Politik

Sensibilität wahren

Ein Kommentar von

Der technische Fortschritt ist Segen und Fluch zugleich. Hellwach ist daher, wer die Gefahr der Überwachung stets hinterfragt. Das erbitterte Tauziehen um die Kontrolle öffentlicher Plätze zur Verbesserung der Sicherheit lässt in seiner Intensität nicht nach – da torpediert die viel privatere Filmerei noch heftiger das grundgesetzlich geschützte Recht, selbst über das eigene Bild und dessen Verwendung zu bestimmen.


Kleine Kameras in Autos sorgen für unangekündigt überwachte Räume. Klingt kleingeistig und rückwärtsgewandt? Nein. Anders als bei der auszuflaggenden Beobachtung der Kaufhaus-Auslagen oder eben des Platzes, auf dem immer wieder Straftaten geschehen, ist der Bürger hier ein unwissender Beifahrer. Der Abwehr-Reflex gegen datenschutztechnisch getriebene Warnungen ist immer gleich strukturiert. Auch auf dieser neuen Spielwiese: Wenn nichts passiere, dann werde ja auch nicht archiviert. Und nur wenn es zum Unfall komme, könne der Betroffene ja möglicherweise auf Beweismaterial zurückgreifen. Eine reichlich matte Rechtfertigung. Denn die Filme landen zur Unterhaltung im Internet – und nur ganz selten vor Gericht. Gut, dass es die Mahner gibt, die mangelnde Sensibilität beklagen. Die Diskussion dreht sich nicht allein um Kameras und die Spaßgesellschaft. Sondern um Persönlichkeitsrechte. Wo überall die ausgehöhlt werden, ist erschreckend.

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