Kommentar

Ohne Druck gibt's beim ÖPNV-Flickenteppich keine Veränderung

Ohne Druck aus Düsseldorf, ohne politische Vorgaben und finanzielle Anreize wird sich am ÖPNV-Flickenteppich im Revier nichts ändern.

Mehr als eine Milliarde Fahrgäste im Jahr und Ticketerlöse in Höhe von rund 1,24 Milliarden Euro: Blickt man auf die blanken Zahlen, ist der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein Gigant. Im größten deutschen Ballungsraum und seinen Nachbarregionen fahren mehr als 2100 Busse, über 50 S- und Regionalbahnlinien sowie zahllose Straßen- und U-Bahnen unter VRR-Flagge.

Als operative Einheit ist der VRR hingegen ein Papiertiger. Nur 170 Mitarbeiter beschäftigt der Verband in seiner Gelsenkirchener Zentrale. Deutlich mehr Menschen sitzen in den zahllosen politischen Gremien und Fachausschüssen dieser Anstalt des öffentlichen Rechts. Die wahre Macht im Revier liegt - wie so oft - ohnehin in den Rathäusern und den Vorstandsetagen kommunaler Betriebe. Und die Erfahrung zeigt: Hier die Weichen umzustellen, wäre ein Kraftakt ohne Gleichen.

Sicher: Könnte man das Ruhrgebiet am Reißbrett neu erfinden, sähe vieles anders aus. Besonders der Nahverkehr. Niemand würde auf die Idee kommen, in einem derart dicht besiedelten Ballungsraum 13 unabhängige Verkehrsbetriebe zu gründen. Aber am Reißbrett lässt sich das Revier nicht mehr überplanen. Also ist das Bohren dicker Bretter gefragt, eine Kunst, auf die sich die Landesregierung besinnen sollte. Denn soviel ist klar: Ohne Druck aus Düsseldorf, ohne politische Vorgaben und finanzielle Anreize wird sich am ÖPNV-Flickenteppich im Revier nichts ändern.

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