Bekämpfung

Missbrauch: Repression ist gut, Prävention muss auch sein

Jan Jessen kommentiert.

Jan Jessen kommentiert.

Foto: NRZ

Die Bekämpfung von Kindesmissbrauch muss auf Repression setzen. Aber wir benötigen auch eine vernünftige Form der Prävention.

Lügde, Bergisch Gladbach, Münster. Drei Missbrauchskomplexe, die in ihren monströsen Dimensionen schockieren. Dutzende Opfer, die unermessliches Leid erdulden mussten, Dutzende Täter, die sich furchtbarer Verbrechen schuldig gemacht haben. Die Aufdeckung dieser Untaten hat ein grelles Licht auf die dunklen Seiten des Internets gelenkt. Chat-Räume, in denen sich Pädokriminelle mal mehr oder weniger offen, mal durch ausgeklügelte Verschlüsselungstechnik geschützt, austauschen und anheizen, in denen sie Bilder und Videos von ihren Verbrechen teilen. Sie gleichen den Echokammern, in denen sich Menschen politisch radikalisieren, in denen eigentlich Unaussprechliches gesagt werden kann, in denen Tabus abgeräumt und der Menschenhass normal erscheint.

Es gibt Zehntausende Männer in NRW mit pädophilen Fantasien. Das ist kein Verbrechen. Es ist eine krankhafte Neigung. Wer sich dieser Neigung hingibt, sich an Bildern von misshandelten Kindern aufgeilt oder gar selbst Kinder sexuell missbraucht, wird zum Verbrecher, zum Zerstörer von Kinderseelen. In den Echokammern des Internets wird dieser Schritt leicht gemacht, es gibt kein Korrektiv, das eingreift. Im Gegenteil: Täter versichern sich gegenseitig, nichts Schlimmes zu tun.

Bekämpfung von Missbrauch: Die Echokammern der Täter infiltrieren

Es ist gut, dass die Ermittlungsbehörden nun technisch wie personell besser in der Lage sind, diese Echokammern zu infiltrieren, Täter wie Opfer zu identifizieren und so den Missbrauch zu beenden. Es muss aber mehr im Vorfeld getan werden. Diese Täter sind krank. Ihnen muss, auch wenn es dafür wenig gesellschaftliches Verständnis gibt, geholfen werden. Pädophilie kann nicht wegtabuisiert werden. Sie gibt es, und dem muss sich die Gesellschaft stellen.

Es braucht niedrigschwellige Angebote für Menschen, die sich ihrer krankhaften Neigung bewusst sind und die Hilfe suchen. Dafür müssen mehr Mittel bereitstehen. Repression ist gut. Ihr seid nirgendwo sicher, muss die Botschaft an diejenigen lauten, die sich an Kindern vergehen. Prävention ist aber besser, weil sie verhindern kann, dass Kinder leiden müssen.

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