Menschen in dieser Stadt erst einmal gebannt ist.“

Als kurz nach der Vergewaltigung bekannt wurde, dass der 25-jährige Syrer bereits wegen eines anderen Gewaltdeliktes festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, wurden kritische Stimmen auch in der Berliner Politik laut. Das Thema war auf Antrag der AfD-Fraktion am Mittwoch Thema im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Einige Ausschussmitglieder hatten im Vorfeld gefordert, dass Generalstaatsanwältin Margarete Koppers persönlich zum Vorgang Rede und Antwort stehen solle. Doch erschien an ihrerstatt Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos, für CDU) und stellte sich noch einmal deutlich vor die Entscheidung der Bereitschaftsstaatsanwältin vom vergangenen Freitag.

Justizsenatorin verteidigt Vorgehen der Staatsanwaltschaft

„Aus Sicht des Bereitschaftsdienstes lagen die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls zu diesem Zeitpunkt nicht vor“, so Badenberg. Erforderlich dafür seien ein dringender Tatverdacht und ein Haftgrund. Als Haftgründe gelten etwa Flucht- und Verdunklungsgefahr beziehungsweise Wiederholungsgefahr. Es handele sich dabei jedes Mal um eine Einzellfallentscheidung.

„Es lagen zum damaligen Zeitpunkt weder Anhaltspunkte für die Begehung weiterer Straftaten noch für eine Flucht des Beschuldigten vor“, stellte Badenberg klar. Ob diese Entscheidung im konkreten Einzelfall zu beanstanden sei, sei nun aber trotzdem Gegenstand einer internen Prüfung, sagte die Justizsenatorin. Diese Prüfung sei noch nicht abgeschlossen und das Ergebnis gelte es dementsprechend abzuwarten. Ähnlich hatte sich am Montag auch bereits die Berliner Staatsanwaltschaft geäußert.

Hinweise auf psychische Probleme des Tatverdächtigen

.Mittlerweile liegen allerdings deutliche Hinweise auf eine schwere Traumatisierung des mutmaßlichen Täters vor. Im Laufe des weiteren Ermittlungsverfahrens soll er daher auch psychologisch untersucht werden, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Schwer erklärlich ist schon seine erste Tat vom Freitagabend. Der Polizei zufolge soll der 25-Jährige eine 78-Jährige aus heiterem Himmel in deren Wohnung in Moabit angegriffen und gewürgt haben. Herbeilende Angehörige konnten die Seniorin noch rechtzeitig aus dem Griff des Mannes befreien.