Köln. Am 12. Juni wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. Ihre beste Freundin Jacqueline van Maarsen erinnert sich an Annes größten Wunsch

Weiße Hose, Bluse, randlose Brille zu ergrautem Haar, so betritt Jacqueline van Maarsen den Raum. Das Gehen fällt ihr schwer in letzter Zeit, aber die Erinnerungen sind noch alle da. 90 Jahre ist sie mittlerweile, so alt, wie Anne Frank am kommenden Mittwoch würde, wenn die Nazis sie nicht in ihrem Hinterhaus-Versteck in Amsterdam abgeholt und ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt hätten. Über diese Anne Frank will sie heute reden, über sie kann sie mittlerweile reden. „Wir waren“, sagt van Maarsen, „beste Freundinnen.“

Sie weiß noch genau, wie das war, damals im September 1941. Am ersten Tag im neuen „Joods Lyceum“, das künftig alle jüdischen Kinder in Amsterdam besuchen mussten. Schulschluss ist und Jacqueline hat sich gerade auf ihr Fahrrad geschwungen, als sie hört, wie hinter ihr jemand ihren Namen ruft. Als sie sich umdreht, sieht sie „ein dürres Mädchen mit glänzendem schwarzen Haar“. Sie hätten offenbar den gleichen Heimweg, sagt das Mädchen, und dass man da ja wohl künftig zusammen fahren könne. Dann stellt sie sich vor: „Ich bin Anne. Anne Frank.“