Organspenden

Pflicht zur Solidarität

Die Deutschen stehen Organspenden in Umfragen offen gegenüber. Aber trotzdem spenden nur wenige. Warum Deutschland sein System ändern muss.

Acht von zehn Deutschen stehen einer Organspende offen gegenüber, die Transplantationsmedizin hat enorme Fortschritte gemacht – und trotzdem sterben statistisch gesehen täglich drei Menschen in Deutschland, weil sie zu lange auf ein lebensrettendes Organ warten mussten. Diese Entwicklung zeigt, dass es nicht ausreicht, wieder nur Details im Organspende-System zu verändern, wie es CDU und FDP in ihrem Gesetzesentwurf darlegen. Das System an sich muss überholt werden.

Spanien, Österreich und seit kurzem auch die Niederlande machen es vor. Dort gilt die Widerspruchslösung. Während man in Deutschland seine Spendebereitschaft freiwillig erklären kann, müssen Bürger in diesen Ländern einer Spende ausdrücklich widersprechen. Wer nicht Nein sagt, gilt im Falle eines Hirntodes als potenzieller Organspender.

Der Grundsatz der Freiwilligkeit wäre dabei gewahrt. Angehörige wären entlastet, weil sie nicht länger über den Willen des Verstorbenen mutmaßen müssen. Und Kliniken müssten umdenken und sich viel intensiver als bisher auf Organspenden einstellen. Das katholische geprägte Spanien führt mit diesem Ansatz seit Jahren die europäische Organspender-Statistik an.

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