Städtebau

Ruhrgebiet hat ein Problem mit der Mitte

Kunden bleiben aus, die City ist abends tot: So wie Marl haben auch andere Revierstädte ein Problem mit der Stadtmitte. Wie die Region selbst.

53 Städte und Gemeinden, drei Regierungsbezirke, zwei Landschaftsverbände – die Aufzählung kann beliebig ergänzt werden. Die Zersplitterung des Ruhrgebiets kennt jedenfalls viele Gesichter. Sie ist gewissermaßen zum grundlegenden Charakter dieses mit fünf Millionen Menschen größten deutschen Ballungsraums geworden.

Mancher macht aus der Not der Uneinheitlichkeit eine Tugend. Etwa dann, wenn wieder einmal von den Vorzügen dieser ach so polyzentrischen Metropole geschwärmt wird. Doch das Werben mit den ganz, ganz vielen Zentren ist im Grunde nur eine höfliche Umschreibung für den Umstand, dass dem Ruhrgebiet die Mitte fehlt – so wie Marl.

Im Kleinen wie im Großen hat das Revier also ähnliche Probleme. Die Dichte und Konkurrenz der Kommunen macht es besonders den Mittelstädten schwer, eine Urbanität zu entwickeln, die ihrer jeweiligen Größe angemessen wäre. Die Betonwüste der Marler Mitte ist da nur eine besonders ausgeprägte Spielart städtebaulicher Ungastlichkeit. Und dennoch: Was der Region ihren wahren Charme verleiht, ist ihr entspannter Umgang mit sich selbst. Und es sind Heimatgefühle, die sich nicht nur beim Anblick schmucker Gründerzeitfassaden einstellen.

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