Terror

Die Terrorspur führt nach Wuppertal

Essen. Nach der Warnung vor Terrorakten in Deutschland schälen sich neue Brennpunkte heraus. Auch Wuppertal rückt in den Blick. Hintergrund ist der Angriff einer US-Drohne auf ein Terrorcamp im Oktober, bei dem drei deutsche Islamisten getötet wurden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat gestern von einer „konkreten Bedrohung“ durch Terroristen gesprochen. Die Hinweise sind in den letzten Wochen eingegangen. Tatsächlich hat sich die Bedrohungslage seit dem 23. Juli langsam zugespitzt. Damals warnte das Bundeskriminalamt (BKA) vor einem „bewaffneten Angriff auf ein oder mehrere Ziele in Europa“.

Seither hat sich die Zahl der durch das BKA oder den Generalbundesanwalt geführten Anti-Terror-Ermittlungen deutlich erhöht. Auch neue Brennpunkte schälen sich heraus. Spuren führen ins Rhein-Ruhr-Gebiet. Sind „Schläfertrupps“ im Raum Köln/Bonn unterwegs? Haben sich zwanzig Islamisten aufgemacht, um in Deutschland nach Vorbild der Ereignisse von Mumbai Geiseln zu nehmen? Viel ist Spekulation. Es gibt auch Fakten.

Anfang Juli. In Kabul fassen US-Streitkräfte den Deutschafghanen Ahmed Wali Sidiqi. Der 36-Jährige ist im Vorjahr aus Deutschland gekommen. In Hamburg hatte er Kontakt zu den Attentätern des 11. September 2001. Im Lager Bagram erzählt er, es sickerten „Schläfer“ nach Deutschland ein, bereiteten Anschläge vor. Angeblich nennt er die Namen von in Pakistan zur „Schulung“ weilenden Deutschen.

26. August. Auf dem Frankfurter Flughafen wird Rami M. festgenommen. Er soll zur „Islamischen Bewegung Usbekistan“ (IBU) gehören, die Terror-Lager in Waziristan unterhält und Deutschland als „Feind“ sieht. Wie Sidiqi ist er 2009 aus Deutschland aufgebrochen. Auch Rami M. redet.

Der Tod kam
aus der Luft

4. Oktober. In Mir Ali in Waziristan, einer mutmaßlichen Ausbildungsstätte für Attentate, schlägt eine US-Drohne in eine Moschee ein. Sie tötet drei Islamisten aus Deutschland: die beiden Hamburger Naamen M. und Sahab D. – und den 20-jährigen Wuppertaler Deutschtürken Bünyamin E., der nahe der Essener Stadtgrenze auf einem Bauernhof gearbeitet hatte. Er hält sich erst drei Wochen in Waziristan auf.

Die Bundesanwaltschaft ermittelte gegen ihn und mehrere andere Verdächtige im Raum Rhein-Ruhr wegen der „Mitgliedschaft, der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ und der Werbung dafür: Es ist wieder die IBU. Bruder Emra, auch aus Wuppertal-Vohwinkel, ist zum Zeitpunkt des Angriffs am gleichen Ort, hält sich aber in einem Nebenraum auf und bleibt deshalb unverletzt. In Berichten heißt es später, der Bruder eines der Getöteten habe Deutschland Rache geschworen.

Liegt in der Abfolge dieser Ereignisse ein Teil der Zuspitzung? Oder ist eher ein Zusammenhang mit den Bomben-Päckchen zu sehen, die aus dem Jemen in die USA unterwegs waren? Hängt beides vielleicht zusammen? Die Sicherheitsbehörden sagen wenig. Sie weisen aber auf Internet-Netzwerke hin, die täglich für den „Heiligen Krieg“ werben. Der Generalbundesanwalt hat gerade Anklage gegen acht Islamisten erhoben – wegen Unterstützung der El Kaida im Netz.

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