Expertin: Arbeitnehmer brauchen mehr Freiraum für Pflege

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Arbeitnehmer brauchen nach Ansicht von Experten bessere Möglichkeiten, ihren Beruf und die Pflege kranker Familienmitglieder zu vereinbaren. "Da gibt es viel Nachholbedarf, der ganze Bereich Pflege hinkt noch hinterher", sagte Regina Ahrens vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am Freitag der Nachrichtenagentur dapd.

Münster (dapd). Arbeitnehmer brauchen nach Ansicht von Experten bessere Möglichkeiten, ihren Beruf und die Pflege kranker Familienmitglieder zu vereinbaren. "Da gibt es viel Nachholbedarf, der ganze Bereich Pflege hinkt noch hinterher", sagte Regina Ahrens vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am Freitag der Nachrichtenagentur dapd.

Arbeitgeber seien inzwischen eher für die Belange junger Familien mit Kindern sensibilisiert, während das Thema Pflege dagegen noch ausbaufähig sei, erklärte Ahrens. "Familie umfasst nicht nur Kinder, sondern auch Angehörige, die gepflegt werden müssen", sagte sie. Das erhöhe die Zahl der Arbeitnehmer mit Familienpflichten deutlich.

Das Thema Betreuung von kranken Familienmitgliedern sei aber noch weitgehend tabuisiert. "Über Angehörige, die gepflegt werden müssen, will noch keiner wirklich sprechen", erklärte Ahrens.

Derzeit werden in Deutschland nach Angaben des Familienministeriums knapp 1,7 Millionen Menschen zu Hause durch Angehörige oder ambulante Dienste versorgt. Zum 1. Januar hat der Gesetzgeber die Familienpflegezeit eingeführt, mit der Unternehmen ihren Beschäftigten mit einem Zeitkonto die Pflege von Angehörigen über zwei Jahre ermöglichen können.

Ein Problem bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sind Ahrens zufolge ein oft unvorhersehbarer Krankheitsverlauf oder plötzliche Veränderungen im Gesundheitszustand der Betreuten. "Eine Kinderbetreuung kann man halbwegs planen, bei einer Pflege ist das nicht so", sagte Ahrens. Das mache die Aufgabe für Arbeitnehmer und Arbeitgeber schwierig. "Man kann nicht die Konzepte, die für die Kinderbetreuung gelten, einfach übertragen", erklärte sie.

Arbeitgeber könnten bereits über die gesetzlichen Regelungen hinaus ihren Angestellten die Pflege durch Arbeitszeitfreistellungen ermöglichen, sagte Ahrens. Doch dabei stießen Firmen häufig an die Grenzen des Machbaren. "Der Arbeitgeber kann auch nicht alles regeln, wenn die Betreuung zu viel Zeit in Anspruch nimmt", sagte sie. Viele Unternehmen böten aber Beratung und Unterstützung.

Besonders schwierig ist die Situation für Arbeitnehmer, die sowohl Kinder haben, als auch ältere Familienangehörige betreuen müssen. "Gerade in der Sandwich-Generation der 40- bis 50-jährigen kann es passieren, dass sie beides gleichzeitig haben", sagte Ahrens.

dapd

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