Kriminalfall

Armbrust-Drama: Was wir bisher wissen – und was nicht

Die Leichen von zwei weiteren Frauen wurden in einer Wohnung in Wittingen gefunden.

Die Leichen von zwei weiteren Frauen wurden in einer Wohnung in Wittingen gefunden.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Passau/Wittingen  Es ist ein bizarrer Fall von Tötung und Suizid: Warum starben drei Menschen durch Pfeile aus einer Armbrust? Was wir bisher wissen.

Drei Menschen sterben durch Pfeile aus einer Armbrust, dann werden zwei weitere Leichen gefunden: Es ist ein verstörender und rätselhafter Fall, der die Ermittler im bayerischen Passau und im niedersächsischen Wittingen beschäftigt. Was wir bisher über die fünf Toten, ihr Leben und die Umstände ihres Sterbens wissen – und was nicht.

Wer sind die Toten?

Angestellte einer Pension in Passau fanden am 11. Mai in einem Zimmer drei Leichen. Der 53-jährige Mann, eine 33-jährige Frau und eine 30-Jährige hatten am Abend des 10. Mai kurzfristig ein Zimmer gemietet. In der Wohnung der 30-Jährigen in Niedersachsen fanden Polizisten die Leichen von zwei weiteren Frauen, als sie der Lebensgefährtin die Nachricht vom Tod der Frau überbringen wollten. Die 35-jährige Lehrerin war ebenfalls tot, außerdem eine 19-Jährige, die auch in der Wohnung lebte.

Der 53-Jährige war wie die 33-Jährige in einer Gemeinde im Westerwald gemeldet. Im nahe gelegenen Hachenburg betrieb er einen Mittelalterladen. Über die 33-Jährige sind bislang keine weiteren Informationen offiziell bekannt geworden. Die 30-Jährige, Verkaufsleiterin in einer Bäckerei, war bis vor zwei Monaten ebenfalls im Westerwald gemeldet, lebte aber seit März mit der Lehrerin in Niedersachsen.

Der Fernsehsender RTL berichtete unter Verweis auf Ermittler, dass es sich bei der 19-Jährigen um eine seit mehreren Jahren vermisste Jugendliche handeln dürfte.

Wie starben die vier Frauen und der Mann?

Bei den drei Toten, die in der Passauer Pension gefunden wurden, sind sich die Ermittler nach einer Obduktion über die Todesursache und den Ablauf sicher. Die drei starben durch Pfeile aus einer Armbrust. Insgesamt fand die Polizei drei Armbrüste.

Der Mann und die 33-Jährige lagen nach Angaben eines Sprechers der Polizei Niederbayern Hand in Hand auf einem Bett. Die 30-Jährige lag auf dem Boden. Die Toten auf dem Bett starben demnach durch Pfeile ins Herz, die 30-Jährige durch einen Pfeil in den Hals. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 30-Jährige erst die anderen beiden und dann sich selbst tötete.

Die Polizei spricht von „Tötung auf Verlangen“ und Suizid oder einem sogenannten erweiterten Suizid. Sie hat keine Hinweise, dass noch jemand am Geschehen beteiligt war, im Zimmer gab es keine Spuren, die auf einen Kampf hindeuteten. Ob die drei Medikamente genommen oder von Alkohol oder illegalen Drogen berauscht waren, werde noch untersucht.

Bei den beiden toten Frauen in Niedersachsen laufen die Untersuchungen noch, Polizei und Staatsanwaltschaft haben noch keine Todesursachen bekannt gegeben. Die Obduktionen der Leichen hat allerdings ergeben, dass sie nicht durch äußere Gewalt starben. Armbrüste und Pfeile wurden in der Wohnung in Wittingen auch nicht gefunden.

Gibt es Abschiedsbriefe?

Über Abschiedsbriefe der Toten ist bislang nichts öffentlich bekannt. Allerdings hat die Polizei Testamente des 53-Jährigen und der 33-Jährigen, die sich offenbar von der 30-Jährigen töten ließen, in dem Passauer Pensionszimmer gefunden.

In welcher Beziehung standen die Toten zueinander?

Das Beziehungsgeflecht unter den fünf Toten ist noch nicht klar. Die 30-Jährige Tote, die in Passau starb, und die 35-Jährige, die in Wittingen starb, waren Lebensgefährtinnen, „Bild“ berichtet, die beiden hätten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt.

Im „Bild“-Bericht wird außerdem ein Mann zitiert, der von seiner Begegnung mit dem 53-Jährigen berichtete. Demnach hatte er dem Mann vorübergehend einen Pferdehof verpachtet. Die Frauen sollen sich dem 53-Jährigen gegenüber auffallend unterwürfig verhalten haben.

Die Eltern der 19-Jährigen sagten RTL, ihre Tochter habe den 53-Jährigen in einem Kampfsportclub kennengelernt und wenig später den Kontakt zur Familie abgebrochen.

Verbindungen der Toten zur Ritterspiel-Szene, über die verschiedene Medien berichten, hat ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau nicht bestätigt.

Was war das Motiv für die (Selbst-)Tötungen?

Warum die vier Frauen und der Mann starben, warum sie möglicherweise sterben wollten, ist noch nichts offiziell bekannt. (moi/dpa)

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben